Kartoffelertrag maximieren


Kartoffelertrag maximieren
Im Mai aufgestellte Kartoffelsäcke mit der ersten Erdlage und eingepflanzten Kartoffeln.

Ihnen ist sicher bekannt, dass für einen möglichst hohen Kartoffelertrag Erde um die Kartoffelpflanze angehäuft werden sollte. Durch die immer höher angehäufelte Erde wird die Kartoffelpflanze zur erweiterten Bildung von Wurzeln veranlasst. Diesen Prozess haben wir optimiert und damit unseren Kartoffelertrag maximiert.

Zugegeben, diese Idee stammt nicht von mir. Genaugenommen stammt sie von unseren Wühlmäusen. Seit Jahren hatte ich mir den Kopf zerbrochen, wie ich diese kleinen Quelgeister dazu veranlassen könnte, nicht masslos zuzugreifen. Erfolglos, wie sich wühlmausgeplagte Zeitgenossen sicher denken können. Besonders fatal wirkte sich der Praxisversuch eines Hochbeetes nach Holzer aus. Den Beitrag dazu finden Sie unter: Permakultur nach Sepp Holzer, ein Praxisversuch. Besserung bewirkte die Schaffung von natürlichen Behausungen für Marder und Mauswiesel. Die Kartoffelernte blieb jedoch trotzdem recht mager. Der Grund lag auf der Hand. Durch den wenigen Boden, der darüber hinaus sehr steinig ist, war eine massive Erweiterung des Kartoffelackers nicht möglich. Dementsprechend gering fiel der Ertrag aus, den die Wühlmäuse zum Großteil für sich beanspruchten.


Marderbau
Angelegter Marderbau

Für einen Vergleich, der beiden Seiten gerecht wird, sind unsere Wühlmäuse auch keineswegs offen. Ganz im Gegenteil scheint unser Anbau die Wühlmäuse der ganzen Gegend anzuziehen. Meint doch sonst jeder, der anderen Anwohner in der Gegend, ein Anbau wäre unter den gegebenen natürlichen Verhältnissen nicht möglich.


Nun mag man behaupten, Wühlmäuse seien zu nichts nutze, dem muss ich jedoch entschieden widersprechen. Sie bieten eine ständige Herausforderung aus denen nicht selten neue Ansätze erwachsen, die am Ende in einem wesentlich höheren Ertrag resultieren können.


So stand im Fall meiner Kartoffeln deren Schutz erst einmal im Vordergrund. Ich besorgte mir daher Schwerlastsäcke, die das Wasser langsam hindurchlassen und stellte sie in Reihen auf. Mal 3 Schwerlastsäcke zusammen in Reihe, mal 5. In die Schwerlastsäcke mischte ich eine ca. 30 cm hohe Schicht aus Pferdemist und Erde. Da wir selber keine Pferde haben, habe ich mit einem sehr netten Pferdehalter in einem nahegelegenen Dorf ein Abkommen getroffen, das uns beiden gerecht wird. Diese Erdmischung impfte ich zuerst mit Milchsäurebakterien und anschliessend mit einem natürlichen Gesteinsmehl.


Für viele ist die Verwendung von Pferdemist keine Option. Sie stören sich an den vielen Samen die meist darin enthalten sind. Pferde sind Steppentiere. Sie brauchen ein sehr mageres und ungespritztes Heu. Da dieses Heu erst entsteht, wenn die meisten Pflanzen Samen erzeugt haben, finden sich dementsprechend viele davon im Pferdemist. Mich stört das nicht. Ohnehin pflanzen wir Mischkulturen und lassen Pflanzen, die sich gegenseitig begünstigen auch regelmässig zusammen auf den Anbauflächen gedeihen. Im Fall von Pferdemist bin ich regelmässig gespannt, was so alles für Kräutlein daraus entspriessen und schätze den Umstand, dass Pferdemist der wohl unbelasteste Mist ist, der extern zu bekommen ist. Ich schreibe extern, weil der Mist unserer frei lebenden Schafe und Ziegen noch um einiges besser ist.


Auch stört mich ein gewisser Strohanteil im Pferdemist nicht, denn dieses Stroh sorgt auch bei langer Trockenheit für einen ausreichend feuchten Boden.

Zurück zu den Kartoffeln. In die 30cm Erde lege ich die angekeimten Kartoffeln. Wir vermehren regelmässig peruanische Urkartoffeln und eine recht robuste Sorte aus Finnland, Puikula.

Die Kartoffeln wachsen nun windgeschützt in diesem Schwerlastsack. 4-5 Kartoffelpflanzen auf 1 Quadratmeter. Nun wird kontinuierlich über die folgenden Monate die Mist/Erde-Mischung im Sack erhöht. Bis der Sack am Ende gefüllt ist und die Kartoffelpflanze über dem Sack herausschaut. Sobald dieser überstehende Pflanzenspross abgestorben ist, beginnt die Ernte. Jeder unserer Schwerlastsäcke ist dann im ersten Drittel voll mit Kartoffeln gefüllt. Wobei der Ertrag, abhängig von der Kartoffelsorte, sehr unterschiedlich ausfällt. Die Urkartoffeln liefern eine recht überschaubare Ernte. Die finnischen Kartoffeln bieten uns das beste Verhältnis zwischen Robustheit der Pflanze und Ertrag. Biologische Neuzüchtungen brachten die größte Ernte ein. Liegen jedoch im Geschmack weit hinter den beiden anderen Kartoffelsorten.

Was wir nicht nachvollziehen können, ist ein Video, auf das man uns hinwies. Darin wird eine Kartoffelpflanze in einen mit Erde gefüllten Reifen gesetzt. Kontinuierlich wird nun mit dem Wachstum der Pflanze ein weiterer Reifen aufgelegt und der Freiraum zwischen Reifen und Pflanze mit Erde gefüllt. Am Ende entsteht so ein 2 m hoher Turm, der umgekippt wird und voll mit Kartoffeln ist. Bei unseren getesteten Kartoffelsorten, abgesehen von einer einzelnen Kartoffelsorte, die es auf einen Meter schaffte, erfolgt eine Kartoffelbildung nur in den untersten 40 cm. Wir neigen daher dazu, dieses Video als Fake einzustufen. Zumindest in einer kurzen Vegetationsperiode wie bei uns in 800 Metern Höhe, schafft es kaum eine Kartoffelsorte in eine Höhe von einem Meter Kartoffeln zu bilden. Geklärt ist nun nicht, ob es generell ein begrenztes Wurzelwachstum bei der Kartoffel gibt oder die kurze Vegetationsperiode dafür verantwortlich ist. Davon abgesehen halten wir ohnehin Reifen für keine gute Idee. Zumindest nicht im ökologischen Landbau, wie wir ihn betreiben.

Falls Ihr Erfahrungen mit dieser Art der Anpflanzung von Kartoffeln habt, freuen wir uns auf Eure Rückmeldung.