Bärentraube


Die Bärentraube wurde erstmals im 13 Jahrhundert im aus Wales stammenden Arzneibuch „Meddyggon Myddfai“ erwähnt. In der Antike war sie unbekannt. Das ist nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, dass die Bärentraube in den nördlichen Teilen der Erde heimisch ist und sie den Griechen und Römern daher verborgen blieb.

Die erste deutsche Beschreibung lieferte Hieronymus Bock. Im 17. Jahrhundert wird die Bärentraube in einem isländischen Zauberbuch als Pflanze gegen Gespenster vorgestellt. Im Jahre 1758 schrieb der Wiener Arzt de Haen in seiner Ratio medendi über die steinbrechende Wirkung der Bärentraube. Daraufhin folgten viele Versuche an der Wiener Universität die de Haens Ausführungen einschränkten indem sie zeigten, dass die Bärentraube Steine nicht zerstört, aber Linderung verschafft.

Erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde die in der Volksheilkunde gebräuchliche Bärentraube als Heilpflanze offiziell anerkannt.

In der Volksheilkunde war die Bärentraube schon seit langer Zeit im Gebrauch. So nutzten die Lappländer und Jakuten die mehligen Beeren der Bärentraube zur Streckung des Brotgetreides und in Russland nutzte man die jungen Zweige und Blätter der Bärentraube zum Gerben von Kalbsleder.


Botanik

Die Bärentraube gehört zur Familie der Heidegewächse. Sie ist ein der Preiselbeere recht ähnlicher, bis zu 30cm hoher, kriechender, zweijähriger Strauch mit buschigwachsenden, niederliegenden, bis zu einem Meter langen Ausläufern, dank derer die Bärentraube oft dichte Rasen bildet. Die Blätter sind immergrün, glänzend ledrig, kahl, länglich verkehrt eiförmig und wechselständig. Auf der Unterseite sind sie blassgrün und nicht wie bei der Preiselbeere punktiert. Die endständige, überhängende Blütentraube wird aus 3 bis 10 kugelförmigen, weissen, blassrot gefärbten Blüten gebildet. Die erbsengrossen, scharlachroten Bärentraubenbeeren sind mehlige Steinfrüchte.

Bärentraube

Bezeichnungen

Die Bezeichnung Bärentraube soll auf die angebliche Vorliebe der Bären für die Steinfrüchte der Bärentraube zurückzuführen sein. Sinnvoller scheint mir die Erklärung, dass den Früchten der Bärentraube bärenkräfte zugeschrieben wurde.

Nach der Devise doppelt hält besser, bezeichnet man die Bärentraube wissenschaftlich als Arctostaphylos uva ursi. Wobei die Gattungsbezeichnung aus dem griechischen stammt ? arktos = Bär; staphile = Traube. Die Artbezeichnung uva ursi ist lateinisch ? uva = Traube; ursus = Bär.

Landestypisch bezeichnet man die Bärentraube auch als Steinbeere, Totenmyrthe, Wilder Buchs, Mehlgranten oder Moosbeere.

Indikationen

Die Bärentraube setzte man traditionell bei Nierenbeckenkartarrh, Nierenentzündung, Harnzwang, Tripper, spontanen Harnfliessen, chronischen Durchfällen, Bettnässen, Kartarrhen der Atmungsorgane, chronischer Cystitis mit Eiterbildung, und Pyelitits. Die konzentrierte Abkochung nutzte man als wehenförderndes Mittel.

Bärentraube Anwendung und Wirkung

Verwendet werden die Blätter und jungen Triebe der auf Heiden und in Nadelwäldern wachsenden Bärentraube, die man von Mai bis August sammelt und im Schatten trocknet.


Bärentraubentee aus den jungen Zweigen

Zwei Esslöffel der jungen Bärentraubenzweige werden mit 500ml Wasser gekocht, bis 350ml übrig bleiben (Nicht zu lange kochen, da der Bärentraubentee sonst schleimig und dickflüssig wird). Davon verabreichte man 75ml morgend und 75ml abends.


Bärentraubentee

Für einen Bärentraubentee aus den Blättern nimmt man einen Teelöffel auf 150ml Wasser. Der Tee kann durch kurzes Aufkochen erstellt werden.

Sowohl bei dem unter Bärentraubentee aus den jungen Zweigen als auch das Rezept zur Zubereitung eines Bärentraubentees, wird eine grössere Menge Gerbstoff herausgezogen, so dass es bei der Verabreichung zu Erbrechen kommen kann. Aus diesem Grund bietet sich für Bärentraubentee ein Kaltauszug an. Dazu wird ein Teelöffel Bärentraubenblätter auf 150ml kaltes Wasser gegeben und einige Stunden stehen gelassen. Anschliessend wird die Mischung kurz erhitzt und abgeseiht. Von diesem Tee kann man über den Tag verteilt 3 bis 4 Tassen trinken.

Bärentraubenpulver

Für ein Bärentraubenpulver werden die getrockneten Bärentraubenblätter pulverisiert. Traditionell werden täglich 3 mal 1,5g bis 5g verabreicht.

Rezepte nach Dr. Med. Gerhard Madaus – Lehrbuch der Biologischen Heilmittel, 1938

Chronische Cystitis, Nephritis und Pyelitis:

Fol. Uvae ursi . . . 30 (= Bärentraubenblätter)
D.s.: 2 Teelöffel voll mit 2 Glas Wasser kalt ansetzen, 8 Stunden ziehen lassen und tagsüber trinken.
(Teezubereitung: Der heiß im Verhältnis 1 : 10 angesetzte Tee gibt einen Gehalt von 0,135% Arbutin und 0,26% Hydrochinon gegenüber 0,11% Arbutin und 0,13% Hydrochinon bei kalter Herstellung. Der Extraktgehalt der heißen Zubereitung beträgt 3,95%, der der kalten 2,45%. Die entsprechenden Glührückstände sind 0,106% und 0,088%. Die Peroxydasereaktion war in beiden Zubereitungsarten negativ. Bemerkenswert ist das Ergebnis der Toxizitätsbestimmung dieser beiden Tees bei Mäusen. Bei kalter Herstellung und intravenöser Injektion liegt die toxische Dosis bei einer Verdünnung des ursprünglich 1 : 10 angesetzten Tees bei 1 : 3, während der heiß hergestellte Tee nur unverdünnt toxisch wirkt. Die erträgliche Dosis liegt bei kalter Herstellung bei 1 : 4, während bei heißer Herstellung noch 1 : 2 vertragen wird. Ähnlich liegen die Verhältnisse bei intraperitonealer Injektion. Der kalt bereitete Tee ergibt eine toxische Dosis von 1 : 3, während der heiß bereitete Tee schon unverdünnt vertragen wird. Die Dosis tolerata beträgt bei kalter Zubereitung 1 : 4 und bei heißer 1 : 2. Nach diesen Ergebnissen ist der Tee kalt bereitet zweifellos wesentlich toxischer, so daß er wohl zweckmäßig, um eine intensive Wirkung zu entfalten, kalt angesetzt wird, wenn auch der Gehalt an Arbutin und Hydrochinon etwas kleiner ist. Die Versuche erwecken den Eindruck, als ob in Uva ursi eine Substanz enthalten ist, welche bei der heißen Teegewinnung schnell zerstört wird. Ein Ansatz 1 : 100 ist trinkbar und zeigt geschmacklich zwischen heiß und kalt keinen Unterschied.
1 Teelöffel voll wiegt 2,7 g, so daß man auf 1 Teeglas etwa 1 Teelöffel rechnen kann.).

Enuresis (nach Kroeber):

Fol. Uvae ursi (= Bärentraubenblätter)
Cort. Quercus (= Eichenrinde)
Flor. Tiliae . . . aa 20 (= Lindenblüten)
Hb. Hyperici . . . 40 (= Johanniskraut)
M.f. species.
D.s.: Abends um 6 Uhr 1 Tasse als warmes Dekokt.
Zubereitungsvorschlag des Verfassers: 1 Teelöffel voll auf 1 Glas Wasser Abends zu trinken.

Nierenentzündung und -eiterung (nach M. Müller):

Fol. Uvae ursi . . . 40 (= Bärentraubenblätter)
Rad. Taraxaci . . . 20 (= Löwenzahnwurzel)
M.f. species.
D.s.: 2 Teelöffel voll auf 2 Glas Wasser

Cystolithiasis (nach J. Albrecht):

Fol. Uvae ursi (= Bärentraubenblätter)
Rad. Pareirae . . . aa 25 (= Grießwurzel)
M.f. species.
D.s.: 2 Teelöffel voll auf 2 Glas Wasser.

Hämaturie (nach Meyer):


Rhiz. Iridis pseudacori (= Wurzelstock d. Wasserschwertlilie)
Fol. Uvae ursi . . . aa 30 (= Bärentraubenblätter)
Hb. Polygoni avicularis (= Vogelknöterichkraut)
Hb. Urticae . . . aa 20 (= Brennesselkraut)
M.f. species.
D.s.: 1 Eßlöffel auf 1 Tasse Wasser abkochen. Mehrmals täglich bis zur Wirkung trinken.

Species anticystiticae (Helv. V):

Fol. Betulae (= Birkenblätter)
Fol. Uvae ursi (= Bärentraubenblätter)
Stigm. Maydis (= Maisgriffel)
Rad. Liquiritiae (= Süßholzwurzel)
Rhiz. Graminis . . . aa 20 (= Queckenwurzel)
M.f. species.
D.s.: 2 Teelöffel voll auf 2 Glas Wasser.

Bärentraube in der heutigen Medizin

Bärentraube desinfiziert den Blaseninhalt. Bisher wurde angenommen, dass die in der Bärentraube enthaltenen Stoffe Arbutin und Methylarbutin reagieren, sobald der Harn alkalisch ist. Erst dann könnten das aus dem Arbutin entstandene Hydrochinon und Methylhydrochinon ihre antiseptischen und antizymotischen Wirkungen entfalten. As diesem Grund wurde empfohlen, Bärentraube zusammen mit etwas Natron oder reichlich basischer Kost einzunehmen. Ob dem wirklich so ist, bleibt strittig. So geht man davon aus, dass möglicherweise auch das Piceosid, die Phenolcarbonsäuren und polyphenolischen Gerbstoffe an der desinfizierenden Wirkung beteiligt sind.

Verabreicht werden Bärentraubenblätter bei leichten Infektionen der ableitenden Harnwege und der Blase.

Gegenanzeige und Nebenwirkungen

Der hohe Gerbstoffgehalt der Bärentraube kann zu Reizungen der Magen- Darmschleimhäute führen. Eine Überdosierung kann Erbrechen auslösen oder zu Hydrochinonvergiftungen mit begleitenden Leberschäden führen. Hydrochinonverbindungen stehen in Verdacht erbgutschädigend und krebserregend zu sein. Bärentraube sollte aus diesem Grund nicht über einen längeren Zeitraum eingenommen werden und nicht öfter als 4 mal jährlich. In der Schwangerschaft sollte Bärentraube nicht eingenommen werden.


Anbieter und Preis

Bärentraube kann man in Apotheken und im Kräuterfachhandel kaufen. Der Preis für 100g Bärentraubenblätter liegt bei durchschnittlich 4 Euro für 100g. Bärentraubenpulver kostet durchschnittlich 5,50 Euro je 100g. Bärentraubentinktur kann man für durchschnittlich 6,50 Euro je 100ml kaufen.

Inhaltsstoffe

Hydrochinonglykoside wie Arbutin, das Hydroxyacetophenonglukosid Piceosid, Gerbstoffe, Phenolcarbonsäuren, Flavonoide, Ursolsäure.