Salbei


Der Salbei wurde in allen Zeiten hoch gelobt. Der Mönch Walahfrid Strabo beginnt sein Hortulus aus dem 9. Jahrhundert mit einer Würdigung des Salbeis. Karl der Große verfasste genaue Bestimmungen über den Anbau in seinem „Capitulare“.


Im Spätmittelalter schreibt Hieronymus Bock über den durch Benediktiner aus dem Mittelmeergebiet gebrachten Salbei:

Unter allen Stauden ist kaum ein gewechz uber die Salben, dann es dienet dem arztet, Koch, Keller, armen un reichen. Ist ein sonderliche Wurz denen so nit gehn Frankfurt unnd Venedig haben zu fahren von denen es billich in Gärten als die edelst Teutsch wurz gepflanzt solt werden.

Wer also nicht nach Frankfurt und Venedig fahren kann, wie die reichen Kaufleute, und kein Geld hat, um teure Arzneien zu kaufen, der möge, so will es Bock, getrost dem Salbei vertrauen.


In staunenswerter Fülle hat sich Sage und Legende des Salbeis angenommen. Die einst so gewaltige Durchdringung des Lebens mit zauberhafter Medizin hat dazu geführt, dass der Salbei in Verbindung mit streng einzuhaltenden Besprechungsformeln zur Anwendung und Heilung von Krankheiten, zur Gewinnung der Liebe, zur Beschwörung des „Bösen“ und manch anderem Zweck verwendet wurde. Legendäre Vorstellungen bemächtigten sich der Pflanze. So glaubte man, dass Maria, die göttliche Jungfrau, auf der Flucht aus Ägypten mit ihrem Sohn Jesus Zuflucht unter den Blättern des Salbeistrauches vor den Häschern des Herodes fand. Zum Lohn dafür wurde der Salbei mit wohltätigen Wirkungen ausgestattet. Eine Sage, die die Wertschätzung aufzeigt, die man dem Salbei entgegenbringt.

In der Volksheilkunde findet er dementsprechend vielseitig Verwendung. Er wird als wahre Panazee gepriesen. Hilfreich bei den meisten Krankheiten und die Jugend erhaltend. In der „Schola Salernitana“, einer Sammlung von Merkfersen aus dem 14. Jahrhundert heißt es:


Warum soll der Mensch sterben, dem Salbei im Garten wächst?

Und weiter heißt es:


Salvia die Retterin, die Vermittlerin der Natur.

200 Jahre später lobt Hieronymus Bock den Salbei als kaum vergleichbare Heilpflanze, die sowohl dem Arzt, als auch dem Koch dient und sowohl Reichen als auch Armen zur freien Verfügung steht. So empfiehlt er ihn insbesondere den Armen als leicht zugängliche Heilpflanze mit der die meisten Beschwerden geheilt werden können.

Weitere 100 Jahre später, 1688, widmet Paullini dieser Heilpflanze ein 414 Seiten umfassendes Werk.

Sie können sich vorstellen, welche Bedeutung diese Heilpflanze in der Volksheilkunde gehabt haben mag. Man war davon überzeugt, dass sie die Gesundheit schützt und dem, der sie im Garten pflanzt ein langes und gesundes Leben beschert sei. Im Raum Krefeld hiess es noch vor nicht allzu langer Zeit: „Wer sehr alt werden möchte, muß im Mai Salbei essen.“

Der Salbei wurde im Garten gehegt und gepflegt. Man war davon überzeugt, dass ein im Garten absterbender Salbei Unheil über die Bewohner bringen würde. Ein Glaube den wir auch beim Rosmarin wiederfinden.

Durch das Aussehen der Blätter verglich man diese Heilpflanze mit der Kröte. So sah man in der Heilpflanze auch eine Gefahr.

Kennen Sie das Märchen „Der Teufel mit den 3 goldneen Haaren“? In diesem Märchen erfahren Sie sehr viel über unseren alten animistischen Glauben und die später durch das Christentum verzerrten Darstellungen. Schliesslich ist des Teufels Großmutter in diesem Märchen niemand anderes, als unsere Frau Holle. Die Erden- und Himmelsgötting Frija und der Teufel selbst Gottvater Odin. In dem Märchen sitzt eine Kröte unter einem Apfelbaum und sorgt so für das Absterben der wertvollen Früchte. Ähnliche Überlieferungen gibt es für den Salbei.

Stirbt man durch die Verwendung des Salbeis, so sitzt eine Kröte an den Wurzeln der Pflanze. Im thüringischen Zella soll eine junge Frau nach den Genuß einer Salbeisuppe eine schwarze Kröte zur Welt gebracht haben. Man verbrannte sie und erfuhr später, dass ihr eine Wettermacherin diese Salbeisuppe bereitet habe um den bösen Zauber zu verursachen.

Der Salbei ist also sowohl Panazee, als auch eine gefährliche Heilpflanze. Sicher auch ein Hinweis an Sie, dass Sie diese Heilpflanze nicht masslos verwenden sollten, denn dann wirkt sie giftig. Bereits die äußerliche Einreibung mit Salbeiöl kann durch Absobrtion Vergiftungen hervorrufen.


Salbei Anwendung und Wirkung in der Volksheilkunde

Noch heute wird der Salbei als Gurgelmittel bei Halsleiden empfohlen. Man verwendete ihn gegen Schweißausbrüche und Schwindsucht.

Ein Salbeiblatt diente zur Pflege der Zähne und des Zahnfleisches indem damit sowohl Zähne als auch Zahnfleisch abgerieben wurden. Ähnlich der Verwendung der Weide.

Vielerorts wurde die Pflanze als Gewürz vielen Speisen beigemischt um die Gesundheit zu erhalten. Eine Verwendung, die wir auch im Kräuterbuch das Hieronymus Bock wiederfinden. Oft wurden Zaubersprüche auf die Blätter geschrieben, um sie sich anschliessend einzuverleiben. Oder man reduzierte die Blätter jeden Tag um damit auch die Krankheit zu reduzieren. Gegen Fieber sollte man beispielsweise 9 Tage lang Salbeiblätter essen. Am ersten Tage 9, am zweiten Tag 8, bis am 9. Tag das Fieber verschwunden war.

Salbeitee diente zur Behandlung von Fieber, starken Schwitzen, Menstruationsstörungen, Einschränkung der Milchsekretion, Blasenentzündung, Leberleiden, Nierenleiden, Husten, Heiserkeit, Brustkrankheiten, Blutspucken und chronischen Katarrhen.

Salbei