Schlüsselblume


Die Schlüsselblume gehört wohl zu den hübschesten und bekanntesten Frühjahrsblühern und taucht schon in den verschiedensten nordischen Sagen auf. Ob sie den alten Griechen bekannt war, ist nicht eindeutig geklärt. Vieles spricht dafür, dass es sich bei der Schlüsselblume um die, durch die alten Griechen hochgerühmte, Dodecatheon handelt. Im Mittelalter empfahl die Äbtissin Hildegard von Bingen die Schlüsselblume gegen Melancholie und Hieronymus Bock schrieb 1539 in seinem New Kreuterbuch:

Das Schlüsselblumenkraut ist warmer und etwas trockener Substanz. Das gebrannte Wasser davon gibt man schwachen, kranken Menschen, die gar keine Kraft mehr haben und durch langes Siechtum verfallen sind, desgleichen denen, die der Schlag gerührt hat.

Kneip empfahl die Schlüsselblume besonders bei Gicht und gichtischer Veranlagung und schrieb:

…Die heftigen Schmerzen werden sich lösen und allmählich ganz verschwinden.

Botanik

Bei der zur Familie der Primelgewächse gehörenden Schlüsselblume unterscheidet man zwei nah verwandte Arten. Die Echte Schlüsselblume Primula veris oder auch Primula officinalis und die Hohe Schlüsselblume Primula elatior. Letztere wurde im Mittelalter kaum verwendet, da sie geruchlos ist und man ihr daher die medizinische Wirksamkeit absprach. Die Echte Schlüsselblume unterscheidet sich nur in Nebensächlichkeiten von der Hochragenden Schlüsselblume. Ihre Krone ist hochgelb, der Saum glockig vertieft und im Schlund liegen fünf safrangelbe bis orangefarbige Flecken. Dazu kommt noch der bereits angesprochene starke, süsslich moderige Duft. Bei beiden Arten handelt es sich um ausdauernde Pflanzen deren Blätter in einer grundständigen Rosette stehen und deren von April bis Mai erscheinenden gelben Blüten auf einem unverzweigten Stengel, in Dolden stehen. Der Wurzelstock ist walzlich, dickfaserig. Die Frucht eine einfächerige, fünfklappige Kapsel.


Echte Schluesselblume
Echte Schlüsselblume Quelle: © Kai Hagemeister

Schluesselblume
Schlüsselblume Quelle: © Kai Hagemeister

Bezeichnungen

Sowohl die bis ins 16 Jahrhundert hinein gebräuchlichen Bezeichnungen Himmelsschlüssel oder Himmelsschlüsselchen als auch der später verwendete Name Schlüsselblume sind auf die schlüsselbundartigen Blütenstände der Schlüsselblume zurückzuführen. Wissenschaftlich unterscheidet man zwei nah verwandte Arten der Schlüsselblume, deren unterschiedliches Aussehen unter Botanik beschrieben wird, Primula officinalis oder auch Primula veris und Primula elatior. Die Gattungsbezeichnung Primula könnte auf primuserste zurückzuführen sein. Womit man der Schlüsselblume als Frühjahrsblüher, also eine der ersten Pflanzen, die im Jahr blühen, Rechnung trägt. Die Artbezeichnung officinalis zeigt an, dass diese Art in der Heilkunde verwendet wird. Veris steht für die Wahre oder Echte.

Indikationen

Die Schlüsselblume wird eingesetzt bei Bronchitis, Tussis, Pertussis, Asthma, Rheuma, Gicht, Migräne, Neuralgien, Neurasthenie, Schwindel, Schlaflosigkeit, Pneumonie im lythischen Stadium, akuten Bronchialkatarrh, Ekchymose, Gliederzittern, nervöse Schwäche, Lähmungen, Nieren- und Blasenleiden, Verstopfung, Erkältung, Würmern, Wunden und Schlaflosigkeit. Die pulverisierte Schlüsselblumenwurzel wird zur Herstellung eines Schnupfpulvers verwendet. 

Als Wirksame Bestandteil werden die Saponine der Schlüsselblume angesehen. Sie bewirken eine Steigerung der Bronchialsekretion, wirken dadurch auswurffördernd.

In der Homöopathie verwendet man die Schlüsselblume bei leichten Hirnkongestionen ohne psychische Depression, unreiner und schwacher Stimme ohne organischer Veränderung, Migräne, Neuralgie, Schwindelgefühl, Nierenaffektionen und leichten Fieber.

Schlüsselblume Anwendung und Wirkung

Die häufig auf Wiesen, Waldwiesen, Triften und an Waldrändern wachsende Schlüsselblume sammelt man während der Blütezeit von April bis Mai. Entweder zupft man die Blüten besonders aus und trocknet sie rasch im Schatten oder man hebt die ganze Pflanze samt Wurzel aus, säubert und trocknet sie.

Die jungen und frischen Blätter der Schlüsselblume geben einen guten Salat und ein sehr gutes Gemüse.

Tee aus Schlüsselblumenblüten

Schlüsselblumentee ist schwach reizend und schweisstreibend. Der aus den Blüten bereitete Tee wird traditionell gegen Schlaflosigkeit, Rheuma und Gicht eingesetzt. Für letztere Anwendung wirkt der Tee schmerzstillend, auflösend, ausscheidend und heilend. Für einen Schlüsselblumentee mit Blüten überbrüht man 2 Teelöffel Blüten mit 150ml kochenden Wasser. Von diesem Tee sollte man über einen längeren Zeitraum täglich 2 Tassen trinken.

Schlüsselblumentee aus den getrockneten Blättern

Der aus den getrockneten Blättern bereitete Tee stärkt die Nerven und ist ein gutes Mittel gegen Schwindelgefühl, Migräne, Neuralgie oder chronischer Vertopfung.

Schlüsselblumentee aus dem ganzen Kraut

Für einen Tee aus dem ganzen Kraut nimmt man 10g Schlüsselblumenwurzel, Blätter und Blüten und überbrüht sie mit 1 Liter kochenden Wasser. Der Tee ist hilfreich gegen Gicht, Rheuma, Migräne, Schwindelgefühl und Brustbeschwerden. Er wirkt auswurffördernd, schmerzstillend und beruhigend. Traditionell empfohlen wird eine Tasse dieses Tees täglich über einen längeren Zeitraum.

Schlüsselblumentee aus der Wurzel

Zur Herstellung eines Tees aus der Wurzel nimmt man 0,5g Wurzelpulver auf 150ml kochendes Wasser. Anschliessend 10 bis 15 Minuten ziehen lassen. Der Tee ist wirksam bei Katarrhen der Atemwege. Vorsicht vor Überdosierung siehe Gegenanzeigen und Nebenwirkungen.

Schlüsselblumensaft

Für einen Saft werden die Blüten in etwas Wasser zerquetscht und mit reichlich Zucker versetzt. Schlüsselblumensaft ist ein ausgezeichnetes Hustenmittel.

Schlüsselblumenbonbons

Bonbons werden wie der Saft hergestelltund anschliessend bis zur Konsistenz gekocht.

Schlüsselblume in der heutigen Medizin

Aufgrund des hohen Saponingehalts verwendet man sie heute vor allem bei Erkrankungen der Atemwege. Darüber hinaus als Diuretikum.

Anbieter und Preis

In Deutschland steht die Schlüsselblume unter Naturschutz. Ein Ausgraben der Wurzel in freier Natur ist nicht erlaubt, so dass man bei Bedarf auf den Kräuterhandel zurückgreifen sollte. Die Blüten kann man auch in der Natur ernten.

Im Handel kann man Schlüsselblumen in allen nur erdenklichen Formen kaufen. Im Kräuterhandel liegt der Preis für Blüten mit Kelch bei durchschnittlich 6,50 je 100g. In Bioqualität sind die Blüten nur geringfügig teurer. Der Preis für eine fertige Schlüsselblumentinktur aus den Blüten liegt bei durchschnittlich 6,50 Euro je 100ml. Eine Tinktur aus der Wurzel ist geringfügig teurer. Der durchschnittliche Preis für Schlüsselblumenwurzel liegt bei 5 Euro je 100g.

Gegenanzeige und Nebenwirkungen

Die Saponine der Schlüsselblume steigern die Reorption erheblich und führen dazu, dass schon geringe Mengen anderer Stoffe hochwirksam sind. Sie zerstören die roten Blutzellen. In grösseren Mengen können vermehrt Speichelfluss, Reizungen der Magenschleimhaut und starke Sekretionssteigerung der Bronchialschleimhaut eintreten.

Bei einigen Menschen tritt eine Überempfindlichkeit auf das ölartige Sekret der Drüsenhaare auf. In ihm ist das Allergen Primin enthalten. Es kann zu heftigen Reizerscheinungen an Haut und Augenbindehäuten kommen. Nach Touton können vom Zeitpunkt der Berührung bis zum Auftreten der Dermatitis 7 bis 14 Tage vergehen.

Inhaltsstoffe

Die Schlüsselblumenwurzel enthält bis zu 12% Tritersaponine, die Blätter etwa 2%, die Blüten nur in Spuren. Insbesondere Primulasaponine darüber hinaus Phenolglykoside wie das Primulaverosid, Flavonoide, Carotinoide und geringe Mengen des Allergens Primin im Kraut.