Ackerschachtelhalm


Der Ackerschachtelhalm ist wohl eines der häufigsten und unverwüstlichsten Heilkräuter in unseren Breiten. Für den Ackerschachtelhalm gilt wohl das Sprichwort: „Der Prophet gilt nichts im eigenen Land“ und meint damit das eine Pflanze, die jederzeit und allerorts erhältlich ist, nichts taugen könne. Dabei wurde die Heilkraft dieser Heilpflanze bereits von dem Römer Plinius und dem Griechen Dioskurides beschrieben.

Der arabische Arzt Sina (Avicenna) nutzte diese wertvolle Heilpflanze und Bischof Albertus Magnus wußtte über die blutstillende Wirkung des Ackerschachtelhalms zu berichten. Einige Jahrhunderte später schreibt Hieronymus Bock im New Kreuterbuch über diese Heilpflanze. Er beschreibt sie als lästiges Unkraut, lobte aber auch die heilsamen Wirkungen. Einige Jahrhunderte später befasste sich Sebastian Kneipp mit dem Ackerschachtelhalm, den er für einzigartig und unersetzbar hielt.

Botanik

Der bis zu 80 cm hohe Ackerschachtelhalm aus der Familie der Schachtelhalmgewächse zählt zu den blütenlosen, sporentragenden Pflanzen. Er ist ein zwerghafter Überrest aus der Trias, einer längst vergangenen Entwicklungsperiode der Erdgeschichte und zeigt eine botanische Eigenart. Aus dem reich bewurzelten unterirdischen Stamm spriessen im Frühjahr blass-rotbraune, fleischige Pflanzenstengel mit Sporenähre. Nach dem Ausstreuen der Sporen sterben die Frühjahrstriebe ab und es entspringen vierkantige, scharfe Pflanzenstengel von grüner Farbe und harter Beschaffenheit mit zahlreichen, in Quirlen stehenden Ästen.

Beide Stengelformen sind aus Gliedern zusammengesetzt, deren Verbindungsstellen, die Stengelknoten, ineinander geschachtelt sind. Womit der Ursprung für die Bezeichnung Ackerschachtelhalm geklärt wäre.

Ackerschachtelhalm
Ackerschachtelhalm
Sporenähre vom Ackerschachtelhalm
Sporenähre vom Ackerschachtelhalm

Bezeichnungen

Der botanisch wissenschaftliche Name Equisetum arvense bezieht sich auf das Aussehen der quirligen Pflanzenstengel. Equus -> Pferd; Seta -> Borste; Arvum -> Acker. Landestypisch gibt es viele Bezeichnungen, die auf das Aussehen oder die Verwendung des Ackerschachtelhalmes Bezug nehmen. So bezeichnet man den Ackerschachtelhalm, aufgrund seines Aussehens, auch als Katzenwedel oder Pferdeschwanz, Scheuerkraut, Kannenkraut, Bandwischkraut, Polirkannenkraut, Reibwisch, . Aufgrund seiner Verwendung zum Scheuern metallener, vor allem zinnerner, Gefäße als Zinnkraut, Scheuerkraut, Kannenkraut, Bandwischkraut, Polirkannenkraut, Reibwisch, Zinngras, Zinnheu oder Scheuergras. Weitere Bezeichnungen sind Fegkraut, Schachtelhalm, Schaftheu, Schaftstroh.

Indikationen

Der Ackerschachtelhalm wird traditionell sehr vielseitig eingesetzt. So galt Zinnkrauttee bzw. Ackerschachtelhalmtee als ein Universalmittel zur Vermeidung von Arterienverkalkung. Man verwendete den Ackerschachtelhalm bei Tuberkulose, Asthma, Bronchitis, Hämorrhagien aller Art, Apoplexie, Blasenkatarrh, Nierenkatarrh, Cystitis, Enuresis, Steinbildung in Blase und Nieren, Lupus, Nephritiden, Arteriosklerose, Milzschwellung, Leberstauung, Haarausfall, Griess, Beschwerden beim Wasserlassen, Schwindsucht, tuberkulose Fisteln, Drüsenschwellung, Magengeschwür, Lungenblutung, Bettnässen, nervösen Blasenleiden, vergrößerten Mandeln, Blutarmut, Fettsucht, Infektionskrankheiten, Wassersucht, Rippenfellentzündung, Stoffwechselerkrankung, Durchfall, Typhus, Mandelentzündung, Mundfäule, Zahnfäule, Fisteln, Wurzelentzündung, Geschwüren, Bartflechte, Ausschlag, Nieren- und Blasenleiden gichtischer Grundlage, Nasenbluten und Husten. Äusserlich in Form von Umschlägen oder Sitzbädern bei schlecht heilenden Wunden, krebsartigen Geschwüren und Knochenfrass, Knochentuberkulose, eiternden Wunden, Nagelbettentzündung, Gallensteinen, Hämorrhoiden, Schweissfüssen und Flechten.


Ackerschachtelhalm in der Homöopthie

In der Homöopathie verwendet man den Ackerschachtelhalm bei konsekutiver Enuresis, Anurie, Incontinentia urinae senile, Blasenreizung, Schmerzen in Nieren, Blase und Harnwegen.

Ackerschachtelhalm Anwendung und Wirkung

Ackerschachtelhalm wird vor allem aufgrund seines hohen Anteils an Kieselsäure geschätzt, wodurch er auch als Gewebe festigend beschrieben wird. Meist wird er als Tee eingenommen. Verwendet werden nur die unfruchtbaren grünen Stengel, das Kraut, die von Mai bis Juli vor der Fruchtbildung gesammelt werden.

Zinnkrauttee

Für die Zubereitung von einem Zinnkrauttee gibt man 2 Teelöffel Kraut auf ein Tasse heisses Wasser.

Zinnkrauttee gilt als ausgezeichnetes Mittel zur Vermeidung von Arterienverkalkung und dient zur Entschlackung und Entgiftung. Zeitweise eine Tasse kalten Ackerschachtelhalmtee dient zur Reinigung des Magens. Mit Tausendguldenkraut vermischt wirkt er nierenreinigend. Mischt man Ackerschachtelhalm mit Wacholder und etwas Wermut, wirkt er stärkend und blutreinigend. Eine Mischung mit jeweils 1/4 Hohlzahn, Klette und Vogelknöterich wird als hilfreich beschrieben zur Behandlung von Schwindsucht, tuberkulosen Fisteln und Drüsenschwellung.

Mischt man ihn mit Tormentill und kocht daraus einen Dekokt, stillt der Dekokt, kalt getrunken, Blutungen. Bei Magengeschwüren halbstündlich einen Esslöffel. Bei Magenblutung eine Tasse anschliessend wie bei Magengeschwür. Bei Lungenblutung alle fünf Minuten einen Teelöffel. Bei Nasenbluten kann man den Tee in die Nase ziehen.

Ackerschachtelhalm mit Johanniskraut galt als vorzüglicher Tee gegen Bettnässen (Tagsüber 1 bis 2 Tassen, abends trockene Kost).

Bei Mandelentzündung, Mundfäule, Zahnfäule, Fisteln, Wurzelentzündung, Polypen wird der Ackerschachtelhalmtee als Spülung oder zum gurgeln verwendet.

Den Tee verwendet man auch äusserlich zum auswaschen von Wunden.

Kobert-Kühnscher Kieseltee

Ackerschachtelhalm ist Bestandteil für die Kobert-Kühnsche Kieselsäure-Teemischung. Es ist eine Mischung aus Ackerschachtelhalm, Hohlzahn und Vögelknöterich im Verhältnis 75:50:150. Von diesem Tee nimmt man täglich 11/2 Esslöffel, setzt sie mit 2 Tassen Wasser an und lässt den Tee auf die Hälfte einkochen.

Dekokt

Da Ackerschachtelhalm sehr hart ist, sollte er vor der Verarbeitung mehrere Stunden im kalten Wasser liegen. Danach wird er in dem selben Wasser 10 bis 15 Minuten gekocht und anschliessend nochmals mehrere Stunden stehen gelassen bevor man filtert und den so gewonnenen Ackerschachtelhalmdekokt verwendet. Der Dekokt wird bevorzugt für alle äußerlichen Anwendungen verwendet.

Bei Gesichtsausschlag oder Erkrankung der Kopfhaut wäscht man Gesicht und Kopf mit Ackerschachtelhalmdekokt. Anschliessend das Gesicht eincremen.

Einen Dekokt aus Ackerschachtelhalm verwendet man ebenfalls für Waschungen aber auch für Auflagen und Wickel beispielsweise bei Flechten oder Lupus.

Bei Hämorrhoiden oder Mastdarmfisteln wirken Klistiere aus Ackerschachtelhalmkraut und Eichenrinde oder Bockshornklee.

Wein

Für einen Wein vermischt man das zerstossene Ackerschachtelhalmkraut mit Wein und lässt die Lösung 14 Tage lang ziehen. Von diesem Wein trinkt man täglich 3 mal ein kleines Likörglas. Der Wein verbessert die Hautfarbe und wirkt stärkend.

Pulver

Das Pulver wird traditionell in Milch gekocht und als Kräftigungsmittel verabreicht. Auch wird es als blutbildend beschrieben. Täglich ein halber Teelöffel.

Tinktur

Für eine Tinktur setzt man 50g Ackerschachtelhalmkraut mit einem Liter Branntwein an und lässt es 2 bis 3 Wochen unter öfteren schütteln ziehen. Anschließend sieben.

Die Tinktur wird traditionell gegen Schweissfüsse verwendet. Dazu werden die vorher gut abgeriebenen Fußsohlen mit der Tinktur bepinselt.

Ackerschachtelhalm in der heutigen Medizin

Viele der traditionell beschriebenen Wirkungen des Ackerschachtelhalms werden heute durch die in ihm enthaltenen Flavonoide, die Kaffeesäurederivate, die Kieselsäure und den hohen Kaliumgehalt erklärt. Ackerschachtelhalm wird vorwiegend als harntreibendes Mittel verwendet. Darüber hinaus nutzt man ihn bei entzündlichen Erkrankungen der ableitenden Harnwege und zur Durchspülungstherapie. Auch heute noch ist Ackerschachtelhalm Bestandteil vieler Hustenmischungen. Man vermutet, dass die in ihm enthaltene Kieselsäure die körpereigenen Abwehrkräfte stimuliert.

Auch die Wirksamkeit zur Stillung von Blutungen konnte nachgewiesen werden, so dass Ackerschachtelhalm auch heute noch zur Behandlung von schlecht heilenden Wunden verwendet wird.

Gegenanzeigen und Nebenwirkungen

Ackerschachtelhalm sollte nicht mit dem als giftig geltenden Sumpfschachtelhalm verwechselt werden. Aufgrund des hohen Kaliumgehalts sollte Ackerschachtelhalm nicht eingenommen werden, wenn Beschwerden bestehen, bei denen Kalium einzuschränken ist.

Anbieter und Preis

Ackerschachtelhalm kann man selber sammeln. Man findet ihn bevorzugt auf Äckern, an Wegrändern und Unkrautfluren. Häufig ist er auch als Unkraut in Gärten anzutreffen. Es besteht Verwechslungsgefahr mit dem giftigen Sumpfschachtelhalm.

Möchte man diese Heilpflanze nicht selber sammeln, kann man sie in Apotheken oder im Kräuterversand kaufen. Meist findet man ihn unter der Bezeichnung Zinnkraut. Für geschnittenes Zinnkraut liegt der Preis bei durchschnittlich 2 Euro je 100g. Gemahlen oder in Bioqualität bekommt man Ackerschachtelhalm zu durchschnittlich 3 Euro je 100g zu kaufen. Eine Tinktur kostet im Schnitt 6 Euro je 100ml.

Inhaltsstoffe

Ackerschachtelhalm ist reich an Kieselsäure. Darüber hinaus enthält die Pflanze Flavonoide wie Isoquercitrin, Luteolin oder Kämpferol, Kaffeesäurederivate wie Caffeoylshikimisäure und Dicaffeoyl-meso-Weinsäure, Kalium und Spuren von Alkaloiden wie Nicotin und Palustrin.