Quendel


Den Quendel schätzte Hildegard von Bingen sehr. Sie bezeichnete den Quendel als eines der wichtigsten Gewürze, neben Galgant und Bertram. Hildegard von Bingen beschreibt den Quendel als warm und gemäßigt. Ein Mensch, der krankes Fleisch (Hautveränderungen) hat, esse oft Quendel und das Fleisch seines Körpers wird innerlich gereinigt und geheilt. Bis heute verwendet man den Quendel aus diesem Grund traditionell zur Behandlung von Neurodermitis und Akne.

Quendel – Feldthymian – Wilder Thymian

Der Quendel gehört zur Familie der Lippenblütler. Quendel ist ein ausdauernder, kriechender, am Grunde verholzender, Ausläufer bildender, aromatisch duftender Thymian.  Quendel bildet ovale, sehr kleine, aufrechte Blätter. Die Blütenstengel sind behaart und zylindrisch. Die im Juli/August erscheinenden Blüten sind sehr klein und purpurrot. Der Geschmack von Quendel ist gewürzhaft und bitter, der Geruch leicht zitronenartig. Quendel ist eine in Europa heimische Pflanze. Er bevorzugt als Standort trockene Wiesen, Felder, Hügel und Waldränder.

Quendel wilder Thymian
Quendel wilder Thymian Quelle: © Kai Hagemeister

Quendel
Quendel Quelle: © Kai Hagemeister

Quendel
Quendel Quelle: © Kai Hagemeister


Bezeichnungen

Der botanische Name von Quendel ist in der Literatur nicht eindeutig, denn Quendel bezeichnet keine Art sondern eine Gattung. Unter Quendel kann man also alle Thymian-Arten einordnen. Quendel wird botanisch eindeutig als Thymus bezeichnet. Unter Thymus gibt es nun die verschiedensten Thymian-Arten wie den Sand-Thymian, Thymus serpyllum L. oder den Gemeinen Thymian, Thymus pulegioides. Früher fasste viele der Thymian-Arten unter der Bezeichnung Thymus serpyllum zusammen, weswegen ich mich hier ebenfalls auf diese botanische Bezeichnung stütze. Diese Seite beschreibt den Wilden Thymian, wie ihn Hildegard von Bingen schon schätzte und einsetzte.

Indikationen

Noch in den 30-er Jahren des vorigen Jahrhunderts setzte man Quendel zur Behandlung von Verdauungsstörungen, Blähungen, Koliken, krampfhaften Schmerzen, Schnupfen, Katarrh, Keuchhusten, Blutspeien, Halsbeschwerden, Lähmungen, Verrenkungen, Rheumatismus, Geschwülsten, Gliederzittern und Nervenschwäche ein.

Hildegard von Bingen empfahl Quendel bei Erkrankung der Haut, Vergesslichkeit, Nervenschwäche und Stress.

Heute schätzt man die krampflösende und antimikrobielle Wirkung von Quendel. Allerdings ist diese Wirkung geringer als beim echten Thymian, weil der Gehalt an ätherischen Ölen geringer ist als beim Echten Thymian. Bei Magen-Darm-Störungen und Appetitlosigkeit wird bevorzugt Quendel eingesetzt. Der Grund dürfte der hohe Gehalt an Cymol, Thymol, Carvacrol und Gerbstoffen sein.

In der Homöopathie verwendet man Quendel-Extrakt als hustenstillendes Mittel.

In der alternativen Heilbehandlung wird Quendel zur Behandlung von Neurodermitis und Akne empfohlen, wobei die Verwendung auf die Empfehlungen von Hildegard von Bingen zurückzuführen ist.

Quendel Anwendung und Heilwirkung

Verwendet wird die ganze Pflanze, die man von Juli bis September sammelt.

Zur Behandlung von Verdauungsstörungen, Blähungen, Koliken und krampfartigen Schmerzen trinkt man täglich zwei Tassen eines aus Quendel erstellten Tees. 

Vermischt man den Tee mit Honig, wird er als hilfreich zur Behandlung von Katarrh, Schnupfen und Keuchhusten beschrieben. Den Honig sollte man dabei nicht in den heißen Tee geben sondern warten, bis sich dieser auf Zimmertemperatur abgekühlt hat. Allgemein sollte man Honig nie erhitzen.

In Essig gekocht, soll Quendel bei Blutspeien hilfreich sein, wobei auch hier nach dem Abkühlen Honig hinzugegeben wird.

Quendel mit Süßholz, Anis und Wein gekocht, wird als hilfreich zur Reinigung der Brust beschrieben, auch soll es gut zur Behandlung von Halsbeschwerden sein.

Zur äußerlichen Behandlung von Lähmungen, Verrenkungen, Rheumatismus etc., setzte man früher Kräuterkissen, Auflagen, Waschungen und Bäder von Quendel ein.

Zur Behandlung von Hautproblemen wird die Verwendung von Quendel als tägliches Gewürz empfohlen. Zusätzlich sollte eine Salbe aus Quendel auf die betroffenen Hautstellen aufgetragen werden. Die Quendelsalbe, die aus zerstossenem Quendel erstellt werden sollte, wird als hilfreich bei der Behandlung von trockenen Hautverkrustungen, Hautekzemen, Akne, Neurodermitis und Pickeln beschrieben.

Zur Behandlung von Vergesslichkeit oder Nervenschwäche empfahl Hildegard von Bingen Quendelkekse. Dazu sollte man Quendel pulverisieren und mit Semmelmehl in Wasser mischen. Daraus sollten dann Törtchen erstellt werden, die man täglich essen könnte. Heute findet man daran anknüpfend viele Rezepte für Quendelkekse. Allen gemein ist die Untermischung von pulverisierten Quendel. So kann man beispielsweise aus 1 Kilo Dinkelfeinmehl, 300g Butter, 240g Rohrohrzucker, 4 Eiern und 50g Qundelpulver leckere Nerven stärkende Kekse backen. Dazu werden alle Zutaten zu einem Mürbeteig verknetet, ausgerollt und ausgestochen. Die Kekse backt man dann bis sie goldgelb sind bei 150 Grad im Backofen. Verfeinern kann man die Quendel-Kekse noch mit Nüssen oder Mandeln.