Löwenzahn


Wir wissen heute nur wenig über den Löwenzahn in der altgermanischen Heilkunde. Einiges über unsere alten Heilpflanzen wurde durch den Römer Plinius, in seiner Naturalis historia aus dem 1. Jahrhundert überliefert. Auch in der Edda finden sich Hinweise. Den Löwenzahn als Heilpflanze sucht man in diesen Quellen jedoch vergeblich.

Der Löwenzahn in der Medizin unserer alten Kräuterkundigen

Trotzdem werden unsere Vorfahren die Heilkräfte des Löwenzahns gekannt haben, erschlossen sich ihnen doch die Wunderkräfte der Natur durch eine innige Beziehung, die wir bereits vor langer Zeit verloren haben. Die Meinung, dass Plinius nichts über den Löwenzahn zu berichten wusste, war nicht immer so einhellig. Lange Zeit dachte man, dass es sich bei der durch Theophrast, Dioskurides und Plinius beschriebenen Aphake um ihn handelte (Madaus 1938). Erste eindeutige Hinweise auf die medizinische Verwendung des Löwenzahns finden sich bei Avicenna. Im nachfolgenden Mittelalter und der Renaissance wird der Löwenzahn fast in jedem Kräuterbuch aufgeführt. Manchmal wird er in geradezu epischer Bandbreite behandelt, wie beispielsweise im Kräuterbuch des Hieronymus Bock oder dem Kräuterbuch von Jacobus Theodorus. Manchmal recht nüchtern und kurz abgehandelt. So schrieb Otto Brunfels 1532 über ihn:

Das Wasser von dem Löwenzahn ist gut zu dem Gesicht, macht klare Augen. Löschet allerlei Hitz in allen Gliedern.

Hieronymus Bock bezeichnete den Löwenzahn als Pfaffenröhrlein und sah in ihm, die durch Dioskurides beschriebene Hieratio. Er schreibt über die Anwendung:

In den hitzigen pestenen und brennenden Febern, weiß ich kaum ein edeler Wasser, als eben das Wasser von Löwenzahn (Pfaffenröhrlein) gebrandt, jederweilen drey oder vier Löffel voll getruncken, solch Wasser miltert das stechen, bringet ruhe, stillet den husten und leschet die hitz. Der Safft vom grossen Paffenröhrlein getruncken, ist dem erhitzigten Magen bequemlich. Aber das gebrandt Wasser ist aller ding anmutig zu brauchen. Löwenzahn (Pfaffenröhrlein) gesotten und getruncken, stopffet den Bauchfluß. Mit Linsen gesotten und eingenommen stopffetes die rote Ruhr. Es ist auch getruncken denen gut, so blut ausspeien. Das best Augen Wasser zu den flecken, soll auß dem Löwenzahn (Pfaffenröhrlein) Kraut und Wurzel gebrandt werden, jedoch thut solches auch der Safft, und ist in seiner Würckung, in die dunckelen Augen gethan, vil kräfftiger. Das grün Kraut Eusserlich auffgelegt, oder Tüchlein im Wasser genetzt und genützet, leschet alle hitz der schwarzen brennenden Blattern an den Beinen, Brüsten und gemächten, bekommet auch wol den hitzigen Gliderwehe, das Wasser mit Tüchlein übergeschlagen. Die Weiber pflegen sich auch unter den Augen mit disem Wasser zu waschen, verhoffen dadruch ein lauter Angesicht zu erlangen und die rote purpur oder blätterlein damit zu vertreiben. Man gibt für, das wann man allein die Wurzel an hals hengt, so soll sie die flecken in den Augen vertreiben.

Die wohl ausführlichste Beschreibung über den Löwenzahn lieferte Jacobus Theodorus von der mangels Platz und um den Leser nicht zu langweilen nur einige wenige Auszüge wiedergegeben werden:

Es wird der Löwenzahn (gemein Röhrleinkraut) heutiges Tags auch in der Speiss unnd sonderlich zu den Salaten gebraucht, darmit aber solches auch von wegen seiner bitterkeit, zu der speiss anmütiger werde, so pflegt mans weiss zu machen wie das Endivien und Wegwartenkraut, dardurch es dann seine Bitterkeit verleuret. Solches mag nutzlich in allen oberzehlten Krankheiten wie von der Wegwart unnd der Endivien meldung geschehen ist in der Kost genützet werden, sonderlich aber in den alten, faulen Febern, in dem Siechtagen unnd der Wassersucht…Das Kraut und Wurtzel frisch zerschnitten und darnach in einem Mörsel gestossen, den Safft aussgedruckt, und desselbigen genommen sechszehen untzen, und alten roten Rosenzucker 6 untzen, solches uber einen linden glut zerlassen und ein wall oder drey auffsieden lassen, darnach durchgesiegen, ist ein heylsame Artzeney wider das Blutspeyhen, so man Morgens unnd Abends, jedesmal fünff oder sechs loth eynnimbt.
Der geläuterte Safft von dem Kraut und Wurtzel, ist ein gebenedeyte Artzeney wider die hitzige entrichtung und brunst dess Magens und der Leber, eröffnet darneben die verstopffung derselben, vertreibt die Geelsucht (Gelbsucht), den gränen Siechtagen, unnd verhütet die Wassersucht, täglichen dess Morgens nüchtern 6 loth getruncken: dienet auch wider alle Feber, unnd sonderlich wider das drittägig Feber.
Wider das drittägig Feber, mach folgenden Tranck: Nimb Löwenzahn (Röhrleinkraut), mit der Wurtzel zwo Handvoll, Cardenbenedictenkraut anderthalb Handvoll, Genserichkraut eine Handvoll: Diese Kreuter nimb grün oder dürr, zerschneide sie klein, thue sie in ein bequeme Kannten, schütt darüber ein Mass frisch Brunnenwasser, thu darzu sechs loth guten Feinzucker, verlutier die Kannten wol mit einem Rockenteyg, setz sie in ein Kessel mit Wasser, lasse darinn vier Stunden in einem stäten Sud sieden, darnach seihe den Tranck ab durch ein Tuch, unnd gib allen Morgen unnd Abend, jedesmal vier Untzen darvon zu trincken…

Auch nach dem Mittelalter und der Renaissance findet man den Löwenzahn in den meisten Kräuterbüchern. Hufeland lobt ihn als kräftiges Resolvens und empfiehlt ihn vor allem bei Gallenleiden, Leberverhärtung, Hypochondrie und gastrischem Fieber. Pfarrer Kneipp hielt den Löwenzahn für ein ausgezeichnetes Heilkraut bei Leberleiden und Gelbsucht. Pfarrer Künzle empfahl den frischen Milchsaft in die Augen zu streichen um Hornhautflecken zu beseitigen. In jüngster Zeit empfahl Maria Treben Löwenzahn bei Diabetes, Rheuma, Gicht, Gallensteinen, Milzbeschwerden, Pickeln, Jucken und Ausschlägen. Dafür sollte es ausreichen, 3 Wochen lang täglich bis zu 10 frische Löwenzahn-Stengel zu essen. Wenn seit dem Mittelalter nahezu alle Kräuterkundigen, den Löwenzahn hoch schätzten, wie kann es dann sein, dass der Löwenzahn heute von den meisten Menschen mit Mißachtung gestraft oder von Gärtnern eifrigst bekämpft wird? Läßt nicht bereits seine allgemeine Verbreitung auf seine gesundheitliche Bedeutung für den Menschen schließen? Es scheint ein kosmisches Gesetz zu sein, dass das, was für das Wohl des Menschen notwendig ist, reichlich wächst und spärlich, was ihm entbehrlich. Nur leider scheint dem Menschen dieses Prinzip fremd, denn was reichlich wächst, ist ihm nichts wert.

Ein Gedicht von Heinz Erhardt stellt den Ruf des Löwenzahns als Unkraut liebevoll dar.

Aufgrund eines Schreibens der KSP Rechtsanwaltsgesellschaft, beauftragt durch den Lappan Verlag, in dem wegen des von mir verwendeten Zitats von Heinz Erhardt, Schadenersatzansprüche in Höhe von 522,20 EUR gegen mich geltend gemacht werden sollen, habe ich vorsorglich das Zitat entfernt. 

An dieses Gedicht muss ich denken, wenn ich sehe, wie mein Nachbar verzweifelt den Löwenzahn in seinem Garten bekämpft und nicht erkennen will, dass der Löwenzahn nicht sein Feind, sondern sein Helfer ist. Sein Helfer im Garten und in der Gesundheit. Sorgt doch der Löwenzahn für einen besseren Boden und fördert viele sogenannte Nutzpflanzen in ihrem Wuchs. Und nimmt er doch einmal überhand, kann man ihn gerade im Frühjahr für blutreinigende, vitaminreiche und belebende Gerichte verwenden. Löwenzahn sollte viel mehr als Frühlingsgemüse verwendet werden. Sowohl die Blätter als auch die Wurzel, die in Island traditionell gebraten wird.


Löwenzahn Botanik

Der Löwenzahn ist eine ausdauernde, bis zu 30 cm hohe Pflanze aus der Familie der Korbblütler mit pfahlwurzelähnlichen, milchenden, außen rötlichen, innen weißen Wurzelstock. Den in grundständiger Rosette stehenden, schrotsägezähnigen, tief gespaltenen Blättern, verdankt der Löwenzahn seinen Namen. Die von April bis Oktober erscheinenden Korbblüten sind groß und goldgelb. Sie schließen sich abends und bei schlechtem Wetter. Die Früchte sind hellbraun mit weißen Schirm.

Loewenzahn
Löwenzahn
Loewenzahn
Löwenzahn
Loewenzahn
Löwenzahn
Loewenzahn
Löwenzahn

Bezeichnungen

Der Löwenzahn wird wissenschaftlich als Taraxacum officinale bezeichnet. Der Ursprung für die Gattungsbezeichnung Taraxacum ist nicht eindeutig. Taraxacum könnte sich vom griechischen taraxis ableiten, taraxia ? Augenkrankheit. In Bezug auf die Verwendung des Löwenzahns, ist diese Herleitung durchaus plausibel. Taraxacum könnte jedoch auch vom arabischen Tharakhchakon stammen. Der Artname officinale weist den Löwenzahn als Heilpflanze aus, officina ? Apotheke.

Volkstümliche Bezeichnungen für den Löwenzahn gibt es viele. Nur wenige beziehen sich auf seine Wirkung. So nennt man den Löwenzahn auch Augenmilchkraut, Bettseicherkraut, Seichkraut oder Bettpisser. Letztere Bezeichnungen weisen auf die harntreibende Wirkung von Löwenzahn hin. Viele Namen beziehen sich auf das Aussehen des Löwenzahns. Mönchskopf, Pfaffenkraut, Pfaffenstielkraut oder Pfaffenröhrlein heißt der Löwenzahn, weil der Fruchtboden, sobald die Samen davon entfernt sind, Ähnlichkeit mit der Tonsur eines Geistlichen hat. Als Maiblume, Butterblume, Laternenblume bezeichnet man den Löwenzahn aufgrund seiner Blüten. Darüber hinaus nennt man den Löwenzahn auch Bährenzahnkraut, Kuhlattich, Kuhblume, Kettenblume, Milchdistelkraut, Marienblume, Pusteblume, Scheerkraut, Saublume, Milchgrasblume oder Maienzahn, um nur einige der vielen Namen zu nennen.

Indikationen

Traditionell verwendet man den Löwenzahn gern als Gemüse oder Saft. Die frischen jungen Löwenzahn-Blätter bilden die grundlage für einen, den Stoffwechsel anregenden, Frühlingssalat. Löwenzahn-Saft gilt als ausgezeichnetes Mittel zur Blutreinigung. In der Naturheilkunde verwendet man den Löwenzahn bei Leberbeschwerden wie Hepatitis, Leberschwellung und Gelbsucht, Entzündung der Gallenblase und der Gallengänge, Gallensteinen, Diabetes, Verdauungsbeschwerden, Flatulenz (Blähungen), Durchfall und Darmerschlaffung, Störungen des Kreislaufes, Arteriosklerose, Fettsucht, Rheuma, Gicht, Gastritis mit starker Schleimbildung (nach Kneipp), Hämorrhoiden, Hautunreinheiten, Pickel, Ausschläge, chronische Hauterkrankungen, Milzbeschwerden, entzündete Augen, Nierenleiden und Hydrops (aufgrund seiner entwässernden Wirkung), sowie Krampfadern.

Verwendung in der Homöopathie

In der Homöopathie verwendet man den Löwenzahn bei rheumatischen Affektionen der Muskeln und Nerven, Muskelzucken, Diabetes, Kopfschmerzen mit gastrischen Zuständen, Schwindel, Appetitmangel, Kropf, Bettnässen, Wechselfieber unruhiger Schlaf und typhösen Fieber. Die homöopathische Anwendung von Löwenzahn scheint insbesondere bei einer chronisch-entzündlichen Erkrankung der Zunge, bei der es zur Bildung landkartenartiger Veränderungen auf der Schleimhaut kommt, angezeigt zu sein (Lingua geographica).

Löwenzahn Anwendung und Wirkung

Verwendet werden alle Teile des Löwenzahns. Kosch empfiehlt die ganze Pflanze vor der Blüte zu sammeln und die Blütenstengel zu entfernen oder die Löwenzahn-Blätter von April bis August abzupflücken und die Löwenzahn-Wurzel im Frühjahr oder Herbst auszugraben. Maria Treben setzt auf die Milchsaftführenden hohlen Löwenzahn-Stengel. In der Volksheilkunde werden auch oft die gelben Blütenköpfe verwendet um beispielsweise eine Tinktur daraus zu erstellen.

Für Frühjahrskuren nutzt man die frischen Blätter, die vor der Blüte gesammelt werden (nach der Blüte enthalten sie mehr Bitterstoffe). Alternativ wird der aus den Blättern gepresste frische Saft verwendet oder ein Absud aus der Löwenzahnpflanze bereitet. Der Absud sollte immer frisch bereitet werden. Läßt man ihn stehen, verändert er sich geschmacklich nicht gerade zum Besseren. Eine Frühjahrskur sollte sich über einige Wochen hinziehen. Löwenzahnsaft wird traditionell nicht nur als Frühjahrskur verabreicht. Man verwendet ihn in der Naturheilkunde auch bei Verschleimung des Magens und der Leber, Verstopfung, chronischen Hautkrankheiten und den meisten unter Indikationen aufgelisteten Beschwerden. Bei chronischen Hautkrankheiten kann man Löwenzahn-Absud oder Löwenzahnsaft auch äußerlich auf die betroffenen Stellen auftragen.

Bei entzündeten Augen legte man Löwenzahn oder Löwenzahnwurzel 36 Stunden lang in lauwarmes Wasser ein (Mazeration). Anschließend filterte man das Löwenzahnwasser durch ein Tuch und wusch sich mit dem gefilterten lauwarmen Löwenzahnwasser mehrmals täglich die Augen.

In der Küche kann der Löwenzahn sehr vielseitig angewendet werden. Frei nach Paracelsus: Eure Lebensmittel sollen Heilmittel und Eure Heilmittel Lebensmittel sein. So kann man aus den frischen Löwenzahn-Blättern nicht nur einen vitaminreichen, belebenden, wenn auch bitteren Salat bereiten. Die Löwenzahn-Blätter bilden auch ein sehr gutes Gemüse. Die Spitzen abgeschnitten, können die Löwenzahn-Blätter wie Spinat zubereitet werden. Wem dieses gesunde Gemüse zu bitter ist, dem sei empfohlen, die Löwenzahnblätter zuvor in Salzwasser kurz zu kochen und über Nacht im klaren Wasser ziehen zu lassen. Vermischt man die Löwenzahn-Blätter mit Brennnesselblättern kann man daraus eine ausgezeichnete Kräutersuppe zubereiten oder Kräuterklöße. Für Kräuterklöße werden die Löwenzahnblätter in Wasser 6 Stunden ausgelaugt und gekocht. Anschließend mit Mehl, Eiern und etwas Honig vermischt und ein fester Teig daraus erstellt, aus dem die Löwenzahn-Klöße geformt werden. Zum Schluß kocht man die Löwenzahn-Klöße in Wasser.

Rezepte für die Verwendung von Löwenzahn in der Küche gibt es viele. Nur einige wenige sein hier noch aufgeführt. Der Kreativität sind dabei keine Grenzen gesetzt. Maria Treben liebte einen selbst erstellten Löwenzahnblütenhonig. Für diesen Löwenzahnblütenhonig vermischte sie fünf handvoll Löwenzahnblüten mit kalten Wasser, brachte sie zum kochen und liess sie 12 Stunden mazerieren. Anschließend filterte sie die Blütenköpfe heraus und gab 1 Kilo Rorhrohrzucker und eine halbe, klein geschnittene Zitrone mit Schale dazu. Auf kleiner Flamme dickte Maria Treben die Lösung zum Honig ein (Nicht kochen und Vorsicht, der Honig dickt noch nach. Nicht zu dickflüssig einkochen lassen).

Ein weiteres Rezept findet sich bei Storl. Er listet das Rezept für einen Löwenzahnwein auf. Dazu nimmt er einen Eimer kochendes Wasser und mischt ihn mit einem Eimer Löwenzahn-Blüten. Anschließend läßt er den Absud 3 Tage mazerieren, bevor er die Flüssigkeit abseiht und mit 1,5 Kilo Zucker, einer Ingwerzehe, der Schale einer Orange und einer Zitrone vermischt und 30 Minuten kochen läßt. Nach dem Abkühlen auf Körpertemperatur fügt er eine mit Hefe beschmierte Brotschnitte hinzu und läßt die Flüssigkeit 2 Tage gären bevor er den Behälter fest verschließt. Nach zwei Monaten wird der goldgelbe Wein in Flaschen abgefüllt. Nach sieben Jahren soll er seine volle Güte erreicht haben und an Sherry erinnern.

Aus den Löwenzahnwurzeln lässt sich ein gesunder und nach Bohnenkaffee schmeckender Kaffeeersatz bereiten. Dazu werden die gesammelten Löwenzahnwurzeln gereinigt und getrocknet. Anschließend können sie im Backofen angeröstet werden. Zum Schluß mahlt man ein feines Pulver daraus, das wie Kaffee verwendet werden kann. George Cairns behauptete im Nexus Magazin durch diesen Löwenzahnkaffee Krebs heilen zu können, insofern man sich genauestens an seine Anleitung der Zubereitung hält. Seine Anleitung findet sich unter Löwenzahnkaffee auf ololiuqui.org.

Zum Schluß des Ausflugs zu den kulinarischen Verwendungsmöglichkeiten des Löwenzahns möchte ich noch die oft vernachlässigten Blütenknospen ansprechen. Sie sind vielseitig verwendbar. Um ungewollten Fleischzusatz zu vermeiden empfiehlt es sich, die Blütenknospen vor der Verwendung eine halbe Stunde in Salzwasser einzulegen. Danach kann man die Löwenzahn-Blütenknospen als Gemüse verwenden, in Rührei untermischen und mitbraten, fritieren oder einfach nur überbacken. Auch hier kann man seiner Kreativität freien Raum lassen.

Abschließend jedoch zurück zur Verwendung von Löwenzahn als reines Heilmittel. Sehr bewährt hat sich in der Naturheilkunde ein Löwenzahntee. Oertel bezeichnet Löwenzahntee geradezu als Allheilmittel, der säubernd und entgiftend wirkt.

Löwenzahntee

Löwenzahntee kann sowohl aus der oberen Pflanze als auch aus der Löwenzahnwurzel bereitet werden. Es empfiehlt sich ein Kaltauszug. 1 Teelöffel Löwenzahn auf 200 ml lauwarmes Wasser, 8 Stunden mazerieren lassen. Löwenzahntee ist bei nahezu allen unter Indikationen aufgeführten Beschwerden hilfreich (morgens und abends 1 Tasse). Wobei Löwenzahntee aus der Wurzel in der Naturheilkunde bevorzugt bei Unterleibsbeschwerden verabreicht wird.

Bei Verstopfung wird  traditionell ein Tee aus Löwenzahn (Kraut) und Dornschleh, Faulbaum und oder Tausengüldenkraut.

Zur Blutreinigung mischt man Löwenzahn traditionell im Verhältnis 4:1:1 mit Schafgarbe und Gundelrebe.

Löwenzahnsirup

Für einen Löwenzahnsirup nimmt man 1,5 Liter Löwenzahnsaft, den man aus der ganzen Pflanze presst und mischt ihn mit einem Kilo Rohrohrzucker. Die Mischung dickt man unter kleiner Flamme zu einem Sirup ein.

Löwenzahnextrakt

siehe ? Löwenzahnextrakt.

Löwenzahntinktur

Für eine Löwenzahntinktur nimmt man entweder die Löwenzahnwurzel oder das Löwenzahnkraut, füllt es klein geschnitten in eine Flasche und vermischt den Löwenzahn mit Alkohol. Die Mischung läßt man 3 Wochen in der Sonne stehen, bevor man abseiht und die Tinktur in einer dunklen Flasche aufbewahrt.

Rezepte nach Madaus 1938

Löwenzahn bei Hepatopathien und zur Blutreinigung:

Rp.:
Hb. c. rad. Taraxaci conc. . . . 30 (= Kraut und Wurzel des Löwenzahns)
D.s. 2 Teelöffel voll mit 2 Glas Wasser kalt ansetzen, 8 Stunden ziehen lassen und tagsüber trinken.
(Teezubereitung: Der aus der ganzen Pflanze einschließlich der Wurzel heiß hergestellte Tee ergab einen Extraktgehalt von 2,32% bei einem Ansatz 1 : 10 mit einem Glührückstand von 0,90%. Bei kalter Herstellung ergibt sich ein Extraktgehalt von 2,91% mit einem Glührückstand von 0,78%. Die Peroxydasereaktion war bei beiden Ansätzen sofort stark positiv. Geschmacklich ist der kalt bereitete Tee stärker als der heiß bereitete Tee. Ein Ansatz 1 : 50 ist durchaus trinkbar.
1 Teelöffel voll wiegt 2 g, so daß der Ansatz des Tees zweckmäßig mit 1 Teelöffel voll auf 1 Teeglas kalt erfolgt.).

Löwenzahn bei hartnäckiger von der Leber ausgehender Obstipation:

Species cholagogae (F. M. B.):

Rp.:
Fol. Menthae piperitae (= Pfefferminzblätter)
Hb. Absinthii (= Wermutkraut)
Hb. Millefolii (= Schafgarbenkraut)
Rad. Taraxaci (= Löwenzahnwurzel)
Rhiz. Zedoariae . . . aa ad 100 (= Zitwerwurzel)
M.d.s.: Einen Eßlöffel voll auf 1 Tasse Tee.

Löwenzahn bei Cholagogum (nach Leclerc):

Rp.:
Tinct. Taraxaci . . . 100
M.d.s.: 1-2 Teelöffel voll mit Zucker zu nehmen.

Löwenzahn zur Anregung der Leberfunktionen (nach Mühlschlegel):

Rp.:
Rad. Taraxaci c. herba . . . 50 (= Löwenzahnwurzel mit Kraut)
Hb. Fumariae (= Erdrauchkraut)
Hb. Centaurii . . . aa 25 (= Tausendgüldenkraut)
C.m.f. species.
D.s.: 2 Teelöffel voll auf 2 Glas Wasser.

Oder (nach Fischer):

Rp.:
Rad. Taraxaci c. herba (= Löwenzahnwurzel mit Kraut)
Hb. Fumariae (= Erdrauchkraut)
Hb. Millefolii (= Schafgarbenkraut)
Cort. Frangulae . . . aa 25 (= Faulbaumrinde)
D.s.: 2 Teelöffel voll auf 2 Glas Wasser.

Löwenzahn zur Blutreinigung (nach Westen):

Rp.:
Rad. Taraxaci . . . 20 (= Löwenzahnwurzel)
Rad. Cichorii int. (= Wegwartenwurzel)
Rad. Agropyri (= Queckenwurzel)
Fruct. Foeniculi . . . aa 5 (= Fenchelsamen)
C.c.m.f. species.
D.s.: 3 Teelöffel voll auf 2 Glas Wasser

Löwenzahn in der evidenzbasierten Medizin

In der evidenzbasierten Medizin gesteht man dem Löwenzahn, aufgrund der in ihm enthaltenen Bitterstoffe, sekretionsfördernde Eigenschaften zu. Nachgewiesen hat man auch eine harntreibende Wirkung, für die der hohe Kaliumanteil im Löwenzahn verantwortlich gemacht wird.

Gegenanzeigen und Nebenwirkungen

Bei massvoller Verwendung sind keine Nebenwirkungen bekannt. Leichte Vergiftungserscheinungen wie Bauchschmerzen und Durchfall ist bei Kindern beobachtet wurden, welche den Milchsaft der Löwenzahn-Stengel in größeren Mengen aussogen.

Anbieter und Preis

Löwenzahn ist eine der Heilpflanzen, die man immer in der Nähe des Menschen findet, als wollte er sich mitteilen und die Menschen darauf aufmerksam machen, wie dringend sie ihn doch brauchen. Ich sehe also keinen Grund, weshalb man Löwenzahn im Kräuterhandel kaufen sollte. Wem es lieber ist, der findet natütlich im Kräuterhandel ein breites Angebot. Selbst bereits geröstete Löwenzahnwurzel wird zum Kauf angeboten. 100g dieser bereits gerösteten Löwenzahnwurzel erhält man zu einem durchschnittlichen Preis von 9 Euro. 100g Löwenzahnkraut oder Löwenzahnwurzel kann man für durchschnittlich 3 Euro kaufen. 100ml Löwenzahnkrauttinktur und Löwenzahnwurzeltinktur erhält man zum durchschnittlichen Preis von 6 Euro. 100g Löwenzahnblüten kann man für einen durchschnittlichen Preis von 4 Euro kaufen.

Inhaltsstoffe

Sesquiterpenlacton-Bitterstoffe wie Taraxin, Eudesmanolide und Germacranolide, Triterpene wie das Taraxasterol und Homotaraxasterol, Flavonoide, Cumarine, Phenolcarbonsäuren, Phytosterole,  Inulin (in der Wurzel bis zu 40%), Kalium, Vitamin D, A und C, Zucker, Schleim, Kautschuk, Fett,  Wachs, Androsterol, Homoandroserol,  Linolsäure.

Der Löwenzahn, eine altbekannte Heilpflanze neu entdeckt

An dieser Stelle möchte ich Ihnen ein Buch von Magdalena Schäcker ans Herz legen, das ausschliesslich dem Löwenzahn gewidmet ist. Selten findet man Bücher, die sich mit einer Pflanze so umfangreich auseinandersetzen. Mir fallen da nur die 1939 im Hippokrates-Verlag veröffentlichten Arzneipflanzen in Einzeldarstellung ein, von denen das Schöllkraut seinen Weg in meine Bibliothek gefunden hat. Besonders schön finde ich die Art und Weise, wie sich Magdalena Schäcker dieser Pflanze nährt, indem sie sie nicht nur aus der evidenzbasierten Sicht beleuchtet, sondern sie als ganzheitliches Wesen vorstellt.

Nachfolgend lasse ich Magdalena Schäcker selbst zu Wort kommen und empfehle Ihnen dieses schöne Buch.

Der Löwenzahn

Wissen Sie um die zahlreichen Wirkungen dieses beliebten »Unkrauts« auf Mensch, Tier und Pflanze? Mit seinem geheimnisvollen Fortpflanzungsverhalten und ausgeprägtem Familiensinn hat der Löwenzahn beinahe alle gemäßigten Klimazonen erobert. Damit steht diese Heilpflanze mit ihren außergewöhnlichen Eigenschaften allen Interessierten und Suchenden zur Verfügung.

Um die Wirkung dieser Pflanze tatsächlich zu verstehen, ist es nützlich, sich gleichermaßen mit ihrer Botanik, ihren Inhaltsstoffen, Zubereitungsformen und Anwendungsbereichen sowie auch mit ihrem Pflanzenwesen zu beschäftigen.
Immer wieder wird bekannt, dass sich im eigenen Garten genau die Heilkräuter ansiedeln, derer der Mensch bedarf: Pflanzen und Menschen sind Kollektivwesen, die einem gemeinsamen Bauplan folgen. Dies erklärt, dass gerade der Löwenzahn in seiner Ursprünglichkeit als wildwachsende Pflanze auf natürliche Weise mit dem Energiefluss seiner Umgebung verbunden ist.

Untersuchungen zeigen, dass der Löwenzahn in seinem Nährstoffgehalt jedem Kulturgemüse weit überlegen ist. Zahlreiche Studien bestätigen die kulturübergreifenden ähnlichen medizinischen Anwendungen.

Wer sich in einer spannenden Entdeckungsreise tatsächlich auf die Begegnung mit dem Pflanzenwesen dieser Heilpflanze einlässt, kann weit über die medizinischen Heilwirkungen hinausgehende Erkenntnisse gewinnen.

Magdalena Schäcker

Hier geht es zum Buch: von Magdalena Schäcker

Eine altbekannte Heilpflanze neu entdeckt

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