Ob die Bachbunge den alten Griechen und Römern bekannt war, ist ungewiß. Otto Brunfels glaubte, mit der Bachbunge das Sion des Dioskurides gefunden zu haben. Max Ho?fler vermutet in der Bachbunge eine alte Druidenpflanze, das Samolus, welches durch Plinius beschrieben wurde.
Als Hinweis dient ihm die volkstümliche Bezeichnung Samole und der Hinweis von Plinius, dass es sich um eine Pflanze handelt, die an feuchten Stellen wächst. Es ist aus meiner Sicht anzunehmen, dass unsere germanischen Vorfahren, die Bachbunge kannten und als vitaminreiches Frühjahrsgemüse schätzten. Beweisbar ist es indes nicht. Sicher ist, dass die Bachbunge ihre erste schriftliche Erwähnung im Mittelalter findet. Die Äbtissin Hildegard von Bingen bezeichnete die Bachbunge als Pungo und empfahl die Bachbunge in einer Mehlschwitze gedünstet, täglich einzunehmen bei Hämorrhoiden, Verstopfung und gichtartigen Beschwerden. Hieronymus Bock sah in der Bachbunge eine sehr hilfreiche Heilpflanze gegen Skorbut, Blasensteine, Wassersucht, Milzbeschwerden, Würmer und Ruhr. Äußerlich beschrieb er die Bachbunge als geeignetes Mittel gegen Geschwüre, Fieber, Masern und Flecken im Gesicht. Zur Bachbunge schrieb Bock:
Die der Bachbunge im Mittelalter und der Renaissance entgegengebrachte, hohe Wertschätzung verblasste mit der Zeit. 1795 widmete Johann Andreas Murray im Vorrath von einfachen, zubereiteten und gemischten Heilmitteln der Bachbunge einen längeren Artikel in dem er mit den bis dahin bestehenden Ruhm der Bachbunge ins Gericht zog. Murray sah in der Bachbunge eine wirksame Pflanze gegen Skorbut. Dazu diente insbesondere der Saft aus den Blättern, der zusammen mit dem Saft des Löffelkrauts gemischt noch wirksamer und vor allem trinkbarer sein sollte (Die Schärfe wird gemildert). Er bezweifelte jedoch viele der überlieferten Heilerfolge. So hielt er es für unwahrscheinlich, dass ein aus dem Absud von Löffelkraut und Bachbunge bereiteter Sirup über eine blutreinigende Wirkung hinaus geht. Auch glaubte er nicht an die Heilung von schwerwiegenden Geschwüren, durch äußerliche Anwendung von in Bier gekochter Bachbunge, wie von Forest zuvor beschrieben. Auch eine Wirkung der Bachbunge gegen Gicht und verstoppfte Eingeweide hielt Murray für wenig wahrscheinlich. Nach Murrays Ausführungen zur Bachbunge verblasste deren Ruhm zusehends. 1835 empfahl Philipp Lorenz Geiger im Handbuch der Pharmacie den frischen Blätter-Saft der Bachbunge als Frühlingskur und die äußerliche Verwendung der Bachbunge bei Wunden. Bereits im 20. Jahrhundert wurde die Bachbunge kaum noch erwähnt. Schulz empfahl die Bachbunge in seinem Buch Wirkung und Anwendung der deutschen Arzneipflanzen gegen Zahnfleischbluten und als blutreinigenden Salat. Heute sucht man die Bachbunge in vielen Kräuterbüchern vergeblich. Von ihrem ehemals hohen Ansehen und ihrer vielseitigen Verwendung ist in heutiger Zeit kaum etwas geblieben.
Botanik
Die Bachbunge ist eine ausdauernde, bis zu 60 cm hohe niederliegend-aufsteigende, feuchtigkeitsliebende Pflanze aus der Familie der Wegerichgewächse. Der Stengel der Bachbunge ist rund, dick, rötlich überlaufen, kahl und hohl. An ihm sitzen gegenständig fleischige, elliptische, gekerbte, glänzende Blätter mit kurzen Stiel. Die sich von Mai bis September bildenden, himmelblauen Blüten stehen in Trauben in den Achseln der oberen Blätter. Die Fruchtkapseln sind rundlich und in etwa so lang wie der Kelch.

Bachbunge - Quelle: © Kai Hagemeister

Bachbunge - Quelle: © Kai Hagemeister
Bezeichnungen
Wissenschaftlich wird die Bachbunge nach Linnè als Veronica beccabunga bezeichnet. Wie beim Ehrenpreis bereits geschrieben, ist der Ursprung des Gattungsnamens Veronica umstritten. Vieles spricht dafür, dass es sich um eine Verstümmelung des Namens Betonica handelt. Der Artname beccabunga ist nach Theis eine Übertragung der Bezeichnung Bachbunge ins Lateinische.
Volkstümlich wird die Bachbunge auch als Bachbungen-Ehrenpreis, Wasserkresse, Bachkohl, Wassersalat oder Bachehrenpreis bezeichnet.
Indikationen
Bachbunge wird in der Naturheilkunde eine harntreibende, blutreinigende, hustenstillende, entwässernde, appetitanregende und abführende Wirkung zugeschrieben. Man nutzt die frischen Blätter der Bachbunge bei Harnverhalten, Anämie, Blasensteinen, Ruhr, Skorbut, Skrofulose, Lungenleiden und Stauungen in Leber und Unterleib. Äußerlich verwendet man Bachbunge traditionell zur Behandlung von Wunden, Geschwüren, Hautflechte, Hautflecken und Hämorrhoiden.
Verwendung in der Homöopathie
In der Homöopathie wird Bachbunge bei Wassereinlagerungen, mangelnder Wasserausscheidung, Haut- und Lebererkrankungen und Skrofulose verwendet.
Anwendung und Wirkung
Verwendet werden die frischen saftreichen Blätter der Bachbunge, die traditionell in der Morgendämmerung gesammelt werden. Sie dienen nicht nur aufgrund ihrer Heilwirkung sondern auch wegen ihres bitterlich, etwas scharfen, schwach salzigen Geschmacks als vitaminreiche Zugabe zu Wildsalaten oder Gemüse. Die Bachbunge ist eine der 9 Kräuter der Grünen Suppe (Neunstärke).
Für Heilanwendungen werden traditionell die Blätter der Bachbunge mit anderen Kräutern, wie dem Löffelkraut ausgepresst. Dieser Saft wird über den Tag verteilt getrunken. Für äußerliche Anwendungen nutzt man in der Naturheilkunde die zerdrückten Blätter der Bachbunge oder den Saft. Forest gibt an, Geschwüre mit einem Sud aus in Bier gekochter Bachbunge geheilt zu haben.
Bachbunge in der evidenzbasierten Medizin
In der evidenzbasierten Medizin wird die Bachbunge nicht genutzt.
Gegenanzeigen und Nebenwirkungen
Bei massvoller Verwendung sind keine Nebenwirkungen für die Bachbunge bekannt.
Anbieter und Preis
Bachbunge sollte frisch verwendet werden. Man findet die Bachbunge häufig an Bächen, Gräben, Quellen und sumpfigen Orten. Im Kräuterversand wird Bachbungenkraut zum Kauf angeboten. Der durchschnittliche Preis liegt bei 10 Euro für 100g. Getrocknetes Bachbungenkraut hat jedoch laut Überlieferung keinerlei Nutzen. Im Handel wird darüber hinaus Bachbungensaft angeboten. 50ml Bachbungensaft erhält man ab ca. 10 Euro.
Inhaltsstoffe
Bachbunge enthält das Glykosid Aucubin, Bitterstoffe, Gerbstoffe, Saponine, Vitamine, insbesondere Vitamin C und Jod.
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