Der Augentrost ist eine verachtete Heilpflanze, die in alten Heilpflanzen- und Kräuterbüchern keine Erwähnung findet. Später wurden dem Augentrost Heilwirkungen zugeschrieben, die die Heilpflanze nicht erfüllen konnte. Seine fraglos vorhandene Wirkung wurde überschätzt und er wurde bei vielen Beschwerden empfohlen, bei denen der Augentrost keine Linderung verschaffen konnte.
Wie man vermuten könnte, ist der Augentrost eine Heilpflanze für Augenleiden doch das ist nur die halbe Wahrheit. Hauptsächlich bezieht sich die Bezeichnung Augentrost wohl auf das eigentümliche Aussehen der Pflanze. Ihre weißen oder blaßvioletten Blüten mit einem gelben Fleck, der an eine Pupille erinnert gaben dem Augentrost seinen Namen. Ganz nach der Signaturlehre des Paracelsus, wonach
Der Augentrost ist eine einjährige, bis zu 30 cm hohe Pflanze. Ihr Stengel ist aufrecht und unterwärts ästig. Die Augentrost-Blätter sitzen gegenständig und sind breit-eiförmig, kurz zugespitzt, jederseits drei- bis sechszähnig. Die Augentrost-Blüten stehen ährenartig oder knopfig in den Achseln der drüsig behaarten Tragblätter und besitzen 2 Lippen. Die Krone überragt deutlich den Kelch, weiss, violett gestreift. Die Oberlippe der Augentrost-Blüte ist zweilappig, die Unterlippe dreilappig mit einem mehr oder weniger gelben Fleck und 9 dunklen Längsstreifen. Der Augentrost zählt zu den Halbschmarotzern. Er verfügt über Saugwurzeln, durch die er sich an die Wurzeln anderer Pflanzen, insbesondere Gräser, anheftet und ihnen die Mineralstoffe entzieht. Diese Eigenschaft macht den Augentrost zum ungern gesehenen Unkraut, denn er befällt bevorzugt Gräser und wird selber aufgrund seiner Bitterkeit vom Weidevieh nicht gern gefressen.

Augentrost - Quelle: Harry Berger
Bezeichnungen
Die Bezeichnung Augentrost ist sicher aufgrund der Signaturlehre und daraus folgend der Verwendung der Pflanze zur Behandlung von Augenleiden abgeleitet. Darauf weisen auch die französischen Bezeichnungen, brise-lunette und case-lunette ? zerbrich die Brille, hin.
Wissenschaftlich bezeichnet man den Augentrost als Euphrasia officinalis. Euphrasia stammt aus dem griechischen und bedeutet Frohsinn, officinalis ? gebräuchlich, heilkräftig. Worauf sich der Frohsinn bezieht, bleibt ein Geheimnis. Man könnte spekulieren, dass der schöne Anblick der Heilpflanze das Auge erfreut oder eben Frohsinn einkehrt, wenn man, durch mit Augentrost behandelten Augen, wieder sehen kann.
Indikationen
Augentrost wurde in der Volksmedizin gegen Katarrhe verschiedenster Art eingestetzt. Darüber hinaus diente Augentrost zur Behandlung von Augenleiden indem man den frischen Saft in die Augen träufelte, oder abgekocht als magenstärkender Tee wozu ihn insbesondere Kneipp empfahl. Wietere Indikationen für den Augentrost waren, Augenkatarrhe, Conjunctivitis, Dakryocystitis, Iritis, Coryza, Rhinitis, Maculae et Ulcera corneae, Bronchitis, Grippe, Übersäuerung, Verdauungsschwäche, Gastritis und Ikterus.
Augentrost in der Homöopathie
In der Homöopathie wird Augentrost bei Fliessschnupfen und geröteten, entzündeten Augen eingesetzt.
Anwendung und Wirkung
Verwendet wird das ganze Augentrost-Kraut, das man bis in den Spätsommer hinein sammeln kann. Augentrost wurde in der Volksmedizin als Augentrost-Tee oder pulverisiert verabreicht.
Augentrosttee
Ein Augentrosttee wird aus einem Teelöffel Augentrost-Kraut oder Augentrost-Blättern und 150ml kochenden Wasser bereitet. Augentrosttee äusserlich angewendet reinigt die Augen und stärkt die Sehkraft. Dazu wurden die Augen drei mal täglich mit warmen Augentrosttee gewaschen. Alternativ legte man in den Augentrosttee getauchte Leinenläppchen über Nacht auf die Augen. Mit etwas Wermut und Fenchel zugesetzt, wird die Wirkung als noch intensiver beschrieben. Innerlich wurden traditionell 3 Tassen Augentrosttee täglich verabreicht.
Augentrostpulver
Augentrostpulver wurde bei Gelbsucht eingesetzt, zur Verbesserung der Sehkraft und zur Anregung der Verdauung. Dazu verabreichte man 3 mal täglich 0,5g Augentrostpulver. Augentrostpulver mit Dornschlehblüten vermischt empfahl man bei Verstopfung.
Augentrostwein
Augentrostwein galt als gutes Magenmittel. Dafür setzte man Augentrostkraut mit einem Liter Wein an und liess es in einer verkorkten Flasche 14 Tage destillieren.
Augentrost in der heutigen Medizin
Die Wirkung bei Augenleiden kann aus heutiger Sicht nicht bestätigt werden. Umschläge oder Waschungen werden nicht empfohlen, weil die Zubereitungen nicht schwebstoff- und keimfrei sind. Sterile Fertigzubereitungen sind unbedenklich.
Anbieter und Preis
Augentrostkraut und Augentrosttinktur kann man in Apotheken und im Kräuterfachhandel kaufen. Der Preis für Augentrostkraut liegt durchschnittlich bei 5 Euro für 100g. Die Tinktur kann man für durchschnittlich 7 Euro je 100ml kaufen.
Inhaltsstoffe
Iridoidglykoside wie Aucubin, Euphrosid und Catalpol, Flavonoide, Lignane, Phenolcarbonsäuren, ätherisches Öl.
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