Marienblatt


Das Marienblatt kennt man unter vielen Namen und doch ist es vergleichsweise unbekannt. Im Mittelalter sucht man es vergebens in den Kräuterbüchern unserer alten Kräuterkundigen.

Einzig Hieronymus Bock widmet ihm 1539 zwei Seiten und macht auf diesen Mißstand aufmerksam indem er schreibt:

Mich wunderet, dass die alten Kreutterbücher dieses Gewächs nicht gedenken. Seitemal es nit allein gemein. Also daß man diß Kraut beinah auf allen Kirchhöfen von Weibern auf den Gräbern gepflanzet findet. Sondern auch das es ein wohlriechende Wurz ist.

Hieronymus Bock nennt das Marienblatt Frauenkraut und sieht in ihm die durch Dioskurides beschriebene Alisma, die Dioskurides auch als Damasonium bezeichnet. Eine Herleitung die ich teile, denn die durch Dioskurides gegebene Beschreibung passt exakt auf unser Marienblatt.

Verwendeten die Germanen das Marienblatt als rituelle Pflanze oder Heilpflanze

Schenken wir Johann Friedrich August Kinderling in seiner Interpretation der Capitulare de villis von Karl dem Großen aus dem 8. Jahrhundert Glauben, handelt es sich beim darin beschriebenen Costum um unser Marienblatt. Das uns zuvor schon 827 im Hortulus des Walahfrid Strabo begegnet.

Es wäre demnach als sicher anzusehen, dass das Marienblatt unseren germanischen Ahnen bestens bekannt war. Doch selbst wenn wir dieser Interpretation nicht folgen, zeigen die Ausführungen von Hieronymus Bock und der heute noch überlieferte Name Balsamkraut, dass das Marienblatt eine bedeutende rituelle Stellung einnahm.

Denn noch im ausgehenden Mittelalter fand sich das Marienblatt auf nahezu jedem Grab. Sie können sich sicher gut vorstellen, worauf sich die Bezeichnung Balsamkraut für das wohlriechende Marienblatt begründet.


Auch die heute gebräuchliche wissenschaftliche Bezeichnung Tanacetum balsamita weist mit der Artbezeichnung balsamita auf die eigentliche Verwendung dieser Pflanze hin.

Marienblatt
Marienblatt

Marienblatt Anwendung und Wirkung

1539 schreibt Bock über die Wirkung:

Es ist kein Wunder, daß diß wohlriechend Kraut in den Würzgärten geziehet wird. Denn es solcher Ehren wohl wert ist. Am Geruch sehr lieblich. In der Wirkung wunderbarlich. Seine Komplexion ist warm und trocken. Nützlich im Leib für allerhand Gift genommen. Äußerlich aufgelegt die Geschwulst zerteilend.

Innerliche Verwendung

Das grüne junge Kraut verwendete man aufgrund des guten Geschmacks und des wohlriechenden Duftes als edle Salbe in den Speißen. Wobei Geschmack Geschmackssache ist. Persönlich empfinde ich den Geschmack als brennend scharf. Ohnehin sollten Sie vorsichtig bei der Verwendung in der Küche sein. Das Kraut sollte nur in geringen Mengen eingenommen werden.

Das Kraut in Wein gekocht und getrunken war ein Gegengift. Insbesondere nach Vergiftungen durch Medikamtente, wie Opium. Auch geringe Mengen der pulverisierten Wurzel dienten dem selben Zweck.

Der aus dem Kraut gepresste Saft wurde gegen Würmer getrunken. Er sollte den Magen stärken und das Erbrechen verhindern.

Ein Tee aus dem Kraut diente als Arznei bei Galleleiden.

Darüber hinaus wurde das Marienblatt bei Leber-, Milz- und Nierenbeschwerden, Krämpfen, Blähungen, ausbleibender oder geringer Menstruation und Beschwerden mit dem Magen verabreicht.

Äußerliche Verwendung

Äußerlich diente das zerstoßene Marienkraut als Pflasterauflage bei Geschwülsten. Klein geschnitten oder geräuchert vertrieb es das Ungeziefer aus den Räumen.
Frisch zerdrückt auf Wunden, Quetschungen oder Stiche aufgelegt schafft es Linderung.

Bei Kopfschmerzen empfahl man ebenfalls frisch zerdrücktes Marienblatt auf die betroffene Stelle zu legen.

Marienblattpflanze kaufen

Die Pflanze ist ursprünglich in Asien heimisch. Aufgrund seiner frühzeitlichen Verwendung ist sie noch auf Kirchhöfen zu finden. Daneben in Bauergärten und selten auch auf Schuttplätzen. Verschiedene Gärtnereien bieten die Pflanze unter der Bezeichnung Tanacetum balsamita an.