Weide


Die Weide gehört zu einer der älteren Arzneipflanzen. Dioskurides, ein griechischer Arzt und Pharmakologe aus dem 1. Jahrhundert, rühmte bereits die adstringirende Kraft der Weide. Er empfahl die Weide bei Blutspeien, Ohrenleiden, Kleingrind, Podagra, Hautverhärtungen und Schwielen. Für letztere Beschwerden empfahl Dioskurides eine äußerliche Auflage aus gebrannter Weidenrinde und Essig.

Den Weidensaft beschrieb er als ausgezeichnetes Mittel, das die Kraft hat, das zu vertreiben, was die Pupille verdunkelt. Was Dioskurides damit meinte, kann ich nur vermuten, denn eine Pupille kann sich nicht verdunkeln. Es ist stark anzunehmen, dass Dioskurides die Verhärtung der Augenlinse im Alter meinte. Madaus interpretiert die Aussage von Dioskurides so, dass Weidensaft eine Arznei gegen Augenleiden sei.

Da die Weide bereits von Dioskurides und Galenus beschrieben wurde, verwundert es nicht, dass auch die Ärzte und Pharmakologen des Mittelalters und der Renaissance, die sich ja bekanntermaßen oft auf die Werke der alten Griechen stützten, sie in ihren Schriften zumindest erwähnten. So empfahl Lonicerus 1564 die Weidenrinde als Adstringens und blutstillendes Mittel, dessen Absud hilfreich bei Podagra sei. Eine Anwendung, die bereits Dioskurides beschrieb. Matthiolus widmete der Weide in seinem New-Kreuterbuch von 1626 einen eigenen Abschnitt und empfahl sie äußerlich gegen Warzen, Hühneraugen, Schwielen, Hautverhärtungen, Ohrenschmerzen und als Kosmetikum.

1763 beschrieb Stone im 53. Band der Philosophical Transaction die Weidenrinde als ausgezeichnetes Mittel gegen intermittierende Fieber und empfahl die Weide als Ersatz für die bis dahin gebräuchliche Chinarinde. Stone war die Ähnlichkeit des adstringierenden, bitteren Geschmacks aufgefallen, der sich nach seiner Ansicht auch in einer ähnlichen Wirkung manifestieren sollte. Er heilte, nach Dr. Buchner, ausschließlich durch Weidenrinde mehrere Fieberkranke. Stones Beispiel folgten Ärzte wie Clossius, Günz oder Professor Erhart der Weidenrinde statt Chinarinde in der Armenklinik Erfurt verordnete. Madaus konnte in späteren Tierversuchen keine fiebersenkende Wirkung der Weidenrinde feststellen.


Weide Botanik

Der Name Weide umfasst eine Gattung, der viele Weidenarten angehören. Weiden sind in ihrer Form sehr mannigfaltig. Zu den Weiden gehören große Bäume, aber auch Sträucher. Trotz der vielen verschiedenen Weidenarten ist die Salweide die Weide schlechthin. Worauf nicht zuletzt der Name Sal hinweist, der sich von der Gattungsbezeichnung Salix ableitet. Welcher Weide aus Sicht der Volksheilkunde der Vorzug zu geben ist, kann aus den überlieferten Schriften nicht eindeutig geklärt werden. Einige empfehlen die Silberweide, Salix alba, andere die Bruchweide, Salix fragilis, oder die Lorbeerweide, Salix pentandra, wieder andere die Purpurweide, Salix purpura, die Salweide, Salix caprea, oder die Korbweide, Salix viminalis. Nicht selten liest man, dass die Weidenart nicht von Belang wäre, obwohl sie sich bereits schon am bitteren Geschmack unterscheiden und der Wirkstoffgehalt sicher verschieden ist. In neueren Werken wird die Reifweide, Salix daphnoides, empfohlen und von der Silberweide abgeraten. Letztere weist mit bis zu 1% eine geringere Konzentration des als Hauptwirkstoff proklamierten Salicins auf.


Allen Weiden ist gemein, dass ihre Äste meist schlank, biegsam und rutenförmig sind. Die Rinde der verschiedenen Weiden ist verschiedenfarbig. Die Blätter sind meist kurzgestielt, eirund bis schmal lanzettlich und ungeteilt. Die Blüten zeigen sich in Form von Kätzchen. Die Frucht ist eine zweiklappige, vielsamige Kapsel. Blütezeit ist meist März, April, Mai.

Weide Salweide
Salweide
Salweide
Salweide

Weide Bezeichnungen

Nach Madaus stammt der Name Weide vom althochdeutschen Wida, das einer Übersetzung aus dem Griechischen entspricht. Wissenschaftlich wird unter dem Begriff Weide eine Gattung mit der Bezeichnung Salix verstanden, zu der in Deutschland 25 Arten und unzählige Bastards zählen. Bekannte Arten sind die Bruchweide, deren Name auf die leicht brechenden Zweige dieser Weide hinweist. Die Bruchweide bastadiert oft mit der Silber-Weide, deren Zweige sich gut biegen lassen und gerne zum flechten von Körben genommen werden. Obwohl zum flechten meist die Korb-Weide bevorzugt wird, deren Zweige extremst flexibel sind.

Sehr häufig ist die Grauweide anzutreffen. Man erkennt sie an den jungen, graufilzigen Zweigen, denen sie auch ihren Namen verdankt. Als Weide schlechthin wird die Salweide angesehen. Sehr auffällig ist die Purpurweide, deren junge Zweige und Kätzchen purpur-farben sind. Daneben gibt es Weiden, von denen man nicht vermuten würde, dass sie zur Gattung der Weiden gehören, wie beispielsweise die in Nordeuropa vorkommende Netzweide, bei der es sich um einen Zwergstrauch handelt oder die Kriechweide, die man auch eher als Zwergstrauch denn als Strauch bezeichnen kann.

Weide Indikationen

Die Weide wurde in der Volksheilkunde bei inneren Blutungen, Rheuma, Bluthusten, Magenkatarrh, Darmkatarrh, Fieber, Nervenleiden, Steinleiden, Griessleiden, Prostatabeschwerden, Blasenkatarrh, Erkrankung der Lunge, Erbrechen, Gicht, Kopfschmerzen, Neuralgien, Dyspepsie, Magen- und Darmverschleimung, Gehörstörung, Würmern, Pollution, Ovarialneuralgien und sexueller Übererregung bei Gonorrhö eingesetzt. Äußerlich verwendete man die Weide bei Wunden, Geschwüren, Ausschlägen sowie zum Gurgeln bei Mandel- und Zahnfleischentzündung und als Badezusatz.

Verwendung in der Homöopathie

In der Homöopathie verwendet man die Weide bei nervösen Beschwerden, Spermatorrhö, Impotenz und schmerzhafter Erektion.

Weide Anwendung und Wirkung

Verwendet wird bevorzugt die Weidenrinde der Bruchweide, Reifweide oder Purpurweide, die man von 2-4-jährigen Zweigen im Frühjahr oder Herbst abzieht. Meist wird die Rinde der Weide in der Volksheilkunde als Kaltwasserauszug verwendet. Dazu werden eins bis zwei Teelöffel Weidenrinde mit 200ml Wasser 8 Stunden mazeriert. Kosch empfiehlt alternativ eins bis zwei Gramm getrocknetes und gemahlenes Weidenrindenpulver dreimal täglich einzunehmen. Mittelalterliche Überlieferungen empfehlen eine Abkochung der Weidenrinde oder eine Nutzung der Weidenblätter, 5-10 g auf 200ml Wasser bei den unter Indikationen aufgeführten Beschwerden. In späteren Werken wird meist nur noch die Weidenrinde zum Gebrauch empfohlen. Ich verwende innerlich die Weidenrinde als Kaltwasserauszug. Für äußerliche Anwendungen bereite ich einen Dekokt aus der Weidenrinde.

Bereits durch Dioskurides ist die Verwendung von Weidensaft überliefert. Er empfiehlt den Weidensaft zur Blütezeit der Weide durch Einschneiden der Weidenrinde zu gewinnen. Weidensaft erwärmt und mit Rosenöl vermischt, empfahl Dioskurides bei Ohrenleiden. Madaus interpretiert die Schriften von Dioskurides dahingehend, dass Weidensaft gegen Augenleiden hilfreich sei.


Junge Weidenzweige wurden früher, aufgrund der entzündungshemmenden Eigenschaften, zur Reinigung der Zähne verwendet.


Rezepte nach Madaus 1938

Weidenrinde als Antifebrinum und Antirheumatikum:

Rp.:
Cort. Salicis conc. . . . 50 (= Weidenrinde)
D.s.: 1 Teelöffel mit 2 Glas Wasser kalt ansetzen, 8 Stunden ziehen lassen und tagsüber trinken

(Teezubereitung: Zwischen dem heiß und dem kalt im Verhältnis 1 : 10 angesetzten Tee besteht kein Unterschied. Der Extraktgehalt beträgt 1,12% in beiden Fällen, der Glührückstand 9% davon. Die Peroxydasereaktion war nur bei kalter Zubereitung und auch nur schwach positiv. Der heiß bereitete Tee schmeckt eine Kleinigkeit stärker. Ein im Verhältnis 1 : 50 hergestellter Tee ist noch trinkbar. Die Herstellung erfolgt zweckmäßig mit 1/2 Teelöffel voll (= ca. 1,8 g) auf 1 Teeglas voll Wasser kalt.).

Weidenrinde bei offenen, brandigen Ulzera:

Rp.:
Cort. Salicis
Carb. Fagi
Carb. Tiliae . . . aa 10
M.f. pulv.
D.s.: Zum Aufstreuen.

Weidenrinde bei fieberhaften Erkrankungen:

Rp.:
Cinnamomi ceylan. (= Ceylon-Zimt)
Cort. Chinae . . . aa 10 (= Chinarinde)
Fol. Menyanth. trifol. (= Fieberkleeblätter)
Rad. Gentianae (= Enzianwurzel)
Illicii veri (= Sternanis)
Cort. Salicis . . . aa 20 (= Weidenrinde)
C.m.f. species.
D.s.: 2 Teelöffel auf 2 Glas Wasser.

Weidenrinde bei Rheumatismus und Gicht (nach Kroeber):

Rp.:
Fol. Sennae . . . 10 (= Sennesblätter)
Fol. Betulae . . . 40 (= Birkenblätter)
Cort. Salicis . . . 50 (= Weidenrinde)
C.m.f. species.
D.s.: Täglich 1-3 Tassen als warmes Dekokt.
Zubereitungsvorschlag des Verfassers: 1 1/2 Teelöffel auf 2 Glas Wasser.

Weide in der evidenzbasierten Medizin

In der Schulmedizin billigt man der Weidenrinde eine fiebersenkende, entzündungshemmende und schmerzstillende Wirkung zu und verwendet sie bei chronischen Schmerzen. Grund für die Verwendung ist das in der Weidenrinde gefundene Glykosid Salicin, das erst nach der Passage des Magens in der Leber zu Salicylsäure umgewandelt wird. Salicin wird durch Enzyme und Säuren in Saligenin und Traubenzucker gespalten. In der Leber oxidiert Saligenin schließlich zu Salicylsäure. Das Salicin der Weidenrinde ist länger wirksam als synthetisch hergestellte Acetylsalicylsäure und vor allem weist es nicht deren oft beträchtlichen Nebenwirkungen auf. Salicylsäure wirkt analgetisch und darüber hinaus fiebersenkend durch Beeinflussung des Wärmezentrums, insbesondere bei Gelenkrheumatismus. Für die schmerzstillende Wirkung wird nicht allein das Salicyl verantwortlich gemacht. Vermutet werden Flavonoide, welche die Wirkung des Salicyls verstärken. Aus Sicht der evidenzbasierten Medizin ist Weide nicht bei akuten, heftigen Schmerzen geeignet.

Weide Gegenanzeigen und Nebenwirkungen

Bei massvoller Verwendung sind keine Nebenwirkungen für die Weide bekannt.

Anbieter und Preis

Im Kräuterhandel werden überwiegend Blätter und Rinde der Silber-Weide und der Schwarzweide zum Kauf angeboten. Der Preis für 100g Weidenrinde der Silber-Weide oder Blätter der Silber-Weide liegt bei durchschnittlich 3 Euro. 100g Weidenrinde der Schwarz-Weide sind fast vier mal so teuer. 100ml Tinktur der Silber-Weide kosten durchschnittlich 6,50 Euro. Eine Tinktur der Schwarz-Weide ist nicht wesentlich teurer. 100ml Weiden-Extrakt kosten ca. 13 Euro. 


Inhaltsstoffe

Salicin, Flavonglykoside, Gerbstoffe, Wachs, Gummi, Harz, Oxalate, Salicase. In den Weidenblättern Gerbsäure, Gallussäure, Catechin, Zucker. Die Puppur-Weide enthält in der Rinde bis zu 7,5% Salicin.