Bärwurz


Die Bärwurz ist eine sehr alte Heilpflanze, die heute in Vergessenheit geraten ist. In den meisten Kräuterbüchern dieses Jahrhunderts sucht man die Bärwurz vergebens. Dabei wurde die Wurzel der Bärwurz bereits von Galenus und Dioskurides geschätzt und gegen Harnverhalten, Magenbeschwerden, Gelenkleiden, hysterische Zustände und Brustrheumatismus empfohlen.

Wen wundert es da, dass die Bärwurz in allen wichtigen Kräuterbüchern des Mittelalters und der Renaissance aufgeführt wird. Von Matthiolus liest man, dass die Bärwurz, die seiner Zeit in den Apotheken unter der Bezeichnung Meum vertrieben wird, nicht das wahre, durch Dioskurides beschriebene Meo sei. Bezüglich der Wirkung und Anwendung stellt die Darstellung von Matthiolus eine Übersetzung von Dioskurides dar.

Hieronymus Bock schreibt 1539 in seinem Kräuterbuch über die Bärwurz:

Die Bärwurz ist fürtrefflich gut wider die gifft, eröffnet Nieren und Blasen, dempffet die Bläst, und stillet derhalben das Magen, Leib und Mutterweh, so von Winden entsprungen. Samen und Wurzel in Wein gesotten und getruncken, ist ein bewehrte Arzney für allerhand Gifft, deß Schirlings, deß Bülsen, Opij und anderer kalter schädlicher gewächsen. Gemelter tranck, oder die Samen, oder Wurzel gepulvert und eingenommen, stillet das Bauchweh, die Beermutter, das Grimmen augenscheinlich, zertheilet und führet auß die kalten und zähen schleim der Lungen, und der Därm, thut auff die verstopffte Leber und Milz, erwärmet den kalten Magen. Ein tranck mit Bärwurzwurzel, Feigen und Fenchel gemacht, alles in Wein gesotten, ist ein bewerte kunst für den kalten langwerenden husten, für das Keichen, für das Därmgegicht, treibet auß also genützet, die zähe feuchtigkeit, darvon die Wassersucht kommet. Wurzel und Samen ist ein Diureticum, nutzlich zu brauchen für den Schleim und Lendenstein, bewegt Menses, sonderlich nutz und gut den kalten Weibern, welchen der weißfluß zu leidt thut.


Hieronymus Bocks Schüler, Jacobus Theodorus, der sich selber Tabernaemontanus nannte, schrieb 1588 ebenfalls über die Bärwurz und stellt deren Kraft gegen Gift heraus indem er anführt, dass sie ein Bestandteil des Theriacks ist. Worauf im Übrigen auch schon Matthiolus verwies. Sowohl Galenus als auch Dioskurides schrieben über die Bärwurzwurzel, dass sie Kopfschmerzen bereitet, wenn man zu viel davon zu sich nimmt. Eine Aussage, die auch von den Ärzten und Botanikern des Mittelalters mehrheitlich geteilt wurde.

Bereits im 19. Jahrhundert wird die Bärwurz kaum noch als Heilpflanze genutzt, wenn man von der Verwendung in der Tierheilkunde absieht. Ihre Verwendung als aromatische Gewürzpflanze trat in den Vordergrund. In Bayern dient sie noch heute als Grundstoff zur Herstellung vom Bärwurz, einem magenstärkenden und verdauungsfördernden Likör.

Ich nutze diese vortreffliche Heilpflanze als Gewürz und fertige jedes Jahr ein Kräutersalz. Denn im Gegensatz zum Dill behält die Bärwurz ihr Aroma auch im getrockneten Zustand.

Botanik

Die Bärwurz ist eine ausdauernde, bis zu 30 cm hohe, aromatische Gebirgspflanze, aus der Familie der Doldenblütler. Der dunkelbraune, spindelige Wurzelstock ist oben schopfförmig. Aus dem Wurzelstock entspringt ein grundwärts hohler, an der Basis von alten Blattresten umgebener, gestreift-kantiger Stengel mit schönen, grünen, doppelt-fiederteiligen, weichen Blättern. Die Fiederchen der Bärwurz sind im Umriß rundlich und in viele spitze, haarfeine Zipfel geteilt. Die feine Blüte steht in Form einer Dolde. Die Blumenblätter sind weiß bis gelblich-weiß. Die Bärwurzelfrucht ist länglich walzig und stark gerippt.


Baerwurzbluete
Bärwurzblüte
Baerwurz
Bärwurz
Baerwurz

Bärwurz Bezeichnungen

Der Ursprung des Namens Bärwurz ist nicht eindeutig geklärt. Hieronymus Bock vermutet, dass der oberste, einem Haarschopf nicht unähnliche, Teil der Bärwurzwurzel dem Bärenfell gleicht und sich der Name dahingehend herleiten liesse. Eine Erklärung die plausibel erscheint, von der aber nicht einmal Bock hinlänglich überzeugt ist, so dass er eine weitere Möglichkeit in Betracht zieht. Danach könnte sich der Name Bärwurz von der Verwendung der Bärwurzwurzel als schmerzstillendes Mittel für Gebärende ableiten. Wofür auch der gelegentlich zu findende Name Mutterwurz sprechen würde. Übrigens eine Annahme, die auch Matthiolus propagiert, der sie als Bärdillen aufführt. Wissenschaftlich wird die Pflanze als Meum athamanticum bezeichnet.

Weitere volkstümliche Bezeichnungen sind Bärenfenchel, Beerwurz, Herzwurzel, Bärendill, Meum, oder Mutterdill. Dioskurides bezeichnete sie als Meon.

Indikationen

In der Volksheilkunde wird die Bärwurzwurzel bei Menostase, Hysterie, Asthma, Blasenleiden, Nierenleiden, Gelenkrheumatismus, Harnverhalten, Bauchschmerzen, Ödemen, Husten und zur Blutreinigung verwendet. Darüber hinaus nutzt man die Bärwurzblätter mit ihrem feinen Geschmack in der Küche als aromatisches Gewürz und als Dillersatz. Wobei ich persönlich keine geschmackliche Verbindung zum Dill herzustellen vermag. Vielmehr schmecken die Blätter der Bärwurz wie eine Mischung aus Fenchel und Liebstöckel. Äußerlich dient die Bärwurz zur Behandlung von Geschwüren und Wunden.


Bärwurz Anwendung und Wirkung

Verwendung in der Volksheilkunde findet fast ausnahmslos die Bärwurzwurzel, die im Herbst ausgegraben, gesäubert und getrocknet wird. Sie wird in Wasser oder Wein gekocht oder zu Pulver vermahlen eingenommen. Bei Bauch- und Leibschmerzen wird aus der gepulverten Bärwurzwurzel und Honig ein Mus gekocht, Mischverhältnis 1:3. Von diesem Mus nahm man bei Beschwerden einen Teelöffel voll. Aus Sicht der Ayurveda, kann das Aufkochen von Honig nicht empfohlen werden, so dass es besser wäre, den Honig durch Rohrohrzucker und etwas Wasser zu ersetzen.


Äußerlich beschreibt Hieronymus Bock eine Rezeptur für eine, wie er meint, vortreffliche Wundsalbe. Das Rezept findet man ebenfalls bei Tabernaemontanus wieder:

Nimb Bärwurz mit den Blettern ehe die zum Stengel wächst, die noch grün ist sechszehen Loth, Sanickel acht loth, Leinölen sechszehen Untz, Lorölen acht Untz, schneid unnd stoss die Beerwurtz mit dem Kraut unnd Sanickel klein, vermisch die genandten Oele darunder, lass darnach sittiglich mit einander sieden biss dass der Safft in den Kreutern und Wurtzeln sich verzehret/ als dann seihe es durch: darinn zerlasse dann acht Loth Terpentin, unnd ein Loth dess GUMMI GALBANI in Wein zerlassen: Folgends vermisch darunder Mastix unnd Myrrhen zu einem reinen subtilen Pulver gestossen, so hastu einen köstlichen Balsam/ der alle frische Wunden heylet. Wann du aber diesen Balsam zu alten Schäden gebrauchen wilt/ die faul Fleisch haben, so thue zu dieser gemeldten Composition Spangrün ein Loth, Vitrill ein halb Loth, alles zu einem subtilen und reinen Pulver gemacht.

Wobei ein Loth ca. 17g entspricht.

Bärwurz in der Schulmedizin

In der Schulmedizin spielt die Bärwurz keine Rolle.

Gegenanzeigen und Nebenwirkungen

Bei massvoller Verwendung sind keine Nebenwirkungen für die Bärwurz bekannt. Nach Überlieferung älterer Schriften, sollen größere Mengen der Bärwurzwurzel zu Kopfschmerzen führen.

Anbieter und Preis

Bärwurz-wurzel bietet der Kräuterhandel zum Kauf an. 100g Bärwurzwurzel kosten im Durchschnitt 35 Euro.


Inhaltsstoffe

Ätherisches Öl (0,7%), Phenylacrylsäuren, Phthalide.