Glaskraut


Das Glaskraut ist ein schon seit Jahrtausenden bekanntes Heilkraut. Laut Legende wurde im 5. Jahrhundert vor Christus, dem Griechen Perikles von Athene im Traum das auf der Akropolis üppig vorkommende Glaskraut gezeigt, mit dem er die Schürfungen der Sklaven heilen konnte. Perikles setzte es ein und heilte mit ihm die Sklaven, die beim Bau des Parthenon beteiligt waren. Dioskurides lobte das Glaskraut im ersten Jahrhundert für seine reinigende, kühlende und stark adstringierende Wirkung. Plinius schrieb über diese Heilpflanze und Marcellus empfahl die Kohle des Glaskrauts zum weissen der Zähne. Paracelsus empfahl sie zur Verminderung von Steinen. Kaum ein Kräuterbuch, in dem diese Heilpflanze nicht lobende Erwähnung fand. In nahezu allen älteren Kräuterbüchern wird sie als sehr hilfreiches, wundheilendes, erweichendes und steinbrechendes Kraut beschrieben.

Im 18. Jahrhundert erfolgte dann ein Wandel. So schreibt Johann Andreas Murray 1788 im Band 4 seines Werkes Arzneyvorrath:


Das Glaskraut hat einen krautartigen Geschmack und gar keinen Geruch. Es verspricht daher auch keine großen Kräfte, die man auch aus Erfahrung von ihm nicht kennt. Man hielt es ehemals für erweichend und zählt es daher unter die fünf erweichenden Kräuter. Man findet es auch noch jetzt in den meisten Büchern, die von Arzneyen handeln, unter dieser Rubrik. Aeußert das Glaskraut ja erweichende Eigenschaften, so sind diese wohl mehr dem warmen Wasser zuzuschreiben, als dieser Pflanze. Eher hat es wiewohl geringe zertheilende Kräfte, worin es aber von vielen andern weit übertroffen wird. Von diesen leit ich die Hilfe ab, die es zuweilen wider verhalten des Harns gehabt haben soll. So hat auch der ausgepresste und mit Zucker versüsste Glaskrautsaft, zu drei Unzen genommen, auf eine bewundernswürdige Weise den Harn getrieben. Auch die Abkochung soll wegen ihrer harntreibenden Eigenschaft den Gries und Schleim ausführen. Das dieses Glaskraut wirklich steinzermalmende Kräfte habe, möchte jetzt wol schwerlich jemand glauben, welche Eigenschaft man, wiewol mit Unrecht, so oft den harntreibenden Mitteln beigelegt hat.


Murray bezieht sich mit seiner Schmähschrift auf die Aussagen von Floyer und von Haller, die die erweichenden Eigenschaften als nicht gegeben sahen. Hauptgrund für die Einschätzung, dass das Glaskraut keine nutzbringende Heilpflanze sei, war der fehlende Geruch dieser Heilpflanze. So endete die Erfolgsgeschichte des Glaskrauts. Heute ist das Glaskraut nur noch wenigen bekannt und wird kaum noch eingesetzt.

Botanik

Das zur Familie der Brennnesselgewächse gehörende Glaskraut ist eine bis zu einem Meter hohe, ausdauernde, aufrechte, kaum verzweigte Heilpflanze. Die Stengel sind leicht brüchig und flaumig behaart, allerdings ohne Brennhaare. Die Blätter sind wechselständig, gestielt, eiförmig-lanzettlich bis eiförmig rundlich und bis zu 10 cm lang. Glaskrautblüten blühen von Juni bis September. Sie sind grünlich und unscheinbar und bilden in dichten Knäueln stehende Blütenstände in den Blattachsen. Die Früchte – Nüsse – sind schwarz glänzend.


Glaskraut
Glaskraut


Bezeichnungen

Wissenschaftlich unterscheidet man das Ausgebreitete ,Parietaria judaica, und das Aufrechte Glaskraut, Parietaria officinalis. Beide Arten besitzen die selben medizinischen Eigenschaften. Die Bezeichnung Glaskraut könnte sich auf die Verwendung der getrockneten Blätter zum reinigen von Glas beziehen. Auch der leicht brüchige Stiel könnte für die Bezeichnung verantwortlich sein. Andere Bezeichnungen beziehen sich auf das Vorkommen dieser Heilpflanze, wie beispielsweise Mauerkraut. Weitere Bezeichnugen sind St. Peters-Kraut oder Rebhühner-Kraut.


Indikationen

Glaskraut wirkt blutreinigend, erfrischend, erweichend und harntreibend. Glaskraut wurde in der Volksmedizin zur Behandlung von; entzündeten Wunden, Nierenentzündung, Hämorrhoiden, Blasenentzündung, Steinerkrankung, Hautflecken, Verbrennungen, Albuminurie, Harnwegsinfektion, Rheuma und Husten eingesetzt.

Glaskraut Anwendung und Wirkung

Traditionell nutzte man den frischen Saft vom Glaskraut um Verbrennungen und Verletzungen zu behandeln. In manch altem Kräuterbuch wird auch das getrocknete Glaskrautpulver für diesen Zweck empfohlen. Glaskrautkohle nutzte man zum weissen der Zähne. Ein aus Glaskraut destilliertes Wasser soll hilfreich sein zur Behandlung von mit Verschleimung einhergehenden Husten, Wassersucht und Steinen. Sowohl ein Glaskrautsirup als auch ein Glaskrautinfus soll hilfreich sein bei Nierenentzündung, Blasenentzündung und Albuminurie. Äußerlich aufgebracht, soll ein Dekokt hilfreich sein um Pigmentflecken und Sommersprossen zu bleichen. Heute findet man Glaskraut nur noch in wenigen Teemischungen. Es ist eine der Heilpflanzen, die zu Unrecht in ein Schattendasein gedrängt wurden.

Anbieter und Preis

Glaskraut kann man selber sammeln. Man findet es in wärmeren Gegenden oft in alten Mauerritzen. Kaufen kann man es als Pflanze in Gärtnereien, was sich anbietet, weil es im getrockneten Zustand bei weitem nicht so wirksam ist wie frisch.

Getrocknetes Kraut kann man im Kräuterversand oder in Apotheken zu einem Preis von ca. 5 Euro je 100g kaufen. 100 ml Glaskrauttinktur bekommt man im Kräuterversand für ca. 8 Euro.

Inhaltsstoffe

Flavonoide, Kaffeesäurederivate, Bitterstoffe, Kaliumnitrat.