Besenginster


Der Besenginster war bereits den Kelten und Germanen bekannt. Storl schreibt in seinem Buch, Pflanzen der Kelten, dass die Ginsterblüte für die Kelten das Zeichen des Sieges des Sonnengottes Belenos über die dunklen Mächte des Winters war. Was durchaus plausibel klingt, bedenkt man dass die sonnengelben Blüten des Besenginsters sich bereits im Mai im schönsten sonnengelb zeigen. Wohl nicht als Heilpflanze aber als Symbol tauchte der Besenginster in den nachfolgenden Jahrhunderten immer wieder auf. Gottfried von Anjou trug sie um 1120 als Helmzier und Ludwig der IX. gründete 1234 einen Orden in dem eie Ritter eine Kette aus zusammengeflochtenen Ginsterblüten und weiß emaillierten Lilien trugen. Auch die Leibwache Ludwigs des IX. trug ein Wappen mit einer Ginsterblüte.

Als Heilpflanze wurde der Besenginster bereits in den Kräuterbüchern des 16 Jahrhunderts erwähnt. So empfiehlt Petrus Andreas Matthiolus, Leibarzt von Erzherzog Ferdinand, den Besenginster als Heilpflanze zur Behandlung von Angina und Hustenschmerzen indem er schreibt:

Der same und blumen der Pfrimmen, wie Dioskurides und Galenus bezeugen, purgieren oben aus, wie Nießwurz doch on gefar. Der same purgieret unten aus. Die zincklein in wasser eingebyzt und ausgedruckt seindt gutt dem hustenwee und dem haslgeschwär Angina. Ettliche beyzens in salzwasser und brauchens in clystierung wider das husstwee. Der samen purgiert fast wie die Pfrimmen. Darumb ist er zu unsern zeiten in großen gebrauch wider das Podagra, dann er treibt gewaltig durch den stulgang die groben zähen feuchtigkeit, die ein usrach seindt des Podagra. Der same treibt auch den harn und zermalet den stein in den nieren und in der blasen. Der same verzert die kröpff und allerlei geschwulst. Einst mit schmär gestoßen, heylet den weetagen der knie.

Sebastian Kneipp beschreibt den Besenginster später als Kräftigungsmittel bei schwächenden Krankheiten und vorzügliches Mittel zur Behandlung von Rheumatismus und Gicht.

Botanik

Der Besenginster ist ein bis zu 2 Meter hoher Strauch aus der Familie der Schmetterlingsblütler, der mit Vorliebe auf Sandboden wächst. Seine Zweige stehen aufrecht, sind fünfkantig, lang, dünn, hart und dunkelgrün. Die Blätter des Besenginsters sind sehr klein, weich behaart, von geringer Zahl und fallen kaum ins Auge. Die Schmetterlingsblüten sind sehr gross und leuchtend gelb. Die Blütenstiele sind wesentlich länger als das Tragblatt. Die Oberlippe des Kelches ist zweizähning. Die der Unterlippe dreizähning. Die Früchte bilden sich in Form von schwarzen Hülsen, die zahlreiche braunschwarze Samen umschliessen.

Besenginster

Bezeichnungen

Bei dem Besenginster handelt es sich um einen besenartigen Strauch, aus dem man aufgrund seiner Gestalt und Beschaffenheit Besen herstellen kann. Diese Eigenschaft führte zu den gebräuchlichen Bezeichnungen für diese Pflanze.


Wissenschaftlich bezeichnet man den Besenginster als Sarothamnus scoparius. Saros stammt aus dem Griechischen und bedeutet Besen. Thamnos, ebenfalls griechisch, bedeutet Strauch. Scopa ist lateinisch und steht ebenfalls für Besen. Synonym existiert die wissenschaftliche Bezeichnung Cytisus scoparius. Volkstümlich bezeichnet man den Besenginster auch als Besenstrauch, Besenpfriem, Binse oder Rutenkraut. Die Namen nehmen alle Bezug auf die Verwendung des Besenginsters für Flechtwerk, Ruten oder als Besen.

Indikationen

Traditionell verwendete man den Besenginster bei Herzschwäche mit verlangsamten Puls, Herzfehler mit niedrigen Blutdruck, Vorhofflimmern, Angina pectoris, Kreislaufschwäche bei Hypothyreoidismus, Übersäuerung, Blasen- und Nierenleiden, Arthritis urica, durch NaCL-Retention verursachte Ödeme, Stein- und Griessbildung, kardialer Hydrops, Scharlachnephritis, Adipositas, Bauch- und Hautwassersucht, Herzleiden, Milzleiden, Leberleiden, Nierensteine, Blasenkrampf, Gicht, Rheuma, Skrofulose, Flechten und Beingeschwüren. Kneipp empfahl Besenginster als Kräftigungsmittel nach Krankheit und zur Behandlung von Gicht, Rheuma und harnsaurer Diathese.

Besenginster in der Homöopathie

In der Homöopathie setzt man Besenginster bei Herzleiden mit beschleunigten Puls und Unregelmäßigkeiten, Kongestionen nach Kopf, Hals und Brust mit leichten rheumatischen Erscheinungen ein.

Besenginster Anwendung und Wirkung

Besenginster wurde traditionell in vielerlei Hinsicht verwendet. Auf die Verwendung als Besen weist bereits sein Name hin. Darüber hinaus nutzte man Besenginster zum gerben von Kalbsleder, als Faserpflanze zur Gewinnung von Jute oder einfach als Zimmerschmuck. Eugen Dornung schreibt in seinem Buch über die Verwendung von Besenginster als Gemüse und Salat. So sollen die Blättchen und jungen Knospen des Besenginsters als Salat genutzt vorzüglich schmecken und in Essig und Salz eingelegt als Kapern dienen. Die jungen Hülsen könnte man in Salzwasser wie Bohnen kochen und als Gemüse nutzen. Wie er darauf kommt, wird sein Geheimnis bleiben. Diese Aussagen können nur auf eine Verwechslung zurückzuführen sein. Gerade in den Früchten des Besenginsters befindet sich die höchste Konzentration des giftigen Alkaloids Spartein, so dass diese Art der Zubereitung höchstwahrscheinlich tödlich verläuft. Von dieser Art der Verwendung kann nur dringlichst abgeraten werden siehe ? Gegenanzeigen und Nebenwirkungen!

Als Heilpflanze wurde aus den Blüten des Besenginsters ein Tee bereitet Dazu erstellte man einen Aufguss aus einem Esslöffel Blüten und einer Tasse Wasser. Davon wurden traditionell drei Tassen getrunken. Alternativ reichte man Besenginstertinktur, dreimal täglich 20 bis 30 Tropfen oder Besenginsterextrakt.

Bemerkenswert aber nicht verifizierbar ist die durch Billard beschriebene Wirkung des aus Besenginster gewonnenen Sparteins als Gegengift für Schlangenbisse.

In vitro mit Schlangengift gemischt, hemmt Spartein dessen Wirkung; diese Untersuchungsergebnisse bestätigen also die Beobachtung, daß Hammel, die sich durch Fressen von Ginsterzweigen leichte Vergiftungen zugezogen haben gegen Schlangengift refraktär sind.

Besenginster in der heutigen Medizin

Die Wirkung des Besenginsters ist auf den Alkaloidgehalt der Pflanze zurückzuführen. Das im Besenginster enthaltene Spartein wurde bei Herzrythmusstörungen, Venenleiden und als Wehenmittel eingesetzt. Aufgrund der unsicheren Wirkung und der nicht unerheblichen Nebenwirkungen wurde die Verwendung jedoch aufgegeben.

Besenginster als psychoaktive Pflanze

Christian Rätsch schreibt über den Besenginster:

Der Gebrauch von Besenginster fu?r Rauschzwecke soll angeblich von der Beobachtung herru?hren, daß Schafe ein aufgeregtes und merkwu?rdiges Verhalten zeigen, wenn sie Ginster gefressen haben. Getrocknete Besenginsterblu?ten werden seit einigen Jahren als “Legal high” betrachtet und in Rauchmischungen verwendet. Benutzer berichten immer wieder von einer mild euphorisierenden Wirkung und deutlichen synergistischen Effekten, wenn die Blu?ten mit anderen Substanzen, besonders Cannabis sativa, vermischt werden.

Besenginster Gegenanzeigen und Nebenwirkungen

Aus heutiger Sicht kann die Einnahme von Besenginster nicht mehr empfohlen werden.

In Besenginster ist das Alkaloid Spartein enthalten. Spartein wirkt zentral ähnlich dem Coniin, peripher ähnlich dem Nicotin, erst erregend, dann lähmend auf die Umschaltganglien des Vegetativen Nervensystems. Spartein ist also ein Nervengift und in höheren Dosierungen ein Protoplasmagift. Da Besenginster wehenauslösend wirkt, ist insbesondere in der Schwangerschaft die Einnahme kontrainduziert.

Vergiftungserscheinungen

Brennen, Kratzen, Speichelfluss, kalter Schweiß, Kühle, blasse Haut, Erbrechen, Durchfälle, Herzklopfen, Atemnot, Sehstörungen, Schwindelgefühl, Krämpfe, Bewusstseinstrübung, Tod durch Atemlähmung.

Gegenmittel

Magenspülungen anschliessend Adsorbentien, Gerbstoffe, Analeptica, künstliche Beatmung.

Anbieter und Preis

Im Kräuterfachhandel werden Besinginsterkraut, Besenginstertinktur und Besenginsterblüten zum Kauf angeboten. 100g Besenginsterblüten kann man zu einem durchschnittlichen Preis von 3 Euro kaufen. Besenginsterkraut ist minimal günstiger. Besenginsterkrauttinktur kann man für durchschnittlich 6,50 Euro je 100ml kaufen.

Inhaltsstoffe

Chinolizidinalkaloide wie Spartein und Lupanin, Amine wie Tyramin und Dopamin, Flavonoide wie Scoparin, in den Samen Lectine.