Knoblauchsrauke


In den Schriften des Altertums wird die Knoblauchsrauke nicht aufgeführt. Man kannte diese Heilpflanze einfach nicht. Ist sie doch im Mittelmeergebiet nicht anzutreffen. Unsere Ahnen, die Germanen werden die Knoblauchsrauke jedoch gekannt haben. Bereits beim Vorbeigehen, nimmt man den knoblauchartigen Geruch dieser Heilpflanze wahr. Wie unsere Ahnen die Knoblauchsrauke verwendeten, darüber kann man nur Vermutungen anstellen. Erste schriftliche Überlieferungen über die Nutzung, finden sich in den Kräuterbüchern des Mittelalters und der Renaissance.

Besonders, das wird der Leser schon gemerkt haben, gefallen mir die Ausführungen von Hieronymus Bock. Hieronymus Bock beruft sich bei seinen Kräuterbeschreibungen nicht nur auf die alten griechischen Gelehrten sondern liefert mit viel Liebe zum Detail, aber auch mittelalterlicher Derbheit, Beschreibungen der Heilpflanzen, die ihres Gleichen suchen. Auch bei der Knoblauchsrauke möchte ich ihn zu Wort kommen lassen, denn mit seinen Ausführungen umreißt Hieronymus Bock sowohl die Nutzung als Heilpflanze, als auch die Verwendung in der Küche. Über die Knoblauchsrauke schreibt Hieronymus Bock:

Die Knoblauchsrauke (Alliaria) weil sie den geruch und geschmack hat des Knoblauchs, würdt dafür gehalten, sie habe auch gleiche complexion. Doch ist sie nicht so hefftig als der Knoblauch. Etliche sagen, die Alliaria wärme und trückne in dem andern grad. Sie öffnet, zertheilet, verzehrt, macht die groben dücken feuchtigkeiten etwas dünn, löset ab, reiniget unnd verhütet die fäule. Fuchsius meldet, es habe die Alliaria deß Cressen natur und eigenschaft an sich. Seye aber nicht so starck, sondern umb etwas schwächer. In den Apotecken würdt die Alliaria nicht gebraucht. Es wissen sie aber meisterlich etliche Wundtarzet zu gebrauchen: sonderlich zu verhütung der fäule, in dem kalten brandt, Gangraena genant, so wol in faulen, bösen und unreinen schäden, dann sie trücknet und reiniget trefflich.


Um Bocks Ausführungen zu verstehen, bedarf es eines kurzen Ausflugs in die Einteilung der Pflanzen durch die Alten. Man teilte die Heilpflanzen nach ihrem Vorkommen und ihrem Geschmack in kalte, warme, heiße, trockene, feuchte Pflanzen ein. So wurden Meerespflanzen aufgrund ihres Vorkommens im kalten Meer als kalt und aufgrund des Salzgehaltes als trocken bezeichnet. Pflanzen die im fließenden Gewässer wachsen, bezeichnete man hingegen als hitzig. Geschmacklich weist ein herber adstringierender Geschmack auf kalt hin. Ein brennender Geschmack hingegen galt als heiß oder hitzig. Im Fall der Knoblauchsrauke beschreibt Bock eine wärmende und trocknende Pflanze, wie sie für die meisten Kreuzblütler gilt. Die Wirkung einer solchen Kombination wurde durch die Alten als treibend bezeichnet. Was einer blutreinigenden und hautverbessernden Wirkung gleich kommt.


Über die Anwendung und Wirkung der Knoblauchsrauke schreibt Hieronymus Bock:


Die Knoblauchsrauke ist ein edels Kraut zu den grünen Saassen (Soßen), mit Essig und Ingwer abbereit. Seind nicht zu hitzig, meins bedunckens gesunder und anmütiger weder die scharffen Senff Saassen. Sonst ist das vermögen der Knoblauchsrauke wie der Cressen und Senffkreuter, doch allerding milter. Knoblauchsrauke ist dienstlich zu den Clystierungen, zum hüfftschmerzen, Ischias. Aus dem gestossenen Samen ein Pflaster gemacht, mit Essigtemperiert und den erstockten Weibern auff die Scham gelegt, zeucht die auffgestigene Mutter undersich und erweckt sie, daß sie wider zu ihn selber kommen. Der safft von der Knoblauchsrauke oder das pulver der Samen in die Nasen geblasen, macht niesen, erwecket diejenigen so in die groß krankheit seind gefallen. Deßgleichen andere tugendt seind im Cressen angezeigt.

Botanik

Die Knoblauchsrauke ist eine bis zu einem Meter hohe, zweijährige Pflanze aus der Familie der Kreuzblütler. Sie ist dem Senf ähnlich mit kleinen weißen Blüten und aufrechten Schoten. Der Stengel ist aufrecht, meist einfach und kantig gestreift. Die Blätter sitzen wechselständig am Stengel. Sie sind ungeteilt, gestielt, herzförmig und grobgezähnt.

Knoblauchsrauke
Knoblauchsrauke
Knoblauchsrauke Knoblauchsrauke

Bezeichnungen

Die Bezeichnung Knoblauchsrauke verdankt die Pflanze seinem starken Duft nach Knoblauch. Auch der Geschmack erinnert daran, wenn er auch in der Intensität bei weitem nicht an den Knoblauch heranreicht. Wissenschaftlich bezeichnet man die Pflanze als Alliaria petiolata. Früher war sie ein anerkanntes Heilkraut, was durch ihren wissenschaftlichen Namen hervorgehoben wurde, denn man bezeichnete die sie als Alliaria officinalis, alliaria -> Lauch officina -> Apotheke. Wissenschaftliche Synonyme sind Sisymbrium alliaria und Erysimum alliaria. Neben der Bezeichnung Knoblauchsrauke gibt es noch weitere volkstümliche Namen. So nennt man sie auch Ramselwurz, Knoblauchhederich, Lauchhederich oder Lauchkraut.

Indikationen

Traditionell werden die jungen Blätter und die Blüten der Knoblauchsrauke als Gewürzkraut verwendet. In der Naturheilkunde nutzt man sie bei Rheuma, Gicht, Asthma, Vitamin-C Mangel, Zahnfleischentzündung, Ekzemen, Katarrh der Luftwege, Gelbsucht, Wunden und schlecht heilenden Geschwüren.

Knoblauchsrauke Anwendung und Wirkung

Der Knoblauchsrauke wird in der Volksheilkunde eine antiseptische, Auswurf fördernde, harntreibende, appetitanregende, spasmolytische, blutreinigende und verdauungsfördernde Wirkung zugesprochen. Verwendet werden die Blüten und die Blätter, die man vor und während der Blüte erntet.

Knoblauchsrauke sollte immer frisch verwendet werden, da ihre sehr schnell welkenden Blätter mit der Trocknung sowohl an Geschmack als auch an Wirksamkeit verlieren. Äußerlich wird ein aus dem Kraut gepresster Saft, alkoholische Auszüge, ein bereiteter Tee oder aus zerquetschten Knoblauchsraukenblättern erstellte Kompressen bei Wunden und schlecht heilenden Geschwüren gebraucht. Der Saft und der Tee wird auch als hilfreiches Mundwasser bei Zahnfleischentzündung eingesetzt. Innerlich nutzt man den frischen Knoblauchsraukensaft oder einen Knoblauchsraukentee.

In der Küche werden die jungen Blätter, die Blüten und die Samen verwendet. Blätter und Blüten werden in der Regel nicht gekocht sondern zum Schluß den Speisen zugegeben. Die in den Schoten befindlichen Samen nutzt man als Ersatz für Schwarzen Senf.


Knoblauchsrauke in der evidenzbasierten Schulmedizin

In der evidenzbasierten Schulmedizin wird die Knoblauchsrauke nicht verwendet. Grund ist, dass die Inhaltsstoffe bisher noch wenig untersucht sind und eine Wirksamkeit bisher noch nicht belegt wurde.


Gegenanzeigen und Nebenwirkungen

Über Nebenwirkungen der Knoblauchsrauke ist aus Sicht der Schulmedizin wenig bekannt. Traditionell wird eine hautreizende Wirkung beschrieben. Senföl und Knoblauchöl kommen in der Pflanze nur in geringen Mengen vor, so dass die Möglichkeit einer Vergiftung wenig wahrscheinlich erscheint, zumal die Knoblauchsrauke traditionell ausgiebig in der Küche Verwendung fand.

Anbieter und Preis

Knoblauchsrauke sollte man nicht im Handel kaufen. Sie verliert mit der Trocknung sowohl an Geschmack als auch an Wirksamkeit. Auch ist sie ähnlich verbreitet wie die Brennnessel, so dass es nicht schwer fallen dürfte sie in der Nähe zu finden. Man findet sie in Gebüschen, an Zäunen, Wegrändern, lichten Laubwäldern sowie in verwilderten oder naturnahen Gärten. Ich erspare mir aus vorgenannten Gründen eine Recherche bezüglich Preis und Angebot.

Knoblauchsrauke Inhaltsstoffe

Das Glykosid Sinigrin, geringe Mengen herzwirksamer Glykoside, ätherische Öle wie Senföl und Knoblauchöl, viel Vitamin A und Vitamin C.