Bitterklee


Es ist zweifelhaft, ob der Bitterklee den alten Griechen bereits bekannt war. Theophrastos von Eresos schreibt über eine Pflanze namens Menyanthes. Ob es sich dabei um den im Norden wachsenden Bitterklee handelt, darf zumindest bezweifelt werden. Erste nachgewiesene Erwähnung fand diese Heilpflanze im 16. Jahrhundert durch Valerius Cordus. Er bezeichnete sie als Trifolium palustre.

Konrad Gessner, ein schweizer Arzt und Naturforscher des 16. Jahrhunderts erwähnt den Bitterklee in seiner Stirpium historia und bezeichnet ihn als Biberklee. Jakob Theodor Tabernaemontanus benannte ihn Trifolium fibrinum. Auf seine Verwendung als Heilpflanze gingen sie jedoch nicht ein. Erstmals Hieronymus Bock räumte ihm mehr Raum in seinem Kreuterbuch ein und ging auf die Verwendung als Heilpflanze ein. Er bezeichnete den Bitterklee als Wysen-Mangolt und empfhal ihn zur Behandlung von roten Bauchflüssen und äusserlich angewendet gegen hitzige Geschwüre und Schmerzen. Im 17. Jahrhundert berichtete Simon Pauli, ein deutsch-dänischer Arzt, in seinem Werk Quadripartitum botanicum, er hätte drei Patienten mit Bitterklee von Skorbut geheilt worauf man sich Jahrhunderte später im 1. Weltkrieg besann. In dem Kriegsgefangenenlager Mirecourt brach zu dieser Zeit, infolge schlechter Ernährung, eine Skorbutepidemie aus. Durch Gabe von Bitterklee konnte diese Epidemie gemildert werden.

Botanik

Der zur Familier der Fieberkleegewächse gehörende Bitterklee ist eine ausdauernde, feuchte Böden liebende Pflanze mit weit kriechenden Wurzelstock, an dessen Ende langgestielte, glatte, eirunde, dunkelgrüne, saftig fast ledrige, dreizählige Blätter hervortreten. Die von Mai bis Juni gebildeten Blüten sind weiss bis blassrot und stehen in dichter Traube. Bitterklee ist blühend eine überaus reizvolle Pflanze, die sofort in’s Auge fällt.

Bitterklee

Bezeichnungen

Die Bezeichnung Bitterklee bedarf wohl keiner weiterer Erklärung. Wer diese Heilpflanze einmal probiert hat, wird schmecken, dass die Pflanze ihren deutschen Namen zu recht hat. Schwieriger wird es bei den weiteren, durchaus üblichen Bezeichnungen. So nennt man ihn auch Fieberklee oder Biberklee. Welche der beiden Bezeichnungen nun die ursprüngliche war und welche die verfälschte Auslegung oder ob sie beide gleichwertig zutreffend sind, ist kaum herzuleiten. Fest steht, dass Bitterklee volkstümlich zur Behandlung von Wechselfieber eingesetzt wurde. Wobei diese Verwendung ohne weiteres auf eine falsche Namensgebung zurückgeführt werden könnte. Tabernaemontanus bezeichnete diese Heilpflanze als Trifolium fibrinum -> lat. Tri = drei; folium = Blatt; fiber = Biber. Damit zog Tabernaemontanus einen Vergleich indem er herausstellte, dass das Bitterklee, ähnlich wie der Biber, ohne Wasser nicht leben kann. Auf diesen Umstand weisen auch andere gebräuchliche Bezeichnungen hin, wie Sumpfklee oder Wasserklee. Es ist also ziemlich wahrscheinlich, dass diese Heilpflanze ursprünglich als Biberklee bezeichnet wurde und durch eine Fehlinterpretation zu Fieberklee wurde.

Wissenschaftlich bezeichnet man den Bitterklee als Menyanthes trifoliatat. Die Gattungsbezeichnung Menyanthes gibt hier ebenfalls Rätsel auf. Sinnvoll scheint die Interpretation lat. mensis = Monat; griech. anthos = Blume. Womit man eine recht kurz blühende Pflanze bezeichnen würde. Eugen Dornung vermutet, dass die Gattungsbezeichnung auch als griech. menyo = verraten und anthos = Blume übersetzt werden könnte. Demnach eine Pflanze, die sich selbst oder den Sumpf in dem sie wächst durch ihre Blüte verrät. Madaus vermutet ebenfalls, ähnlich wie Dornung, dass der Name Menyanthes dem griechischen entnommen wurde -> griech. menyein = offenbaren; anthos = Blume. Viel eindeutiger ist die Artbezeichnung die Bezug nimmt auf die dreiblättrigkeit des Bitterklees, trifoliata = Dreiblatt.

Weitere volkstümliche Namen sind Bitterblatt, Dreiblatt, Gallkraut, Gottvergessentee, Wasserfieberkraut, Ziegenlappen und Butterklee.

Indikationen

Bitterklee wird als blutreinigend, appetitanregend, menstruationsregulierend, tonisierend und fiebersenkend beschrieben. Bitterklee nutzte man volkstümlich bei Appetitlosigkeit, Leberleiden, Gelbsucht, Verdauungsschwäche, Verstopfung, Blähung, Hämorrhoiden, Steinen, Gicht, Rheuma, Erkrankung der Milz, Katarrh, Husten, Schwächezuständen, Schwindsucht, Anämie, Migräne, Skorbut, Amenorrhö, Wechselfieber, Hauterkrankungen wie Flechten, Geschwüren oder Geschwülsten, Menstruationsstörungen oder als Abtreibungsmittel und zur Blutreinigung. Darüber hinaus verwendete man Bitterklee zur Behandlung von Anorexie, Sodbrennen, Gastritis, Übersäuerung, Dyspepsie, Magen- und Darmkrämpfen, Gallenstauung, Fieber, Seekrankheit und Erkältungen die mit Kopfschmerzen einhergehen.

Verwendung in der Homöopathie

In der Homöopathie setzt man Bitterklee bei Erkrankungen des Nervensystems, Muskelkrämpfen, Magenkrämpfen, Krämpfen in Blase und Darm, neuralgischen Beschwerden an Rumpf, Kopf, Gliedern, Samenstrang und Hoden, Gelenkneurosen, wenn der Körper warm und Finger, Füsse, Ohren und Nase kalt sind.


Bitterklee Anwendung und Wirkung

Bitterklee findet man in Mooren, Sümpfen, Wassergräben, stehenden Gewässern, Feuchtwiesen und an Ufern. Verwendet werden die Blätter des Bitterklees, die man kurz vor der Blüte im Mai sammelt und an einem dunklen Ort trocknet oder frisch verarbeitet.


Bitterkleetee

Bitterkleetee bereitete man traditionell aus 15g Bitterkleeblättern und einem halben Liter kochenden Wasser. Die Blätter werden mit dem kochenden Wasser übergossen und in einem geschlossenen Gefäss eine halbe Stunde ziehen gelassen. Kosch empfiehlt einen Kaltauszug einen Teelöffel Bitterklee auf 150ml Wasser (Aufguss mit kalten Wasser und 6 Stunden an einem warmen Ort stehen lassen). Der Tee wird als appetitanregend und verdauungsfördernd beschrieben und wurde bei den meisten unter Indikationen beschriebenen Beschwerden verabreicht. Als besonders bei Wechselfieber sowie Magen- und Darmbeschwerden galt die Zugabe von Erdbeerblättern, Wacholder, Wermut, Salbei oder Tausendguldenkraut. Dieser Tee soll auch besonders hilfreich bei der Behandlung von Unterleibsentzündungen sein. Als Dosierung gibt Kosch 2 Tassen Bitterkleetee täglich an. Mit Minze und Baldrian vermischt soll Bitterkleetee beruhigend wirken. Alternativ kann man Bitterkleeextrakt oder Bitterkleetinktur verwenden – 3 mal täglich 30 Tropfen vor den Mahlzeiten oder die pulverisierten Blätter einnehmen – 3 mal täglich 1g.


Rezepte nach Madaus 1938

Magenschwäche und Bleichsucht:


Rp.:
Fol. Trifolii fibrini (Menyanthidis trif.) conc. . . . 50 (= Fieberkleeblätter)
D.s.: 1 1/2 Teelöffel voll mit 2 Glas Wasser kalt ansetzen, 8 Stunden ziehen lassen und tagsüber trinken.
(Teezubereitung: Der im Verhältnis 1 : 10 heiß bereitete Tee hat einen Extraktgehalt von 3,3% gegenüber einem solchen von 3% bei kalter Zubereitung. Die entsprechenden Aschengehalte betragen 0,47 und 0,46%. Die Peroxydasereaktion ist nur in der kalten Zubereitung und dort sofort positiv. Ein im Verhältnis 1 : 100 angesetzter Tee ist kaum noch trinkbar. Wir bestimmten die Bitterstoffgrenze und fanden diese bei einer Verdünnung von 1 : 5000.
1 Teelöffel voll wiegt 1,5 g. Der Tee kann auf Grund der vorliegenden Ergebnisse kalt oder auch heiß angesetzt werden. Man kann nur 1/2, höchstens 1 Teelöffel voll auf 1 Teeglas verwenden.).

Species amarae (Dan.):

Rp.:
Fol. Trifolii fibrini (= Fieberkleeblätter)
Fol. Sennae (= Sennesblätter)
Fruct. Juniperi . . . aa 30 (= Wacholderbeeren)
C.m. species.
D.s.: 1 Teelöffel voll auf 1 1/2 Glas Wasser.

Fiebermittel (nach Kroeber):

Rp.:
Rad. Taraxaci (= Löwenzahnwurzel)
Rad. Agropyri rep. . . . aa 110 (= Queckenwurzel)
Cort. Chinae . . . 20 (= Chinarinde)
Fol. Trifolii fibrini (Menyanthidis trif.) (= Fieberkleeblätter)
Hb. Centaurii . . . 30 (= Tausendgüldenkraut)
C.m.f. species.
D.s.: Ein- bis dreimal täglich 1 Tasse als warmes Dekokt.
Zubereitungsvorschlag des Verfassers: 2 Teelöffel voll auf 2 Glas Wasser.

Hyperazidität und Sodbrennen (nach Wittlich):

Rp.:
Fol. Trifolii fibrini (= Fieberkleeblätter)
Hb. Absinthii . . . aa 30 (= Wermutkraut)
C.m.f. species.
D.s.: 1 1/2 Teelöffel voll auf 2 Glas Wasser.

Stomachikum (nach Klemperer-Rost):


Rp.:
Infus. fol. Trifolii fibrini (Menyanthidis trif.) . . . (1,5) 150
Natrii bicarbonici . . . 5
Tinct. Rhei aquosae . . . 10
Sir. Aurantii cort. . . . 25
M.d.s.: Zweistündlich 1 Eßlöffel.

Bitterklee in der heutigen Medizin

Aus Sicht der heutigen Medizin wird Bitterklee aufgrund seiner Bitterstoffe als Speichel- und Magensaftsekretionsförderndes Mittel eingesetzt. Man verwendet Bitterklee bei Völlegefühl, Appetitlosigkeit, Verdauungsstörungen und Blähungen. Eine Wirkung gegen Fieber, wie es die auch übliche Bezeichnung Fieberklee vermuten lässt, wird dem Bitterklee aufgrund seiner Inhaltsstoffe nicht eingeräumt. Leider wird in der heutigen Medizin eine Pflanze nur aus Sicht seiner einzelnen Inhaltsstoffe betrachtet. Ähnlich einem Behälter mit den verschiedensten chemischen Verbindungen. Pflanzen sind jedoch weit mehr und oft tritt die über jahrhunderte durch Erfahrungen beschriebene Wirkung gerade erst durch die richtige Zubereitung, den Zeitpunkt des Sammelns und dem Zusammenspiel aller Wirkstoffe ein. Es ist eine fatale Sicht die Pflanzen als Chemiebehälter zu betrachten und den Menschen als Maschine.

Gegenanzeigen und Nebenwirkungen

Bitterklee ist ein Amarum, das bei Überdosierung zu Kopfschmerzen, Erbrechen und Durchfall führt. In der Schwangerschaft sollte Bitterklee, aufgrund der uteruserregenden Wirkung nicht angewendet werden. Die Wirkung von Adrenalininjektionen auf den Blutzucker wird nach Weger verstärkt.

Nach Gessner sollten Bittermittel wie das Bitterklee immer eine halbe Stunde bis eine Stunde vor den Mahlzeiten eingenommen werden. Eine Einnahme während oder nach dem Essen soll zu einer Verschlechterung der Beschwerden statt zu einer Verbesserung führen.

Anbieter und Preis

Im Kräuterfachhandel kann man Bitterkleeblätter und Bitterkleetinktur kaufen. Der Preis für 100g Bitterkleeblätter liegt bei durchschnittlich 5 Euro. Bitterkleetinktur kann man zu einem durchschnittlichen Preis von 8 Euro für 100ml kaufen.

Inhaltsstoffe

Bitterstoffglycoside wie Menyanthin oder das im Wurzelstock befindliche Meliatin, Saponine, Cumarine, Gerbstoffe, Flavonglycoside, Kaffeegerbstoffe, Ester des Cerylalkohols, Phytosterin, Cholin, fettes Öl, Phosphorsäure, Phenolcarbonsäuren, Harz, Vitamin A.