Permakultur nach Sepp Holzer ein Praxisversuch


Eine kritische Betrachtung der Permakultur nach Sepp Holzer

Auf unserem Berghof arbeiten wir seit Jahren mit der Natur, nicht gegen sie. Wir versuchen Kreisläufe zu schaffen und ökologisch integriert, innerhalb der natürlichen Gegebenheiten, zu arbeiten. Vor nun mehr als 4 Jahren befassten wir uns mit der Permakultur nach Sepp Holzer und starteten einen Praxisversuch.

Zugegeben, aufgrund unserer Erfahrungen glaubten wir von Anfang an nicht an eine erfolgreiche Umsetzung der Permakultur nach Sepp Holzer und so starteten wir einen Vergleichsanbau. Wir erstellten Hügelbeete nach Sepp Holzer und bauten zum Vergleich Hügelbeete nach unseren Vorstellungen. Wir bauten einen Erdstall nach Sepp Holzer und bauten gleichzeitig mehrere Erdställe nach unseren Vorstellungen. Welche Erfahrungen wir machten und auf welche Probleme wir stiessen, zeigen wir Euch in diesem Praxisversuch.

Hügelbeete nach Sepp Holzer

Der Aufbau eines Hügelbeetes nach Sepp Holzer ist erst einmal langwierig, energieaufwändig und schwer. Sepp Holzer arbeitet daher auch mit einem Maschinenpark, der kaum mit einer Permakultur vereinbar ist. Wir arbeiten auf unserem Hof unter ähnlichen Bedingungen wie Sepp Holzer, wenn man vom Maschinenpark absieht. Unser Berghof liegt in einer Höhe von 750 m mit ausnahmslos steinigen, kargen Boden und viel Wind. Um die Hügelbeete zu erstellen, gruben wir 3 Löcher in den Stein 20 Meter lang, 2 Meter tief und 3 Meter breit. Dabei bewahrten wir die Grasnaben der obersten Schicht penibel auf. Sobald die Löcher ausgehoben waren, standen wir vor dem ersten Problem. Wo bekommt man so viele Baumstämme her, um sie in die gegrabenen Löcher zu stapeln? Auch blieb uns bereits an dem Punkt der Sinn verborgen. Zeigt die Erfahrung doch, dass der Boden durch die Holzstämme sauer werden würde. Seis drum, wir brachten die Menge an toten Baumstämmen auf und stapelten sie feinsäuberlich in die Löcher. Legten die Grasnaben mit der Grasseite nach unten gerichtet eng auf das Holz, gefolgt von einer Schicht Humus. Als Endschicht brachten wir die gesiebte, ausgehobene Erde auf. Aufgrund der Humusschicht könnte diese Art des Hügelbeets die ersten Jahre klappen, wenn auch der Energieaufwand in keinem Verhältnis zum Ertrag stehen würde. Nur was ist danach? Wie würden sich die Baumstämme auf den Boden auswirken? 4 Jahre später ziehen wir ein Resümee.

Auf die erste gravierende Auswirkung mussten wir nicht lange warten. Bereits nach einem Jahr zeigte sie sich uns in Form von Wühlmäusen. Sie hatten die Hügelbeete für sich entdeckt. War es für sie zuvor schwer sich durch den steinigen Boden zu graben, fanden sie in den Hügelbeeten offensichtlich optimale Bedingungen. Die unvermeidlichen Hohlräume zwischen den Bäumen sorgten geradezu für ein Wühlmausparadies. Bereits im 2 Jahr mussten wir dazu übergehen Pflanzen anzubauen, die für Wühlmäuse unattraktiv sind, denn durch die geschaffenen „Schnellstrassen“ in den Sepp Holzer Beeten, wurde nahezu die komplette Ernte von Wurzelgemüse vernichtet. Bereits im 3. Jahr zeigte sich ein sauerer Boden, auf dem trotz zuvorigen brachliegens nicht mehr anzubauen war, als anspruchslose Wildkräuter und Topinambur.


Nachfolgende Bilder zeigen eine Kürbispflanze auf einem der Sepp Holzer Beete und im Vergleich eine Kürbispflanze auf dem Vergleichsbeet. Beide wurden zum selben Zeitpunkt ausgebracht und stehen gerade einmal 30 Meter entfernt voneinander.

Kürbis auf Hügelbeet nach Sepp Holzer
Kürbis auf Hügelbeet nach Sepp Holzer
Kürbis nach Hügelbeet Olitätenhof
Kürbis nach Hügelbeet Olitätenhof

Nachfolgende Bilder zeigen einen Vergleich einer Malve. Die Malve auf dem Vergleichsbeet ist über 2 Meter hoch und kräftig. Die Malve auf den nach Sepp Holzer errichteten Beeten ist klein und aufgrund mangelnder Nährstoffe kränklich.


Malve auf nach Sepp Holzer errichteten Hügelbeet nach 4 Jahren
Malve auf nach Sepp Holzer errichteten Hügelbeet nach 4 Jahren
Malve auf Vergleichsbeet Olitätenhof 5 Meter entfernt
Malve auf Vergleichsbeet Olitätenhof 5 Meter entfernt

Die Vergleichsbeete auf dem Olitätenhof werden nach einem einfachen Prinzip und ohne viel Aufwand erstellt. Sollte es nicht genau so in der Permakultur sein?


Wir sammeln den auf dem Berghof anfallenden Mist und legen ihn auf die Fläche, die das Beet werden soll. Wir achten dabei auf ein Mischverhältnis von 1:1 von pflanzlichen und tierischen Abfallstoffen. Darüberhinaus geben wir noch Holzkohle und Ton mit in den Kompost. Nach einem Jahr sammeln, wird der Komposthaufen mit Ziegenmolke oder effektiven Mikroorganismen übergossen (geimpft), eine dünne Schicht Erde aufgebracht und mit einer durchsichtigen Plane abgedeckt. Bereits nach 2 Monaten bepflanzen wir das Beet mit Starkzehrern. Die Erträge sind enorm. Der Aufwand nahezu null. Die Beete entstehen im Kreislauf der Nährstoffentnahme und Rückführung.


Erdställe nach Sepp Holzer

Höhlen in die Erde zu bauen und als Lagerplätze oder Ställe zu nutzen ist hier in den Bergen nicht neu. Wir haben die verschiedensten Erdställe gebaut. Für Ziegen, Hunde, Enten und Hühner. Wobei gerade Hühner viel Licht benötigen und wir daher in der Dachfläche Gewächshausplatten einbauten um die Lichtzufuhr sicher zu stellen. Auch bei den Erdställen wartet Sepp Holzer wieder mit einem Maschinenpark auf und kleidet sie innen mit Baumstämmen aus. Eine Variante, die wir nur für einen kleinen Erdstall nachbauten, den heute unsere Enten bewohnen. Leider führt das Holz durch Feuchtigkeit und Fäulnis zu keinem sonderlich angenehmen Raumklima. Und das obwohl wir das Holz durch Steine zumindest rudimentär vor dem direkten Kontakt mit der Erde schützten. Auch sind Bäume in den Bergen nun nicht gerade Massenware und sieht man von ungeeigneten Fichtenstämmen einmal ab, auch sehr teuer. Geeignet wären beispielsweise Lärchenstämme, die wir auch für die Überdachung der Erdställe nutzen. Allerdings kleiden wir unsere Erdställe bei bestimmten Tierarten, wie Hunden überhaupt nicht aus. Bei anderen Tieren, wie Hühner, Ziegen und Schafen errichten wir Bruchsteinmauern aus den hier verfügbaren Steinen. Die Dächer bauen wir aus Lärchenstämmen, die mit einer LKW-Plane oder Schiefer überdeckt und mit Erde zugeschüttet werden.


Die Krux mit den Tieren

Schenkt man Sepp Holzer Glauben, dann sind die Tiere überall und jedes nimmt sich nur soviel wie es braucht. Für die eigene Ernte würde dann noch genügend übrig bleiben. Als Beispiel werden Hühner angeführt, die fröhlich in den Beeten scharren, sich von den ab und zu herunterfallenden Körnern nähren und mit ihren Hinterlassenschaften den Boden düngen. Eine traumhafte Vorstellung, die leider in unserem Fall vollkommen realitätsfern war. Unsere Hühner zerstören eine Ernte komplett. Selbst vor Möhren machten sie nicht halt, weshalb wir sie tunlichst von den angelegten Beeten fern halten. Ist der Besatz nicht zu hoch, können sich Laufenten in den Beeten aufhalten. Allerdings sollte auch dafür genügend Platz vorhanden sein. Laufenten sorgen dafür, dass die Beete Nachtschneckenfrei bleiben. Aber auch bei Laufenten ist Vorsicht geboten. Sie lieben bestimmtes Gemüse und können im Herbst durchaus schon einmal den Blumenkohl komplett abfressen. Wir haben nicht schlecht gestaunt, als unser Blumenkohl verschwunden war.