Kamille


Kaum eine Heilpflanze ist wohl so bekannt und so beliebt, wie die Kamille. Die Germanen weihten sie, genauso wie das Johanniskraut dem Sonnengott Baldur. Die Germanen betrachteten die Blüten mit ihrem gelben Stempel und dem Kranz aus weißen Blütenblättern als Verkörperung der Sonne und deren Strahlen und setzten sie zur Behandlung von Frauenleiden ein.


Hieronymus Bock schrieb später in seinem „New Kreuterbuch“: „Dei ganz gemein Chamill, ist der Doctor Recipe eins, dann on dies blum können se nit vil außrichten.“. Dieser Aussage von Hieronymus Bock kann man entnehmen, dass die Kamille in den medikamentösen Verordnungen der Ärzte und Heilkundigen des Mittelalters eine überragende Rolle gespielt haben muss. Doch nicht nur im Mittelalter würdigte man die Kamille. Die Kamille fand zu jeder Zeit ihre Lobredner. Berühmte deutsche Ärzte wie Friedrich Hoffmann und Christoph Wilhelm Hufeland würdigten die Heilkraft der Kamille.

Dementsprechend vielfältig ist ihre Verwendung in der Volksheilkunde.

Kamille


Bei Kräuterpfarrer Künzle liest man über die Kräuterfrau Berth, welche die Kamillenhexe genannt wurde. Sie heilte nahezu alle Leiden ausschliesslich mit Zubereitungen aus der Kamille. Schwerhörige soll sie mit einer Meerzweibel, die sie in Kamillenöl briet und in die Ohren tröpfelte, geheilt haben.

Augenleiden durch die Auflage eines Tuchs, das zuvor mit in warmer Milch gekochten Kamillenblüten, getränkt wurde.

Beschwerden mit den Gliedern durch Einreibungen mit Kamillenöl.


Harnverhalten und innere Beschwerden durch in Wein gekochte Kamillenblüten. Zahnschmerzen durch Spülungen mit Kamillenaufguß und hartnäckigen Schnupfen durch Waschungen des Kopfes mit warmen Kamillenblütentee.

Bei nahezu allen Beschwerden sollten Kräuterbäder mit Kamille wohltuend wirken und Halsschmerzen linderte man durch einen Halsumschlag aus in Butter gestampften Kamillenblüten, den man die ganze Nacht um den Hals trug.

Kräuterkissen aus den Blüten sorgten für einen guten Schlaf. Man trocknete die Blüten zusammen mit denen des Johanneskrauts, mischte sie mit Schafwolle und stopfte damit das Kissen für den behüteten und guten Schlaf. Man kann sich gut vorstellen, wie wohltuend und schlaffördernd solch ein Kissen ist.

Meine Kinder schlafen auf solchen Kissen, denen obendrein Zirbenholzspäne zugesetzt sind. Sie schlafen immer ausgezeichnet gut und lieben diese Kissen.