Mädesüß


Das Mädesüß als Heilpflanze war bereits den alten Griechen bekannt. Theophrast von Eresos, griechischer Philosoph und Naturforscher und Schüler des Aristoteles, erwähnte das Mädesüß als Heilpflanze bereits unter der Bezeichnung Spiraea. Aus dem 16. Jahrhundert ist die Verwendung von Mädesüß als Heilpflanze durch Lonicerus und Hieronymus Bock überliefert.

Beide nutzen den im Mittelalter gebräuchlichen Namen Geißbart und gehen auf die Verwendung der Wurzel als gallereinigendes und die Rote Ruhr heilendes Mittel ein. Äußerlich sollen die Blätter von Mädesüß hilfreich bei Geschwüren sein und blasenziehend wirken. Petro Nylando hebt schließlich 1678 in seinem Kräuterbuch die zusammenziehende, herzstärkende, harntreibende, krampflösende und schweißtreibende Kraft hervor. Er empfiehlt Mädesüß insbesondere zur Behandlung von hitzigen Fieber, zur Blutreinigung aber auch als blutstillendes Mittel.

Botanik

Auf Mädesüß wurde ich erstmals durch meine Großmutter aufmerksam gemacht. Ich litt an krampfartigen Beinschmerzen und Fieber. Meine Großmutter ging in ihren Garten und kam mit den Blättern des Mädesüß zurück. Sie bereitete mir einen Tee aus den Mädesüßblättern und gab ihn mir zu trinken. Mädesüßtee schmeckte wie Medizin und ich würgte ihn förmlich herunter. Es beeindruckte mich jedoch, wie schnell mir dieser Mädesüßtee Linderung verschaffte. Ich war mir sicher, dass ich diese starke Heilpflanze immer in meiner Nähe haben möchte und bis heute begleitet mich diese alte Heilpflanze.

Wissenschaftlich bezeichnet man Mädesüß als Filipendula ulmaria. Der Artname ulmaria soll auf die Ähnlichkeit der Blätter mit den Blättern der Ulme zurückzuführen sein. Mir erscheint diese Herleitung gewagt, denn nur mit größter Mühe kann ich eine Ähnlichkeit der Blätter dieser Staude mit denen der Ulme herleiten. Die Blätter des Mädesüß sind groß, wechselständig, unterbrochen gefiedert, lang gestielt und bestehen aus 5 bis 9 ovalen Segmenten mit scharf gesägten Rändern. Sie sitzen an aufrechten, kantigen und nur wenig verzweigenden Stengeln. Die Blüten sind zwittrig mit gleichblättrigen Kelch und fünf weißen Blumenblättern. Sie bilden eine Dolde. Die Samen sind spiralig zusammengewundene Schließfrüchte. Mädesüß ist eine ausdauernde, bis zu 2 Meter hohe Staude, die feuchte Wiesen als Standort bevorzugt.

Maedesuess
Mädesüß

Maedesuess
Mädesüß

Bezeichnungen für das Mädesüß

Wissenschaftlich wird das zur Familie der Rosengewächse gehörende Mädesüß als Filipendula ulmaria bezeichnet. Synonyme sind Ulmaria pentapetala und Spiraea ulmaria. Volkstümliche Namen gibt es viele. Bis in die Renaissance hinein wurde es meist als Geißbart oder Bocksbart bezeichnet. Namen, die auf die Ähnlichkeit der Mädesüß-Dolden mit einem Geißbart zurückzuführen sind. Darüber hinaus findet man Mädesüß unter den Bezeichnungen Bienenkraut, Sankt Johanniswedel, Krampfkraut, Wiesengeißbart, Spierstaude, Rüsterstaude, Sumpf-Spierstaude und Wiesenkönigin.

Der Name Mädesüß ist auf die Verwendung der Blüten als aromatisierender Zusatz zu Wein, Bier und Met zurückzuführen.

Indikationen

Mädesüß wird in der Volksheilkunde als adstringierend, harntreibend, krampflösend, narbenbildend, schweißtreibend und stärkend beschrieben. Man verwendet Mädesüß bei Krämpfen, Rheuma, Steinleiden, Arteriosklerose, Fettleibigkeit, Ödemen, Harnleiden, chronischen Atemwegserkrankungen mit einhergehender starker Sekretion, Blutspucken, Grippe, Hämorrhoiden, Weißfluß, Durchfall, Würmern, Hauterkrankungen, Übersäuerung, Cellulites, Nierenentzündung, insbesondere bei durch Scharlach verursachter Nierenentzündung, Blasenkrämpfen, Blasenentzündung, übermäßige Monatsblutung und Wunden. Bohn beschreibt eine Verwendung der Mädesüßwurzel gegen Tollwut.

Verwendung in der Homöopathie

In der Homöopathie wird Mädesüß nach Kosch bei Nervösen Leiden, Neurosis cordis rheumatica, Kopfschmerzen mit Schwindel, Magenbrennen, Magen-Darm-Katarrh, Nieren- und Blasenaffektionen gichtischer Art und akuten Anfällen rheumatischer Schmerzen in Muskeln und Gelenken eingesetzt.


Anwendung und Wirkung von Mädesüß

Verwendet werden die Blüten, die Blätter und die Wurzel des Mädesüß. Die Mädesüßblüten werden im Sommer gepflückt und an einem luftigen, schattigen Ort getrocknet. Die Blätter werden ebenfalls in den Sommermonaten gesammelt. Die Mädesüßwurzel wird im Frühjahr und im Herbst gesammelt.

Am gebräuchlichsten ist die Verwendung der Blätter und der Blüten als Kaltaufguß. Mädesüß nicht aufkochen!

Der hohe Gehalt an Kieselsäure macht Mädesüß zu einem ausgezeichneten Mittel gegen Cellulites. Dazu können die Blätter auch pur gegessen werden. Der Geschmack ist allerding gewöhnungsbedürftig. Die Blätter riechen und schmecken wie eine kaum herunterzubekommende Medizin wie sie mir aus Kindheitstagen in Erinnerung ist.

Äußerlich wurden Mädesüßblätter zerstampft und auf Wunden und Hautausschläge aufgebracht. Sie gelten als blutstillend und narbenbildend.

Mädesüßtee aus den Blüten

Für einen Mädesüßtee aus den Blüten wird ein Teelöffel der Mädesüßblüten mit 200ml kalten Wasser übergossen und 8 Stunden stehen gelassen. Der aus den Mädesüßblüten bereitete Tee hat eine schmerzstillende, krampfstillende, schweißteibende und harntreibende Wirkung. Mädesüßtee aus den Blüten wird bei nahezu allen unter Indikationen aufgeführten Beschwerden als hilfreich beschrieben, insbesondere bei Scharlach-Nierenentzündung und Beinwassersucht. Als Dosierung gibt Kosch täglich 2 Tassen Mädesüßtee an.

Mädesüßtee aus den Blättern

Mädesüßtee aus Blättern wird genauso zubereitet, wie Mädesüßtee aus den Blüten. Mädesüßtee aus den Blättern gilt in der Volksheilkunde als Mittel gegen Durchfall aber auch als Tee zur Behandlung von Bauch- und Hautwassersucht, Gicht, Rheuma, Katarrhen der Luftwege und Grippe.

Wurzelabkochung

Für eine Wurzelabkochung werden 15 – 20g Mädesüßwurzel mit einem halben Liter Wasser gekocht.  Zwei bis vier Tassen dieser Abkochung sollen nicht nur wirksam sein gegen Ruhr, Durchfall, Weißfluss und übermäßige Monatsblutung sondern auch ein wirksames Mittel gegen Tollwut darstellen. Für letztere Anwendung empfiehlt Oertel zusätzlich warme Heublumenwickel.

Mädesüßtinktur

Eine Mädesüßtinktur kann man aus dem Mädesüßkraut und aus den Mädesüßblüten bereiten. Dazu werden Kraut und/oder Blüten mit Alkohol übergossen und 3 Wochen an einem sonnigen Ort stehen gelassen. Siehe hierzu ? Die Herstellung einer Tinktur.

Rezepte nach Madaus 1938

Mädesüß bei Gicht und Rheuma:

Rp.:
Hb. Spiraeae ulmariae . . . 50 (= Mädesüßkraut)
D.s.: 1 Teelöffel voll mit 1 Glas Wasser kalt ansetzen, 8 Stunden ziehen lassen und tagsüber trinken. (Teezubereitung: Der im Verhältnis 1 : 10 heiß hergestellte Tee ergibt einen Extraktgehalt von 1,44% gegenüber 1,23% bei kalter Zubereitung. Der Glührückstand beträgt 0,28 bzw. 0,25%. Die Peroxydasereaktion ist bei beiden Zubereitungen negativ. Geschmacklich erweist sich ein Unterschied: der kalt bereitete Tee hat einen typischen phenolartigen Geschmack, der beim heiß bereiteten Tee nicht festgestellt werden konnte.
1 Teelöffel voll wiegt 1,76 g, und ein Ansatz 1 : 50 ist trinkbar, so daß die Herstellung zweckmäßig mit 1 Teelöffel voll auf 1 Teeglas kalt erfolgt.)

Als schweißtreibendes Mittel (nach Ripperger):

Rp.:
Fol. Betulae conc. (= Birkenblätter)
Hb. Violae tricolor. conc. (= Stiefmütterchenkraut)
Flor. Spiraeae . . . aa 15 (= Mädesüßblüten)
Fol. Jaborandi conc. . . . 5 (= Jaborandiblätter)
M.f. species.
D.s.: 1 Eßlöffel auf 1 Tasse Wasser zum Aufguß. Den Tee möglichst heiß trinken.

Mädesüß bei rheumatischen Beschwerden und Cystitis (nach Ulrich):

Rp.:
Rad. Spiraeae ulmariae (= Mädesüßwurzel)
Hb. Anagallidis (= Kraut vom Ackergauchheil)
Hb. Linariae (= Leinkraut)
Hb. Galeopsidis (= Hohlzahnkraut)
Rad. Ononidis (= Hauhechelwurzel)
Hb. Verbasci thapsif. . . . aa 10 (= Königskerzenkraut)
M.f. species.
D.s.: 3 Teelöffel voll auf 2 Glas Wasser.

Mädesüß bei Hydrops (nach Dinand):

Rp.:
Bacc. Juniperi . . . 10 (= Wacholderbeeren)
Rad. Sambuci ebuli (= Attichwurzel)
Fol. Rosmarini (= Rosmarinblätter)
Hb. Equiseti . . . aa 20 (= Schachtelhalmkraut)
Rad. Spiraeae . . . 30 (= Mädesüßwurzel)
M.f. species.
D.s.: Zubereitungsvorschlag des Verfassers: 2 Teelöffel voll auf 2 Glas Wasser.

Mädesüß in der evidenzbasierten Medizin

Die Schulmedizin gesteht Mädesüß eine harntreibende und schweißtreibende Wirkung zu. Eine entzündungshemmende Wirkung wird durch die Schulmedizin, auch wenn sie durch lange traditionelle Anwendung überliefert und bestätigt wird, bezweifelt. Als Grund gibt die evidenzbasierte Medizin einen zu geringen Gehalt an Salicylsäureverbindungen an.

Gegenanzeigen und Nebenwirkungen

Bei massvoller Verwendung sind keine Nebenwirkungen für das Mädesüß bekannt. Hohe Dosierungen können vereinzelt zu Übelkeit und Magenbeschwerden führen. Mädesüß sollte nicht bei Überempfindlichkeit gegen Salycilate eingenommen werden.

Anbieter und Preis

Mädesüß kann man gut selber sammeln. Man findet es oft auf Feuchtwiesen und Flußufern. Wer es lieber kaufen möchte, findet im Kräuterhandel ein reichhaltiges Angebot. 100g Blüten werden zu einem durchschnittlichen Preis von 3,50 Euro angeboten. 100g Mädesüßkraut kann man bereits zu einem durchschnittlichen Preis von 3 Euro kaufen. Mädesüßkrauttinktur wird zu einem durchschnittlichen Preis von 6,50 Euro zum Kauf angeboten.

Inhaltsstoffe

Gaultherin, das durch Gaultherase Methylsalycilat bildet, ätherisches Öl, Salycilsäure, Citronensäure, Gerbstoff, Wachs, Fett, Heliotropin und Vanilin in den Blüten.