Ehrenpreis


Die ersten Erwähnungen fand der Ehrenpreis im 16. Jahrhundert. Hieronymus Bock rühmt den Ehrenpreis als

Ein fürtrefflich bewerte arznei für alle giftige pestilenzische Febe.

Bock sah die Bezeichnung Ehrenpreis als durchaus gerechtfertigt an und empfahl die Heilpflanze bei pestilentzischen Fieber, Beschwerden mit Milz, Leber, Magen, Nieren, Blase, Gebärmutter oder Lunge, Gelbsucht, Nierensteinen, Schwindsucht und äußerlich gegen faule Wunden, Mäler und Flechten.

Matthiolus beschrieb den Ehrenpreis als; köstliches Kraut gegen alle möglichen Lungen- und Brustbeschwerden und äußerlich als hilfreiches Mittel zur Behandlung von eitrigen Geschwüren. Insgesamt verschaffte man dem Ehrenpreis eine hohe Wertschätzung. 1690 widmete der Botaniker Johannes Francus dem Ehrenpreis eine 300-seitige Abhandlung mit dem Namen: Polchresta Herba Veronica. In der Folge gewann der Ehrenpreis in der Volksmedizin eine Bedeutung, die sicher über die tatsächlichen Heilwirkungen des Ehrenpreis hinausgehen. So bezeichnete man ihn als Heil aller Welt oder Grundheil. Diese Überschätzung wendete sich, so dass der Ehrenpreis mittlerweile viel von seiner früheren Wertschätzung verloren hat.


Botanik

Der Ehrenpreis ist eine ausdauernde, niederliegende, rasenbildende, aufsteigende Blütenstände bildende, bis zu 30 cm hohe Pflanze aus der Familie der Rachenblütler. Die Stengel sind anfangs kriechend, dann aufsteigend, stark verzweigt und behaart. Die Blätter sind kurzgestielt, gegenständig, eiförmig, am Rand fein gesägt, weichbehaart und graugrün. Die von Juli bis August gebildeten Blüten stehen in verlängerten Trauben.

Ehrenpreis
Ehrenpreis Quelle: © Kai Hagemeister

Bezeichnungen

Hieronymus Brunschwig lieferte eine schöne Erzählung darüber, wie der Ehrenpreis zu seinem Namen kam. Nach dieser Erzählung sah einst im Frankenreich ein Jäger einen Hirsch, der die von einem Wolf gerissene Wunde an einem Eichenbaum rieb. Sich alsdann  auf einer dicht mit Ehrenpreis bewachsenen Stelle niederlegte, von dem Kraut eifrig fraß und dadurch in wenigen Tagen geheilt war. Darüber sehr erstaunt, nahm der Jäger den Saft der Pflanze und ging zu dem fränkischen König, den er seit Jahren an Aussatz erkrankt wußte und wusch ihm mit dem Saft zunächst ein Bein. Da der König schon nach Stunden gewahrte, daß der Aussatz an dem Bein abtrocknete, ließ er, trotz der großen Schmerzen, die Kur am ganzen Körper vornehmen. Der König genaß nun vollkommen und, um die heilsame Pflanze für alle Zeiten zu ehren und zu preisen, nannte er sie Ehrenpreis. Die Sage, wie das Heilpflänzchen zu seinem Namen kam, wird auch durch weitere volstümliche Bezeichnungen für den Ehrenpreis untermauert. So bezeichnet man den Ehrenpreis auch als Grindkraut, Stah up und gah davon und Grundheil.

Wissenschaftlich wird der Ehrenpreis als Veronica officinalis bezeichnet. Der Ursprung des Gattungsnamens Veronica ist dabei umstritten. Vieles spricht dafür, dass es sich um eine Verstümmelung des Namens Betonica handelt. Ein Indiz ist der Umstand, dass eine französische Ausgabe des Kräuterbuchs von Rermbertus Dodonaeus, aus dem 16. Jahrhundert, den Ehrenpreis als Betonica Pauli aufführt. Eine weitere Variante, wie es zur Gattungsbezeichnung Veronica kam, möchte ich nicht verschweigen. So findet man oft den Hinweis, dass die Gattungsbezeichnung sich auf, die einzig wahre ? vera unica Jungfrau, die heilige Veronica bezieht. Was ich persönlich für äusserst unwahrscheinlich halte.

Indikationen

In der Volksheilkunde wird Ehrenpreis als auswurfförderndes Mittel bei Katarrhen der Atmungsorgane verabreicht. Kneipp empfiehlt Ehrenpreis bei Gicht und Schwindsucht um den Körper von Schleim zu befreien. Darüber hinaus wird Ehrenpreis bei Blasenkatarrh, Magenbeschwerden, Verdauungsbeschwerden, Migräne, Altersjuckreiz der Haut und Blutdrang zum Kopf verabreicht. Dinand empfiehlt Ehrenpreis als Gurgelmittel bei Mundgeschwüren und Halsgeschwüren. Ein Ehrenpreistee gilt als harn- und schweißtreibend.

Verwendung in der Homöopathie

In der Homöopathie wird Ehrenpreis bei chronischer Bronchitis, Asthma bronchialis, Lymphdrüsenschwellung und Tuberkulose verwendet. Als verstärkendes Mittel gibt man Ehrenpreis bei Nephritis, Cystits, Hämaturie, Griess und Nebennierenerkrankungen.


Ehrenpreis Anwendung und Wirkung

Verwendet wird das gesamte Kraut, das während der Blühzeit von Mai bis Juni gesammelt wird. Ehrenpreis wird bevorzugt als Tee oder Saft verabreicht.

Ehrenpreistee

Ein Ehrenpreistee wird aus 10g Ehrenpreiskraut und 1 Liter kochenden Wasser bereitet. Von diesem Tee verabreichte man traditionell morgens und abends eine Tasse oder alle zwei Stunden einen Eßlöffel, bei Asthma, Heiserkeit, Husten, Brust- und Lungenverschleimung, Lungenkatarrh, Lungengeschwür, Blutspeien, Gicht, Rheuma, Schwindsucht, Erkrankungen der Blase oder chronischen Hauterkrankungen.

Kneipp empfahl den Tee mit Ackerschachtelhalm, Wegtritt oder Tausengüldenkraut zu mischen. Traditionell mischte man Ehrenpreistee mit Huflattich, Lungenkraut und Spitzwegerich um die auswurffördernden Eigenschaften zu verstärken. Bei Harnwegsbeschwerden, Rheuma und Gicht mischte man Ehrenpreistee gerne mit Eichenrinde.

Bei Magenleiden oder Verdaungsbeschwerden mischte man einen Tee aus Ehrenpreis, Erdbeerblättern, Ackerschachtelhalm und etwas Wermut oder aus Ehrenpreis, Minze, Tausendgüldenkraut und Wacholder.

Ehrenpreissaft

Für einen Ehrenpreissaft wird das frische Kraut gepresst. Ehrenpreissaft wird traditionell bevorzugt bei Nierenverstopfung verabreicht. Dazu nimmt man morgens zwei Eßlöffel Ehrenpreissaft in Ziegenmilch auf nüchternen Magen.


Gurgelwasser

Ein Gurgelwasser wird aus starken Ehrenpreistee und Kaliumaluminiumsulfat (Alaun) erstellt. Das Gurgelwasser wird als hilfreich bei Mundgeschwüren und Halsgeschwüren beschrieben.

Ehrenpreiswein

Ehrenpreiswein war ein beliebtes Mittel zur Behandlung von Husten, Heiserkeit und Halsschmerzen. Für einen Wein mischte man eine handvoll Kraut mit einer handvoll Wollblumen und 4g pulverisierten Anis und kocht es in einem halben Liter Honigwein. Von diesen Wein trank man bei beschwerden täglich zwei Tassen.

Wundbalsam

Für einen Wundbalsam werden 250ml frischer Ehrenpreissaft mit 250ml gutem Kornbranntwein vermengt und einige Tage an einem warmen Ort stehen gelassen. Anschliessend werden venezianische Seife (eine mit Olivenöl hergestellte Natronseife), 250ml Alkohol und 100ml Rosenwasser zugesetzt. Die Mischung wird erwärmt um alle Bestandteile zu lösen, geschüttelt und durchgeseiht.

Ehrenpreiswundbalsam galt als gutes Mittel zur Behandlung von chronischen Hauterkrankungen, kleineren Wunden oder Verbrennungen.

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Rezepte nach Madaus 1938

Expektorans bei starker Verschleimung:


Rp.:
Hb. Veronicae conc. . . . 30 (= Ehrenpreiskraut)
D.s.: Einen knappen Teelöffel voll mit 2 Glas Wasser heiß ansetzen, 10 Minuten ziehen lassen und tagsüber heiß trinken.
(Teezubereitung: Der aus dem Kraut im Verhältnis 1 : 10 heiß hergestellte Tee ergibt einen Extraktgehalt von 2,84% mit einem Glührückstand von 0,38%. Bei kalter Herstellung beträgt der Extraktgehalt 2,46% mit einem Glührückstand von 0,37%. Der heiß hergestellte Tee ist wesentlich bitterer. Ein Ansatz 1 : 100 ist eben noch trinkbar. Die Peroxydasereaktion ist nur bei kalter Zubereitung positiv, und zwar ziemlich stark.
1 Teelöffel voll wiegt 1,8 g. Da ein Ansatz 1 : 100 bei heißer Herstellung noch sehr bitter ist, kann man höchstens 1/2 Teelöffel voll auf 1 Teeglas Wasser rechnen. Der Tee wird zweckmäßig heiß hergestellt.).

Hautleiden, Ekzemen, Altersjucken (nach Fischer):

Rp.:
Hb. Veronicae (= Ehrenpreiskraut)
Hb. Violae tricoloris . . . aa 50 (= Stiefmütterchenkraut)
C.m.f. species.
D.s.: 1 Teelöffel voll auf 2 Glas Wasser.

Brust- und Lungenleiden: (nach Ulrich):

Rp.:
Hb. Veronicae (= Ehrenpreiskraut)
Flor. Verbasci (= Wollblumen)
Lichen islandici . . . aa 30 (= Isländisch Moos)
C.m.f. species.
D.s.: 3 Teelöffel voll auf 2 Glas Wasser.

Lungen- und Leberleiden (nach Kraft):


Rp.:
Hb. Saniculae (= Sanikelkraut)
Hb. Veronicae (= Ehrenpreiskraut)
Hb. Asperulae odorat. . . . aa 25 (= Waldmeisterkraut)
C.m.f. species.
D.s.: 2 Teelöffel voll auf 2 Glas Wasser.

Trockene Bronchitis (nach Wittlich):

Rp.:
Hb. Veronicae (= Ehrenpreiskraut)
Hb. Plantaginis lanc. (= Spitzwegerichkraut)
Fol. Farfarae . . . aa 25 (= Huflattichblätter)
C.m.f. species.
D.s.: 2 Teelöffel voll auf 2 Glas Wasser.

Ehrenpreis in der heutigen Medizin

Aus Sicht der heutigen Medizin konnte eine Wirksamkeit von Ehrenpreis bisher nicht belegt werden. Persönlich möchte ich darauf hinweisen, dass Heilpflanzen eben mehr sind, als Chemiebehälter, deren einzelne isolierte Substanzen eine durch die Volksheilkunde beschriebene Wirkung aufweisen können sollten.Es ist für mich schwer nachzuvollziehen, wie man eine Wirkung trotz langer Erfahrungswerte absprechen kann. Letztendlich wird die Pflanze mitteilen, ob sie die richtige für die betreffende Peron ist. Man muss nur aufmerksam zuhören. Heiler und Schamanen der Vergangenheit haben nichts anderes getan. Sie haben die Verbindungen zu den Pflanzen aufgebaut um zu erfahren, welche Pflanze die richtige für die betroffene Person ist. Maria Treben brachte es auf den Punkt als sie sagte, dass die Pflanze allein nicht hilft. Es muss auch der Glaube, die feste Überzeugung von der Heilung, vorhanden sein. Der Ehrenpreis ist eine Pflanze, die aus meiner Sicht helfen kann, aber nicht muss. Wissenschaftlich ist diese Aussage wohl nicht. Wissenschaftlich spricht man dem Ehrenpreis jegliche Wirksamkeit ab.

Gegenanzeigen und Nebenwirkungen

Bei ausgewogener Dosierung sind keine bekannt.

Anbieter und Preis

Ehrenpreis kann man selber sammeln. Man findet ihn in trockenen Wäldern, auf Wiesen, Triften und an Wegrändern. Wer Ehrenpreis nicht selber sammeln möchte, kann ihn in Apotheken oder im Kräuterhandel kaufen. Insbesondere beim Ehrenpreistee gibt es ein unüberschaubares Angebot. Im Kräuterfachhandel wird Ehrenpreiskraut zu einem durchschnittlichen Preis von 2,50 Euro je 100g zum Kauf angeboten.

Inhaltsstoffe

Glycoside wie das Aucubin, Veronicosid, Verprosid, Catalpol und Musaenosid, Flavonoide, Triterpensaponine, Bitterstoffe, Gerbstoffe, organische Säuren, Zucker, Gummi, Wachs, Harz.