Waldmeister


Frischen Waldmeister verwendete man früher zur Herstellung von Bowle. Waldmeister gibt der Bowle ein sehr gutes, würziges Aroma und wirkt blutreinigend.


Waldmeister bezaubert mich immer wieder, wenn ich im Mai, an schwülen, gewittrigen Nachmittagen seinen köstliche Duft wahrnehme. Dabei ist an dem Waldmeisterstäudlein nicht viel dran. Ein bindfadendünner, zäher, geknoteter Stengel, der wurzelstockartig im Mull verborgen am Boden liegt. Ende April bildet er eine größere Anzahl senkrecht aufsteigender kantiger Sprosse, die im Mai mit einem schirmartigen, weißen Blütenstand ihr Wachstum abschließen und von Knoten zu Knoten, unten hinaus mit sechs oben hinaus mit achtzähligen Quirlen rauhrandiger Blättchen umgürtet sind. Aber diesen Blättern und Blüten entströmt dieser unbeschreibliche Duft, der beim welken der Pflanze seinen Höhepunkt erreicht. Dieser Duft erinnert an Ruchgras, Honig und Steinkleeblüten und macht aus Wein Bowlen.

Er ist an ein ätherisches, cumarinhaltiges Öl gebunden, das bei Behandlung des Waldmeisters mit Alkohol aus Blättern, Stengel und Blüten entweicht und sich auflöst. Wie die Gattungsbezeichnung des Waldmeisters vermuten läßt, handelt es sich dabei nicht direkt um Cumarin sondern um das Glykosid Asperulosid, aus dem unter Einwirkung des Ferments ß-Glucosidase in Gegenwart von Wasser Cumarinsäure und Wasser entstehen.

Näher kommt man dem Waldmeister jedoch, wenn man das Wort Kumarin oder auch Cumarin nicht in den Mund nimmt und sagt, er rieche süßlich nach Moder, stiller Fäulnis, alten Kleidern und Begebenheiten die sich im beginnenden Diluvium in unseren Wäldern zugetragen haben. Es gäbe viele Geschichten über diese Heilpflanze zu erzählen. Zum Beispiel wie er zu seinem Geruch kommt und wie der Waldmeister zu den Mykorrhizapilzen kam, mit deren Hilfe er augenblicklich noch Abfälle aus den Moderstoffen des Waldes sich zuführt. Aber die Zeit und sicher auch die Aufmerksamkeit der meisten Leser zwingt mich, den rebus botanicis nachzulaufen. Drum sei nur noch gesagt, dass diese Heilpflanze Waldmeister heißt, weil sie einem mittelalterlichen Mönchlein zu unsittlich schien, ihn noch ferner unter dem tiefsinnigen Heidennamen Frauenbettstroh herumlaufen zu lassen.

Trocken wie der Name Waldmeister ist seine Botanika. Sie klären darüber auf, dass die kleinen, manchmal rot angehauchten, kelchlosen Trichterblütchen an den Rändern eines Nektarkragens, der auf dem Fruchtknoten liegt, fleißig Honig abscheiden. Dieser Honig lockt Fliegen, Käfer, kleine Schmetterlinge und Erdhummeln an. Trotz gleichzeitiger Reife der Geschlechtsorgane können die Tiere Kreuzbefruchtung herbeiführen, da die vier Staubbeutel seitlich aus der Krone herausragen und die Narbe tief in der Röhre steht. Später neigen sich die Beutel über dem Blütengrunde zusammen und schütten ihren weißen Staub über die Narbe aus. Die Frucht ist ein zweiknötiges, ledriges Gebilde, das sich mit hakigen Borsten an Tieren und Kleidern leicht festhängt.

Waldmeister
Waldmeister

Bezeichnungen

Bis in’s Mittelalter bezeichnete man den Waldmeister als Frauenbettstroh und nutzte ihn zum auffüllen von Betten. Die Bezeichnung Frauenbettstroh ist heute kaum noch geläufig. Genauso wie Herzfreud, Leberkraut oder Sternleberkraut. Botanisch bezeichnet man die zur Familie der Rötegewächse gehörende Pflanze als Asperula odorata und drückt damit aus, dass er zur Gattung der Meister, Asperula, gehört. Neuerdings ordnet man den Waldmeister jedoch der Gattung der Labkräuter zu und bezeichnet ihn als Galium odoratum.

Indiaktionen

Kopfschmerzen, Frühjahrskur, Nervosität, Geschwülste und Beulen, Wassersucht, Stress, Unterleibsschmerzen, Beschwerden mit der Milz, Galle oder der Leber, Harngriesleiden.

Waldmeister Anwendung und Wirkung

Waldmeister wächst bevorzugt in schattigen Buchenwäldern. Verwendet werden die Blätter, die vor der Blüte (Mai bis Juni) gesammelt werden sollten. Die Waldmeisterblätter sind eisen- und natronhaltig. Frischen Waldmeister kann man zur Erstellung von Maibowle verwenden. Maibowle oder auch Maiwein ist eine Mazeration von Waldmeister in leicht gezuckertem Weißwein. Dabei sollte der Waldmeister nicht länger als 10 Minuten im Wein verbleiben, da er sonst einen bitteren Geschmack verursacht. Für die Maibowle kann man auch die Stengel des Waldmeisters nutzen. Als Dosierung empfiehlt sich nicht mehr als drei Stengel auf einen Liter Wein zu nehmen. Der Genuß größerer Mengen kann zu Kopfschmerzen und Benommenheit führen. Die frisch erstellte Bowle wird als blutreinigend, anregend und verdauungsfördernd beschrieben.

Pharmakologisch unterstellt man dem Waldmeister eine antiseptische, blutreinigende, galletreibende, harntreibende, schweißtreibende, sedative, tonische und wundheildene Wirkung.


Die frischen Waldmeisterblätter lindern den Kopfschmerz, wenn man sie auf die Stirn bindet. Sie ziehen Hitze aus Geschwülsten und Beulen.


Ein Waldmeistertee schafft Linderung bei Wassersucht, Unterleibsschmerzen, Milzbeschwerden, Leberbeschwerden und Harngries.

Getrocknete Waldmeisterblätter mit Ehrenpreis, Sanikel, Erdbeerblättern, Gundermann und Melisse zu gleichen Teilen gemischt, ergeben einen vorzüglich schmeckenden Tee.


In der Homöopathie erstellt man aus dem ganzen Waldmeisterkraut eine Tinktur, die zur Behandlung von Metritis eingesetzt wird. In der Volksmedizin verabreichte man die Waldmeisterpflanze bei Lebererkrankungen und Gelbsucht.


Als Infus nutzte man Waldmeister bei Verdauungsbeschwerden, bei Wassereinlagerungen und allgemeiner Schwäche.