Huflattich


Huflattich als Heilpflanze blickt auf eine arzneilich genutzte Geschichte von mehr als 2000 Jahren zurück. Bereits Diokurides bezeichnete den Huflattich als bechion und bezieht sich damit auf seine Verwendung als Hustenmittel. Er rät, Blätter und Wurzel der Heilpflanze Huflattich zu verbrennen und den Rauch einzuatmen.

Auch in den Werken von Hildegard von Bingen, Paracelsus, Matthiolus und Bocks wird der Huflattich als Hustenmittel empfohlen. In der Volksheilkunde wurde der Huflattich recht nüchtern behandelt. Über ihn existieren fast ausschließlich sachliche Beschreibungen. Keine Sagen oder phantasievollen Geschichten.

Botanik

Der zur Familie der Korbblütler zugehörige Huflattich ist eine ausdauernde Pflanze mit rübenartigen Wurzelstock aus dem im Frühjahr bis zu 30 cm hohe weißfilzige Stengel mit löwenzahnähnlicher Blüte spriessen. Die erst im Sommer nach der Blüte erscheinenden, herzförmigen bis hufeisenförmigen, handgrossen Blätter sind gezähnt, oberseits dunkelgrün, glatt und auf der Unterseite weiß behaart.

Huflattich
Huflattichblüte

Huflattichblüte
Huflattichblüte

Bezeichnungen

Die Bezeichnung Huflattich ist sicher auf die sich nach der Blüte bildenden hufeisenförmigen Blätter des Huflattichs zurückzuführen. Nach Eugen Dornung bezieht sich der zweite Teil des deutschen Namens nicht auf  den als Lattich bezeichneten Salat ? lat. lactuca sondern stammt von dem lateinischen Wort lapatica, womit großblättrige Pflanzen bezeichnet werden.


Wissenschaftlich wird der Huflattich als Tussilago farfara bezeichnet. Womit seine Gattungsbezeichnung Tussilago seiner hustenstillenden Wirkung Ausdruck verleiht, lat. tussis ? Husten; lat. agere ? vertreiben. Die Artbezeichnung farfara weist auf den mehligweissen, ablösbaren Belag auf der Unterseite der Huflattichblätter hin, lat. farina ? Mehl; lat. ferre ? tragen.

Weitere volktümliche Namen für den Huflattich sind Brandlattich, Brustlattich, Haferlattich, Eselsfuß, Quirinkraut, Quittenlattich, Roßlattich, Sandblatt, Roßfuß.

Indikationen

Huflattich ist seit Jahrtausenden als beruhigendes und schleimlösendes Hustenmittel bekannt und wurde dementsprechend auch verwendet. Zwar werden dem Huflattich von der Volksmedizin weitere positive Wirkungen zugesprochen doch weisen viele Kräuterkundige darauf hin, dass es bei fast allen anderen beschriebenen Anwendungsmöglichkeiten bessere Heilpflanzen gäbe. Trotzdem sollen sie hier nicht unerwähnt bleiben. So wird Huflattich traditionell auch bei beginnender Tuberkulose, Asthma, Brustfellentzündung, Gesichtsrose und schleimigen Durchfall eingesetzt. Äusserlich nutzte man Huflattich in Form von Umschlägen zur Behandlung von Beingeschwüren, Venenentzündungen und Verbrennungen. In der Landbevölkerung wurden Huflattichblätter als auf die Lunge kräftigend wirkender Rauchtabak genutzt.

Verwendung in der Homöopathie

In der Homöopathie wird Huflattich bei Tuberkulose, Asthma und Baufellentzündung eingesetzt.

Huflattich Anwendung und Wirkung

Verwendet werden die Huflattich-Blüten und die jungen, fade schleimig, leicht bitter schmeckenden Huflattichblätter von denen die an sonnigen Standorten gewachsenen Blätter denen im Schatten gewachsenen vorzuziehen sind. Die Huflattichblüten werden von März bis April gesammelt, die sich nach der Blüte bildenden Huflattichblätter von Mai bis Juni.

Huflattichtee

Huflattichtee ist ein ausgezeichnetes Lungenmittel und ein beliebter Hustentee. Huflattichtee wirkt auflösend, beruhigend auf die Atmungsorgane und schleimfördernd.

Für einen Huflattichtee werden 2 Teelöffel Huflattichblätter oder Huflattichblüten mit 200ml heissen Wasser übergossen und 15 Minuten ziehen gelassen. Durch hinzufügen von Ackerschachtelhalm oder Spitzwegerich wird der Tee stärker. Dinand empfiehlt ein Drittel des Wassers durch Wein zu ersetzen um die Wirksamkeit des Huflattichtees zu erhöhen.

Oertel empfiehlt für den Huflattichtee eine Mischung aus Huflattichblüten, Huflattichblättern, Wollblumenblättern, Wollblumenblüten und Malve mit einem kleinen Zusatz von Ackerschachtelhalm, Anis und Süßholz. Der Tee wirkt nicht nur schleimlöend und beruhigend auf die Atmungsorgane, sondern hat auch eine krampfstillende, appetitanregende Wirkung. Zur Unterstützung sollten frische Huflattichblätter in Form eines Umschlags auf die Brust gelegt werden. Sie ziehen laut Oertel das Fieber und die Hitze aus der Brust.

Ein Tee aus Huflattich, Tausendgüldenkraut und Spitzwegerich im Verhältnis 1:1 gemischt, soll eine heilsame Wirkung bei Drüsenschwellung haben.

Huflattichpulver

Huflattichpulver ist das gemahlene Pulver aus getrockneten Huflattichblüten und Huflattichblättern. Von dem Pulver werden traditionell täglich zwei Messerspitzen verabreicht bei Beschwerden mit den Atmungsorganen.

Huflattichsaft

Der aus den frischen Huflattichblättern gewonnene Huflattichsaft  wurde anstatt Tee bevorzugt mit Milch und Honig als Frühjahrstrank verabreicht. Dinand empfiehlt Huflattichblätter zu klopfen, dass der Saft austritt und sie zusammen mit dem Saft zur Kühlung von hitzigen Geschwüren, offenen Fußwunden oder zur Behandlung von Gesichtsrose (Rotlauf) zu verwenden.

Frische Huflattichblätter

Frische Huflattichblätter dienen äußerlich als Auflage zur Behandlung von Rippenfellentzündung, Gesichtsrose, Gürtelrose oder Entzündungen. Frische Huflattichblätter wurden auch als Gemüse oder zu Salat verwendet.

Rauchtabak

Getrocknete Huflattichblätter wurden bei Atmungsbeschwerden geraucht. Oertel empfielt für einen guten Rauchtabak die Blätter mit Waldmeisterblättern zu mischen.

Früher waren Asthmazigaretten im Umlauf. Die Grundlage für diese Asthmazigaretten bildete Huflattich. Dazu mischte man die Blätter des Stechapfels oder des Bilsenkrauts im Verhältnis 2:1. Sowohl der Stechapfel als auch das Bilsenkraut sind giftige Nachtschattengewächse. Man kann sich fragen, weshalb solch giftige Gewächse in eine Asthmazigarette gegeben wurden. Grund ist, dass Asthma oft etwas mit persönlicher Unterdrückung zu tun hat. Der betroffene wagt sich nicht auszuatmen. Die Nachtschattengewächse dienen dazu, das Gemüt aufzulockern. In der Regel reichen zwei tiefe Züge von einer Asthmazigarette. Der Missbrauch für Rauschzwecke führte zum Aus der Asthmazigarette, so dass sie heute lediglich von Kräuterkundigen selbst zusammengestellt wird.

Rezepte nach Madaus 1938

Huflattich als Expektorans:

Rp.:
Fol. Farfarae conc. . . . 50,0 (= Huflattichblätter)
D.s.: 4 Teelöffel voll zum heißen Infus mit 2 Glas Wasser, tagsüber zu trinken.
(Teezubereitung: Der aus den Blättern bereitete Tee ergibt heiß einen Extraktgehalt von 2,75% und kalt 2,05%. Der Glührückstand beträgt heiß 0,820% und kalt 0,874%. Geschmacklich konnte ein Unterschied zwischen kalt und heiß nicht festgestellt werden. Der Tee wird auf Grund des Befundes im Extraktgehalt zweckmäßig h e i ß hergestellt. Ein im Verhältnis 1:50 angesetzter Tee ist noch gut trinkbar. Peroxydase ist nur im kalt bereiteten Auszug schwach nachweisbar.n1 Teelöffel voll wiegt 1,1 g; der Tee kann also mit 2 Teelöffeln auf 1 Glas angesetzt werden.).
Oder:
Rp.:
Farfarae succi rec. . . . 125,0
D.s.: Dreimal täglich 1 Eßlöffel.
Farfarae succi rec.

Huflattich als Expektorans (nach Rose):

Rp.:
Fol. Farfarae (= Huflattichblätter)
Hb. Verbasci thaps. (= Wollblumenkraut)
Hb. Pulmonariae (= Lungenkraut)
Cetrariae islandicae (= Isländisches Moos)
Hb. Plantaginis lanceol. (= Spitzwegerichkraut)
Hb. Malvae . . . ?? 15 (= Malvenkraut)
C.m.f. species.
D.s.: 4 Teelöffel auf 2 Glas Wasser.

Huflattich bei Brust- und Rippenfellentzündung (nach Theismann):

Rp.:
Hb. Farfarae (= Huflattichkraut)
Hb. Galeopsidis (= Hohlzahnkraut)
Fructus anisi (= Anissamen)
Hb. Urticae ur. . . . ?? 15 (= Kraut der Kleinen Brennessel)
C.m.f. species.
D.s.: 4 Teelöffel auf 2 Glas Wasser.

Huflattich bei bronchialen Erkrankungen (Puhlmann-Tee):

Rp.:
Hb. Galeopsidis . . . 60,0 (= Hohlzahnkraut)
Fol. Farfar. . . . 30,0 (= Huflattichblätter)
Hb. Pulmon. . . . 30,0 (= Lungenkraut)
werden gemischt und mit einer Lösung von
Natr. benzoic. . . . 5,0
Gummi arab. . . . 5,0
in Aqua dest. . . . 30,0
getränkt.
M.f. species.
D.s.: Von der Abkochung mehrmals täglich 1 Tasse warm trinken.
Oder:

Huflattich – Lippspringer Tee:

Rp.:
Flor. Verbasci thaps. (= Wollblumen)
Flor. Malvae (= Malvenblüten)
Flor. Papaveris rh. . . . ?? 10 (= Klatschmohnblüten)
Fol. Farfarae (= Huflattichblätter)
Lichenis island. (= Isländisches Moos)
Rad. Althaeae (= Eibischwurzel)
Rad. Inulae helen. (= Alantwurzel)
Rad. Liquiritiae (= Süßholzwurzel)
Fruct. Foeniculi (= Fenchelsamen)
Hb. Millefolii . . . ?? 20 (= Schafgarbenkraut)
M.f. species.
D.s.: 4 Teelöffel auf 2 Glas Wasser.

Huflattich bei Asthma bronchiale (nach Meyer):

Rp.:
Hb. Millefolii (= Schafgarbenkraut)
Fol. Farfarae (= Huflattichblätter)
Flor. Malvae silv. (= Malvenblüten)
Flor. Lavandulae . . . ?? 25 (= Lavendelblüten)
M.f. species.
D.s.: 1 Eßlöffel mit 1 Tasse Wasser abkochen und mehrmals täglich 1 Tasse nehmen.
Zubereitungsvorschlag des Verfassers: 4 Teelöffel auf 2 Glas Wasser.

Huflattich als Antidiarrhoikum (nach Meyer):

Rp.:
Flor. et Fol. Althaeae (= Eibischblüten und -blätter)
Fol. Farfarae (= Huflattichblätter)
Flor. Malvae (= Malvenblüten)
Seminis foenugraeci . . . ?? 25 (= Bockshornkleesamen)
M.f. species.
D.s.: 2 Eßlöffel mit 1 Tasse Wasser abkochen und eßlöffelweise zu nehmen.
Zubereitungsvorschlag des Verfassers: 5 Teelöffel auf 2 Glas Wasser

Huflattich in der evidenzbasierten Medizin

Aus Sicht der evidenzbasierten Medizin stellt der Huflattich ein reizlinderndes und entzündungshemmendes Mittel bei Katarrhen der Atemwege verbunden mit Reizhusten dar. Aufgrund der in Huflattich enthaltenen Alkaloide wird die Einnahme von Huflattich aus Wildbestand durch die evidenzbasierte Medizin nicht empfohlen ? siehe Nebenwirkungen.

Gegenanzeigen und Nebenwirkungen

Huflattich enthält bis zu 0,02 % Pyrrolizidin-Alkaloide wie Senkirkin und Senecionin. Für diese Alkaloide wurde eine leberschädigende und Krebs erregende Wirkung in Laborversuchen nachgewiesen. Anwendungen mit Huflattich sollten daher aus Sicht der evidenzbasierten Medizin zeitlich begrenzt und nach vorgeschriebener Dosierung eingenommen werden. Im Handel sind mittlerweile alkaloidfreie Sorten erhältlich.

Man kann sich die Frage stellen, weshalb eine Heilpflanze, wie der Huflattich, die seit Jahrtausenden Verwendung findet, nicht schon eine Vielzahl von Vergiftungen hervorgerufen hat. Es ist ein Irrglaube, der evidenzbasierten Medizin, einen Stoff aus einer Pflanze zu isolieren und daraufhin Rückschlüsse auf dessen Wirkung im Gesamtkomplex der Pflanze zu schliessen. Storl sieht allgemein in Pflanzen Sicherheitsmechanismen die verlorengehen, wenn man einzelne Elemente extrahiert und Dr. med. Gedeon schrieb 1988 in der Medical Tribune Nr. 42

… dabei geht man nach folgendem scheinbar bewährten Strickmuster vor: Man isoliert Einzelstoffe aus phytotherapeutischen Verbindungen, gibt sie in hohen Dosen verschiedenen Tieren im Tierversuch und stellt dann eine hepatotoxische und/oder kanzerogene Wirkung fest. Dies kann man, und das kann ich Ihnen jetzt schon voraussagen, nicht nur, wie geschehen, beim Huflattich und bei Beinwell erreichen, sondern bei allen, ich wiederhole: allen phytotherapeutischen Substanzen. Dies kann man aber auch bei praktisch allen Nahrungs- und Genußmitteln erreichen, z.B. beim Kochsalz, beim Bier, bei der Schokolade, beim Kaffee, bei Mandeln, bei Zigaretten: Sie können Blausäure aus den Mandeln extrahieren und erreichen schon mit viel geringeren Dosen als beim Huflattich einen tödlichen Effekt. Sie können Alkohol aus dem Bier extrahieren, womit bekanntlich schwerste lebertoxische Veränderungen erreicht werden können, Sie können Koffein aus dem Kaffee extrahieren und ihn im Tierversuch applizieren: Sie werden jede Menge tödlicher Zwischenfälle erleben…

Anbieter und Preis

Aufgrund des Nachweises von Alkaloiden im Huflattich, wird aus Sicht heutiger Mediziner wild wachsender Huflattich nicht empfohlen. Statt dessen wird empfohlen, alkaloidfreie Sorten im Handel zu erwerben. Persönlich ziehe ich, wie Generationen vor mir, Wildsammlungen vor. Wer Huflattich kaufen möchte findet im Handel ein reichhaltiges Angebot. Im Kräuterhandel werden 100g Huflattichblüten zu einem durchschnittlichen Preis von 6 Euro, 100g Huflattichblätter zum Preis von 4 Euro und 100ml Huflattichtinktur zum Durchschnittspreis von 6,50 Euro zum Kauf angeboten.

Inhaltsstoffe

Schleim, Inulin, Gerbstoffe, Gallussäure, Phytosterin, Dextrin, 17% Mineralstoffe, Apfelsäure, Phosphorsäure, Weinsäure, Cholin, 0,05% Bitterstoff, 0,02 % Pyrrolizidin-Alkaloide wie Senkirkin und Senecionin.