Augentrost


Der Augentrost ist eine verachtete Heilpflanze, die in alten Heilpflanzen- und Kräuterbüchern keine Erwähnung findet. Später wurden dem Augentrost Heilwirkungen zugeschrieben, die die Heilpflanze nicht erfüllen konnte. Seine fraglos vorhandene Wirkung wurde in jüngerer Zeit überschätzt. Er wurde bei vielen Beschwerden empfohlen, bei denen er keine Linderung verschaffen konnte.

Wie man vermuten könnte, ist der Augentrost eine Heilpflanze für Augenleiden doch das ist nur die halbe Wahrheit. Hauptsächlich bezieht sich seine Bezeichnung auf das eigentümliche Aussehen der Pflanze. Ihre weißen oder blaßvioletten Blüten mit einem gelben Fleck, der an eine Pupille erinnert gaben dem Augentrost seinen Namen. Ganz nach der Signaturlehre des Paracelsus, wonach

die Natur zeichnet ein jeglich Ding, so von ihm ausgeht, zu dem, dazu es gut ist.

Der Augentrost ist eine einjährige, bis zu 30 cm hohe Pflanze. Ihr Stengel ist aufrecht und unterwärts ästig. Die Augentrostblätter sitzen gegenständig und sind breit eiförmig, kurz zugespitzt, jederseits drei- bis sechszähnig. Die Augentrostblüten stehen ährenartig oder knopfig in den Achseln der drüsig behaarten Tragblätter und besitzen 2 Lippen. Die Krone überragt deutlich den Kelch, weiss, violett gestreift. Die Oberlippe der Augentrostblüte ist zweilappig, die Unterlippe dreilappig mit einem mehr oder weniger gelben Fleck und 9 dunklen Längsstreifen.


Die Heilpflanze zählt zu den Halbschmarotzern. Sie verfügt über Saugwurzeln, durch die sie sich an die Wurzeln anderer Pflanzen, insbesondere Gräser, anheftet und ihnen die Mineralstoffe entzieht. Diese Eigenschaft macht den Augentrost zum ungern gesehenen Unkraut, denn er befällt bevorzugt Gräser und wird selber, aufgrund seiner Bitterkeit, vom Weidevieh nicht gern gefressen.

Augentrost
Augentrost

Bezeichnungen

Die Bezeichnung Augentrost ist sicher aufgrund der Signaturlehre und daraus folgend der Verwendung der Pflanze zur Behandlung von Augenleiden abgeleitet. Darauf weisen auch die französischen Bezeichnungen, brise-lunette und case-lunette -> zerbrich die Brille, hin.

Wissenschaftlich bezeichnet man den Augentrost als Euphrasia officinalis. Euphrasia stammt aus dem griechischen und bedeutet Frohsinn, officinalis -> gebräuchlich, heilkräftig. Worauf sich der Frohsinn bezieht, bleibt ein Geheimnis. Man könnte spekulieren, dass der schöne Anblick der Heilpflanze das Auge erfreut oder eben Frohsinn einkehrt, wenn man, durch mit Augentrost behandelten Augen, wieder sehen kann.

Indikationen

Augentrost wurde in der Volksheilkunde gegen Katarrhe verschiedenster Art eingestetzt. Darüber hinaus diente er zur Behandlung von Augenleiden indem man den frischen Saft in die Augen träufelte, oder abgekocht als magenstärkender Tee wozu ihn insbesondere Kneipp empfahl. Wietere Indikationen waren, Augenkatarrhe, Conjunctivitis, Dakryocystitis, Iritis, Coryza, Rhinitis, Maculae et Ulcera corneae, Bronchitis, Grippe, Übersäuerung, Verdauungsschwäche, Gastritis und Ikterus.


Augentrost in der Homöopathie

In der Homöopathie wird Augentrost bei Fliessschnupfen und geröteten, entzündeten Augen eingesetzt.

Augentrost Anwendung und Wirkung

Verwendet wird das ganze Augentrostkraut, das man bis in den Spätsommer hinein sammeln kann. Augentrost wurde in der Volksheilkunde als Augentrosttee oder pulverisiert verabreicht.

Augentrosttee

Ein Augentrosttee wird aus einem Teelöffel Augentrostkraut oder Augentrostblättern und 150ml kochenden Wasser bereitet. Augentrosttee äusserlich angewendet reinigt die Augen und stärkt die Sehkraft. Dazu wurden die Augen drei mal täglich mit warmen Augentrosttee gewaschen. Alternativ legte man in den Augentrosttee getauchte Leinenläppchen über Nacht auf die Augen. Mit etwas Wermut und Fenchel zugesetzt, wird die Wirkung als noch intensiver beschrieben. Innerlich wurden traditionell 3 Tassen Augentrosttee täglich verabreicht.

Augentrostpulver

Augentrostpulver wurde bei Gelbsucht eingesetzt, zur Verbesserung der Sehkraft und zur Anregung der Verdauung. Dazu verabreichte man 3 mal täglich 0,5g Augentrostpulver. Augentrostpulver mit Dornschlehblüten vermischt empfahl man bei Verstopfung.


Augentrostwein

Augentrostwein galt als gutes Magenmittel. Dafür setzte man Augentrostkraut mit einem Liter Wein an und liess es in einer verkorkten Flasche 14 Tage destillieren.


Augentrost in der modernen Medizin

Die Wirkung bei Augenleiden kann aus heutiger Sicht nicht bestätigt werden. Umschläge oder Waschungen werden nicht empfohlen, weil die Zubereitungen nicht schwebstoff- und keimfrei sind. Sterile Fertigzubereitungen sind unbedenklich.

Anbieter und Preis

Augentrostkraut und Augentrosttinktur kann man in Apotheken und im Kräuterfachhandel kaufen. Der Preis für Augentrostkraut liegt durchschnittlich bei 5 Euro für 100g. Die Tinktur kann man für durchschnittlich 7 Euro je 100ml kaufen.


Inhaltsstoffe

Iridoidglykoside wie Aucubin, Euphrosid und Catalpol, Flavonoide, Lignane, Phenolcarbonsäuren, ätherisches Öl.