Bevölkerungswachstum und seine Folgen


Das exponentielle Bevölkerungswachstum ist die größte Herausforderung vor die die Menschheit je gestellt wurde. Ihr Überleben hängt davon ab, sie zu lösen.

Bevölkerungswachstum als Ursache für das unweigerliche Ende der Menschheit

Ich beginne diesen Artikel mit etwas Mathe. Lassen Sie sich nicht davon abschrecken. Das Verständnis für exponentielles Wachstum ist elementar um die Problematik in vollen Umfang zu verstehen.

Exponentielles Wachstum

Den meisten Menschen fällt es schwer, exponentielles Wachstum zu verstehen. Der Grund, es liegt ausserhalb unserer alltäglichen Wahrnehmung. Wir entwickeln kein Gefühl für diese Art des Wachstums.Ich möchte Ihnen daher zum Verständnis ein Beispiel geben:

Ich bin ein sehr geschickter Handwerker, Landwirt, Informatiker und Biologe. Würde es IHnen gefallen, wenn ich 30 Tage für Sie arbeite?
Mein Angebot an Sie wäre 1 Cent Verdienst am ersten Tag. Für jeden weiteren Tag möchte ich lediglich, dass der Cent verdoppelt wird. Wären Sie damit einverstanden?

Es handelt sich bei meinem, zugegeben sehr hinterhältigen, Angebot um eine exponentielle Funktion. Jeden Tag verdoppelt sich der Betrag.
Waren es am ersten Tag noch 2⁰ Cent, also 1 Cent. Wären es am zweiten Tag 2¹ also 2 Cent. Am dritten Tag 2² Cent. Bis zum 30. Tag 2 hoch 30 Cent.

Allein für den 30. Arbeitstag müssten Sie mir 1,073741824⁹ zahlen. Das wären runde 10,7 Millionen Euro. Dazu käme noch das Geld für die anderen 29 Tage. Eine schier unglaublich hohe Summe. Nur durch Verdopplung des einen Cents.

Das Bevölkerungswachstum wächst nun nicht nur exponentiell. Es handelt sich dabei sogar um ein teils superexponentielles Wachstum. Denn die Verdopplung der Bevölkerung findet in immer kürzeren Abständen statt. Brauchte es von 1800 bis in die 30-er Jahre des 20. Jahrhunderts noch mehr als hundert Jahre, dass sich die Weltbevölkerung verdoppelte, waren es bis 1974 nur 47 Jahre. Aktuell hat sich diese Zahl auf 8 Milliarden wieder verdoppelt.

Prozentual schwankte das Bevölkerungswachstum zwischen 1950 und 2010 zwischen 1,2 und 2%. Wobei ein besonders hohes Wachstum durch die grüne Revolution stattfand. Ich erwähne das, weil diejenigen, die das Wachstum nicht sehen wollen oft im gleichen Atemzug behaupten, man könnte all diese Menschen auch noch ökologisch im Rahmen der Permakultur ernähren. Darauf gehe ich noch ein, denn da ich selber einen Berghof nach den Richtlinien der Permakultur bewirtschafte, habe ich diesbezüglich einen recht praktischen Einblick.

Nehmen wir nun einmal einen Wachstumsfaktor von 1,7% pro Jahr an. Dann können wir folgende Gleichung für das zukünftige Wachstum aufstellen:

f(x) = 8 * 10⁹ * 1,017 hoch x, wobei x dem Zeitraum in Jahren entspricht. In 100 Jahren gäbe es dann

f(100) = 8 * 10⁹ * 1,017 hoch 100
f(100) = 43,17⁹

Also mehr als 43 Milliarden Menschen!

Bereits jetzt haben die Menschen die Ressourcen der Erde verbraucht. Die Meere leer gefischt. Die Urwälder zum Großteil abgeholzt. Die Erde vergiftet. Überall findet sich mittlerweile Mikroplastik.

Ist das kapitalistische Gesellschaftssystem das Problem?

Nun gibt es das Argument, es würde einzig das kapitalistische Gesellschaftssystem schuld sein. Die Erde könnte ja viel mehr Menschen tragen.

Es ist richtig, dass das kapitalistische Gesellschaftssystem einen massgeblichen Anteil an der globalen Zerstörung hat. Schliesslich setzt es auf endloses Wachstum bei endlichen Ressourcen. Doch das allein ist nicht der Grund.

Unser Berghof liegt im Thüringer Wald. Umgeben von Fichtenwäldern. Die meisten gehen in solch einen Wald und meinen wunderschöne Natur zu erleben. Diese Illusion kann ich Ihnen jedoch nehmen. Hier gab es einmal einen wirklichen Wald. Der bestand vornehmlich aus Buchen und wurde bereits im starken Bevölkerungswachstum des Hochmittelalters komplett abgeholzt. Einerseits für die Holzgewinnung, andererseits für Siedlungsfläche, Waldfeldbau,Waldweide, Bergbau, Köhlerei und Brennholz. So wurden die natürlichen Wälder bereits bis zum 14. Jahrhundert zerstört. Im Thüringer Wald verschwanden die heimischen Buchenwälder und wurden durch schnell wachsende Fichten ersetzt.

Heutige Fichtenwälder haben mit einem Wald nicht viel gemein. Willst Du einen Wald vernichten, pflanze Fichten, Fichten, Fichten. Sie dienten einem einzigen Zweck. Dem wirtschaftlichen Nutzen des Pflanzenden. Denn als schnell wachsendes Holz kann es nach vergleichsweise kurzer Zeit geschlagen werden. Die Wälder ähneln heute mehr einem angelegten Feld, als einem Wald.

Der Grund lag hierbei nicht im Kapitalismus, sondern einfach nur am Wachstum der Bevölkerung.

Ernährung der Bevölkerung durch ausschliesslich ökologische Landwirtschaft und Permakultur

Nun wird behauptet, dass es keineswegs zu viele Menschen gäbe und man mit Permakultur und ökologischer Landwirtschaft alle ganz im Einklang mit der Natur leben könnten.
Was bedeutet denn Permakultur? Permakultur versucht natürliche Kreisläufe zu erkennen und zu nutzen. Mal eine Frage. Wo gibt es diese natürlichen Kreisläufe noch? Wo greift der Mensch nicht ein? Aktuelles Beispiel ist der Wolf. Dessen Lücke versuchte der Mensch mehr schlecht als recht zu füllen, indem allein in Deutschland mehr als 361000 Jäger Wildschwein, Reh und Fuchs auflauern. Doch kaum sind die ersten Wölfe erschienen, werden die Rufe nach Abschuss und Ausrottung immer lauter. Schliesslich durchkreuzt der Wolf die eigenen Profite. Und wie kann er das? Er kann das, weil es gar keine natürlichen Kreisläufe mehr gibt. Alles ist der Profitgier von irgendwelchen Interessengruppen unterworfen.


Auf den ganzen Unsinn mag ich gar nicht eingehen. Es zeigt aber, dass allein die schiere Masse an Menschen keine natürlichen Kreisläufe mehr zulässt.

Anderes Beispiel. Durch die enorme Besiedlung wurde Rotwild in die Wälder gedrängt. Eigentlich ist ihr natürlicher Lebensraum nicht der Wald. Dort richten sie nun Schäden am Holz an, das wieder Profiteinbuse bedeutet. Kein Problem, dafür gibt es wieder 361000 Jäger und Schutzmassnahmen, wie einzäunen von jungen Bäumen. Auch der Biber wurde ausgerottet. Ist er doch Konkurrent und nimmt durchaus den einen oder anderen Baum. In Thüringen hat man die ersten Biber nach Jahrzehnten gesichtet. Und es wird sicher nicht lange dauern, bis man sie wieder ausrottet. Der Grund ist auch hier die schiere Menge an Menschen. Kreisläufe haben da keinen Platz. Und wie soll in einer vom Menschen künstlich gestalteten Erwerbsnatur ein natürlicher Kreislauf entstehen, bei dem natürliche Kreisläufe genutzt werden?

Oft wird Sepp Holzer im Rahmen der Permakultur angebracht. Sepp Holzer ist sicher gut im Vermarkten, mit Permakultur hat er aber wenig zu tun. Sein Maschinenpark ist unendliche Weiten davon entfernt und seine in Büchern verkauften Konzepte sind bestenfalls unbrauchbar. Ich verweise bezüglich dieses Themas auf den Artikel: Sepp Holzer

Ökologische Landwirtschaft

Permakultur kommt also nicht in Frage. Wäre es möglich, alle 80 Millionen Menschen in Deutschland mittels ökologischer Landwirtschaft zu ernähren? Daran darf mehr als gezweifelt werden. Schliesslich war es gerade die “grüne Revolution” die zu einem enormen Anstieg des Bevölkerungswachtums führte. Ähnlich wie damals, als die Menschen sesshaft wurden, der Anbau zu einem enormen Wachstum der Bevölkerung führte.

Würde man die aktuell nutzbare landwirtschaftliche Fläche in Deutschland durch die Anzahl der Einwohner teilen, dann käme man auf 2250m² pro Einwohner. Würde das für eine ökologische Landwirtschaft ausreichen? Wer meint ja, hat sicher keinen tiefen Einblick, wieviel Fläche ein Mensch wirklich benötigt. Für einen Veganer könnte die Fläche mit etwas Glück ausreichen. Doch wie sieht es aus, wenn man den Fleisch- und Milchkonsum hinzurechnet? Leder, Wolle und vieles mehr? Allein eine Kuh benötigt 10000 m² Land. Selbiges gilt für ein Pferd. Es gibt also einen riesigen Bedarf an landwirtschaftlicher Fläche allein nur für die Viehhaltung. Und wieviel Vieh es aufgrund des massiven Konsums von Fleisch und Tierprodukten gibt zeigt die weltweite Gewichtsverteilung. Die beträgt 1:7. Die Tiere die der Mensch zur Ausbeutung nutzt, bringen also das Siebenfache der Menschheit auf die Waage. 1 Million Rinder in Deutschland benötigen alleine 10 Milliarden Quadratmeter Land. Hinzu kommen Pferde, Schafe, Ziegen, Hühner, Enten, Gänse usw. Die enormen Mengen an Futter werden auf den Weltmärkten eingekauft und hier verfüttert. Weshalb Viehfutter in der Regel genmanipuliertes Getreide enthält. Soviel dazu, dass in Deutschland die Lebensmittel genfrei wären.

Ursache Bevölkerungsdichte

Um es auf den Punkt zu bringen. Die Bevölkerungsdichte ist das eigentliche Problem vor dem wir stehen. Das exponentielle Wachstum wird unweigerlich zu unserer aller Ende führen. Besonders katastrophal ist diese Überbevölkerung durch die Kopplung mit einem Gesellschaftssystem, das auf unbegrenztes Wachstum bei endlichen Ressourcen setzt. Die Auswirkungen zeigen sich überall. Die Menschen werden entweder lernen eine gesunde Populationgröße zu entwickeln und zwar schnellstens oder die Natur regelt das für den Menschen, indem es ihn von der Erde tilgt. Denn der Mensch steht nicht ausserhalb der Natur, er ist Teil der Natur und somit auch ihren Gesetzen unterworfen.

Ein einzelner Mensch scheint oft noch vernunftbegabt. Doch sobald er in der Gruppe ist, greift das Gesetz der Entropie. Alles trifft sich auf dem kleinsten Nenner. Und so handelt der Mensch als Gesellschaft vollkommen geistesgestört. So kann ich nur hoffen, dass die Menscheit rechtzeitig auch auf diesem geringsten Nenner die Problematik erkennt und gemeinsam das exponentielle Wachstum stoppt.