Veilchen


Das Veilchen war schon den alten griechischen Ärzten wohl bekannt. Dioskurides empfahl im ersten Jahrhundert das Veilchen zur Behandlung von Schlundmuskelentzündung, Epilepsie, durch Alkohol verursachten Kater sowie die Blätter als Breiumschlag bei Gastritis und Mastdarmvorfall.

Im Mittelalter findet man das Veilchen in den meisten Kräuterbüchern. Allen voran in der Causae et Curae der von mir oft zitierten Äbtissin Hildegard von Bingen und dem New Kreutterbuch des von mir hoch geschätzten Landsmanns Hieronymus Bock. Letzterer empfiehlt 1565 das Veilchen bei allen hitzigen Krankheiten, gegen Epilepsie der Kinder, Seitenstechen. Äußerlich soll ein aus Veilchen geflochtener Kranz bei durch Trunkenheit verursachten Kopfschmerzen hilfreich sein. Bocks Schüler, Jacobus Theodorus, der sich selber Tabernaemontanus nannte, schrieb 1588 über das Veilchen:

Es hat das Veilchen ein gross Lob in der Artzney zu den jnnerlichen Gebresten dess Menschlichen Leibs/ fürnemlich in hitzigen grossen Febern unnd andern schwachheiten/ so von grosser Hitze jhren Ursprung gewinnen/ und in jungen Kindern so wol zu gebrauchen/ als in alten Leuten. Als zu den jungen Kindern so etwan mit der Fallendensucht unnd hitzigen Febern beladen weren/ der mag in mangel dess Zuckers/ die Veilchen in Wasser sieden unnd zu trincken geben. Dieses miltert die unrüwige Gallen/ und zertheylet die Gilb. Die Veilchen gesotten und darvon getruncken/ dessgleichen auch darvon gerochen/ stillen den hefftigen Schmertzen dess Haupts/ so von scharpffer Gallen entspringen/ weil sie solche feuchte auss dem Magen treiben. Sie külen und befeuchten das Haupt mit jhrem lieblichen guten Geruch/ und fürdern den Schlaff. Aber welche flüssige Häupter haben/ denen ist solcher Geruch schädlich.

Veilchen werden auch gantz nützlich gebrauchet in Brustschwachheiten/ als da seyn schwere Husten/ so von scharpffen unnd gesaltzenen Flüssen dess Haupts herkommen/ die Seitenkranck/ PLEURITIS genannt/ schwerer Athem/ Heysere der Keelen/ und dergleichen mehr/ wie auch die hitz dess Haupts/ dess Magens zu leschen und zu benemen. Jn den truckenen und dürren Hüsten/ da man feuchtens bedarff/ damit der zehe Schleim oder Phlegma/ so sich umb die Lunge angehenckt/ nicht gar durch die zertheilenden Artzneyen möge aussgetrucknet werden/ soll man jederzeit die Veilchen mit gebrauchen: Als zu bemeldem Husten/ neme man Veilchenwurtzel/ Alandtwurtzel jedes zwey loth/ Engelsüss ein loth/ Eysop/ Scabiosen/ Hüflattich jedes eine Handtvoll/ Hasenpappeln ein halbe Handtvoll/ Veilchenblumen drey Quintlein/ Aniss und Fenchel jedes ein halb loth/ acht frische Feigen/ kleine Rosinlein ein loth/ solche Stück soll man in einer Mass Honigwasser fast zweyer zwerch Finger breyd einsieden lassen/ darnach den Tranck abseigen/ und davon Morgens und Abends einen guten Trunck thun. Da aber grosse Hitz vorhanden were. Als im anfang der Seitenkränck in Entzündung der Lungen/ so von scharpffen Flüssen verursacht werden/ soll man inemen gescheelte Gersten 2 loth/ Frauwen Haar und Hüflattich jedes i.halbe Handvoll/ Veilchen und Borragenblumen jedes 2 Quintlein/ Süssholtz ein halb loth und 6 Quetschken solche Stück in 3 Röseln Brunnenwasser biss auff ein halb Mass einsieden lassen/ darnach durchseigen unnd darvon trincken: Und da man vier oder sechs loth Veilchensyrup darzu thut/ wirdt der Tranck desto besser/ leget den Durst und die Schmertzen/ so vom Stechen herrüren. Also kan man ein Gerstenwasser machen von geschelten Gersten/ darinn Veilchen/ Brustbeerlein/ Scabiosen und Zucker Candi gesotten sein/ davon jederzeit Morgen und Abends nemmen sechs loth/ darinne vermischen anderhalb loth Veilchensyrup ein halb loth Syrup von Süssholtz und solches etwas lauw ein trincken/ lindert sehr das hitzige Stechen/ so von cholerischen scharpffen Flüssen oder dergleichen Versammlung seinen Ursprung hat. LOBELIUS schreibet der Veilchensame treibe den Harn fort/ zerbreche den Stein in der Blasen und habe den Art zu truckenen wie der Wegrichsame: Ziehet auch die zehe Gall auss mit Gewalt) wiewol RONDEL.CAP.15.METHODI CURANDI setzet dass der Same ein Art habe zu feuchten und den Leib zu erweichen unnd offen zu halten. (Der Samen bey ein Quintlein in einer warmen Hennenbrü genommen/ purgieret.) Es sagt DIOSCORIDES und auch PLINIUS, dass die gelbe bützlin/ so inwendig in den Veilchen seyn/ mit Wasser gesotten und getruncken die Halssgeschwer/ Anginas genennt/ heylen sollen: Dessgleichen auch die Fallendtsucht der Jungenkinder. (Das gelb in den Blümlein mit Corall eyngeben den Kindern in einem Rörleinwasser/ ist gut für das Freisslich.) Es werden auch beyd Blumen unnd das Kraut von den Veilchen nützlich in Clystiren gebraucht/ wenn hitzige Feber fürhaben/ darvon die EXCREMENTA verbrennt unnd verhalten werden. (Es kan auch das Kraut wie bey den Alten der brauch gewesen/ zu einem Kuchen gemüss gebraucht werden/ den Leib jnnerlich zu külen/ unnd die Verstopffung dess Leibs zu offenen: Zu diesem gebrauch aber/ soll der Samen zwirend dess jahrs/ Frühling unnd Herbstzeit in ein faist Krautbeet Sähen/ darmit die Bletter faister/ milter/ geschlachter zu der Speiss werden. Zu der Artzney aber sind die beste die/ so im harten Grund und Schattechten Orten von jhn selbst wachsen. Die Bletter gepulvert eines Quintleins schwer in einer Hüner oder Erbsenbrüe ein wenig vor dem essen getruncken/ macht einen feinen linden stulgang. Ein Tranck von dürren oder grünen Veilchen Gesotten und getruncken/ leschet den Durst/ kület alle jnnerliche Hitz/ eröffnet die Leber/ heylet die Fieber unnd Gelbsucht/ so man ein wenig geläutert Honigs darzu thut/ miltert die Luftrör oder die Käl/ dienet dem geschwollenen erhitzigten Zäpfflein und Schlund/ reiniget die Brust/ und lindert den Bauch.) … Gleich wie die Veilchen sehr jnnerlich/ also werden sie auch eusserlich ohn Schaden gebrauchet. (An die frischen Blumen gerochen/ oder in ein Säcklein eyngenähet unnd auff das Haupt gelegt bringen den Schlaff.) GAL. Schreibet wie auch AETIUS. Dass die Bletter für sich allein/ oder mit Gersten maltzen wie ein Pflaster ubergeleget/ seyen gut wider die unnatürliche Hitz dess Magens/ unnd auch der Augen/ dieselbige zu lindern und zu benemen. (Die feuchten Veilchen zu Muss wol zerstossen und Pflasters weiss auff gelegt/ nimpt die scharpffen stich dess Haupts auff die Stirn und Schläff gelegt/ kület die erhitzigte Augen unnd benimmt die röte/ leget nieder alle hitzige Geschwulst dess Affters und der Geburtglider. Die Weisse Veilchen in Wein oder Wasser gesotten unnd auffgelegt/ treiben die todte Frücht auss dem Leib/ unnd legen die Geschwulst der Mutter: Auch wenn sich die Weiber von unden auff darmit beehen/ bringt es jhnen jhre Zeit. Die Blumen wie ein Krantz umb das Haupt geleget/ benemmen die Schwermütigkeit desselbigen/ so von Trunckenheit entstanden ist. Es werden auch die Veilchen nützlich gebraucht in den schwindenden Fiebern HECTICAE genennt/ wann man das Kraut unnd die Blumen mit andern HERBIS REMOLLIENTIBUS in einer feisten Brühe kochet/ darinn Tücher netzet und dem Krancken uber die Brust leget. (Die Blumen oder Bletter zerstossen unnd Pflasters weiss auffgestrichen unnd ubergeleget/ ist nützlich zum Anfang dess Brandts legt auch die Geschwulst aller anfahenden Geschwür und schädlicher Entzündung.)

50 Jahre später schrieb Matthiolus über die beruhigende, einschläfernde Wirkung des Veilchens und dessen hilfreiche Verwendung bei Brustleiden, Geschwüren, Augenentzündung und Harnbrennen. In den nachfolgenden Jahrhunderten verlor das Veilchen als Heilpflanze zusehends an Bedeutung bis Pfarrer Kneipp es wieder in’s Bewußtsein rückte und als Expektorans bei Husten, Keuchhusten und Dyspnoe empfahl. Heute hat das Veilchen in der Naturheilkunde kaum noch eine Bedeutung. Lediglich die durch Pfarrer Kneipp beschworene Verwendung als auswurfförderndes Mittel oder die Verwendung als Schluckdroge ist noch im Gebrauch. Es scheint verwunderlich, dass eine Heilpflanze wie das Veilchen, mit der man über die Jahrhunderte sehr gute Erfahrungen gesammelt hat, heilkundlich in Vergessenheit geraten ist.

Neben der Verwendung als Heilpflanze, nimmt das Veilchen in der Dichtung und in der Gunst des Volkes einen Platz ein, der nur noch duch die Rose übertroffen wird.

Veilchen Botanik

Das wissenschaftlich als Viola odorata bezeichnete Veilchen, ist eine Pflanze aus der Familie der Veilchengewächse zu denen auch das wilde Stiefmütterchen gehört. Neben dem hier beschriebenen Veilchen, das auch als März-Veilchen bezeichnet wird, gibt es auch das Sumpf-Veilchen, Viola palustris, das Wald-Veilchen, Viola reichenbachiana, das Hain-Veilchen, Viola riviniana und das Hunds-Veilchen, Viola canina. Letzteres verdankt seinen Namen der Ansicht, dass dieses geruchlose Veilchen weniger wertvoll sei, so dass es meist nur zur äusserlichen Anwendung in Form von Bädern empfohlen wurde. Bei dem von den alten griechen beschriebenen Veilchen, handelt es sich um das am wohlriechendste März-Veilchen, das eine ausdauernde, krautige, bis zu 15cm hohe Rosettenpflanze mit oberirdischen Ausläufern und einzelnen, lang gestielten, grundständigen, 2 cm langen, dunkelvioletten, stark duftenden Blüten ist. Die Blätter sind wurzelständig, langgestielt, rundlich bis eiförmig, am Rand gekerbt und fast glatt. Im Anfangsstadium sind die Blätter des Veilchens tütenförmig eingerollt.

Märzveilchen

Märzveilchen Quelle: © Kai Hagemeister

Bezeichnungen

Der Name Veilchen bezeichnet eigentlich keine Art sondern eine Gattung, zu der verschiedene Arten gehören, wie sie unter Botanik bereits aufgeführt wurden. Das hier beschriebene Veilchen wird wissenschaftlich als Viola odorata bezeichnet, wobei der Artname odorata auf den wohlriechenden Duft des Veilchens verweist. Der Gattungsname Viola soll nach Madaus eine lateinische Verkleinerungsform des griechischen Wortes ion darstellen. Einer Sage zufolge sollen ionische Nymphen das Veilchen dem Ion bei der Gründung Athens dargebracht haben.

Der Deutsche Name Veilchen ist eine direkte Entlehnung der lateinischen Bezeichnung Viola. Der oft auch gebrauchte Name Wohlriechendes Veilchen ist somit eine Übertragung der wissenschaftlichen Bezeichnung Viola odorata in’s Deutsche. Weitere Namen für das Veilchen sind Märzveilchen, Märzwohlgeruchsblume, Veicherln, Vallalaa oder Jungfrauenblüte.

Indikationen

Das Veilchen wird traditionell zur Behandlung von harten, bellenden Husten, Keuchhusten, Bronchialkatarrh, Tuberkulose, Dyspnoe (Atemnot), Kopfschmerzen, Migräne, Angina, Chlorose, Anämie, Milchschorf, Gicht, Podagra, entzündeter Mundschleimhaut, ekzematöse Veränderung der Haut, Gürtelrose, Gesichtsrose und trockener Haut verwendet. Darüber hinaus wird Veilchen als blutreinigend und beruhigend beschrieben, so dass es ebenfalls bei Hysterie, Hypochondrie, Herzklopfen mit Angstgefühl und Atemnot, Kinderkrämpfen, nervöser Überreizung und Einschlafstörung verwendet wurde.

Verwendung in der Homöopathie

In der Homöopathie wird das Veilchen nach Kosch bei Ohrenschmerzen, Augenschmerzen, Schwachsichtigkeit, Myopie, Chorioiditis, Flimmerskotom, Hysterie, Herzklopfen, Angstgefühlen, rheumatischen Schmerzen der kleinen Gelenke, Maserhusten, Keuchhusten, Bettnässen, Würmern, Exanthemen, Ekzemen, Skrofulose, Chlorose, Rose, Anämie und Entzündung der Mundschleimhaut eingesetzt. Äußerlich bei Quetschungen, Verrenkungen, Verhärtungen sowie bei Augen- und Liderkrankungen.

Veilchen Anwendung und Wirkung

Das Veilchen ist eine alte Gartenpflanze. Man findet es an Hecken, Zäunen, auf schattigen Wiesen und an Waldrändern. Verwendet werden die dunklen Blüten, die von März bis April ohne Kelch gepflückt und vorsichtig im dunkeln getrocknet werden. Die Veilchenblätter und der Wurzelstock werden ebenfalls in der Volksheilkunde verwendet. Erstere werden am Wurzelstock abgepflückt, gesäubert und anschließend an einem luftigen Ort getrocknet. Der Wurzelstock stellt laut Kosch eine Saponindroge dar. Die Veilchnwurzel kann danach die Ipecacuanha voll ersetzen. Sowohl was die auswurffördernde Wirkung angeht als auch die brecherregende Wirkung bei Überdosierung.

Aus den Veilchenblüten wird in der Regel ein Veilchensirup bereitet. Aus Veilchenblüten und Veilchenblättern wird meist  ein Veilchentee bereitet. Tabernaemontanus empfiehlt darüber hinaus Veilchensaft, Veilchenwasser, Veilchen-Cocktail, Veilchenzucker, Veilchenbonbons, Veilchenöl, Veilchenhonig, Veilchenessig.

Veilchentee

Für einen Veilchentee werden die Vielchenblätter oder eine Mischung aus Veilchenblättern und Veilchenblüten verwendet. Ein Teelöffel Veilchen wird mit 200ml kochenden Wasser übergossen und 15 Minuten in einem verschlossenen Gefäß ziehen gelassen. Kosch empfiehlt täglich 3 Tassen von diesem Tee, bei den meisten unter Indikationen aufgeführten Beschwerden. Ein Veilchentee aus der Veilchenwurzel sollte nicht mehr als einen halben Teelöffel Veilchenwurzel auf 200ml Wasser enthalten. Auch sollten nicht mehr als 3 Tassen täglich davon eingenommen werden. Höhere Dosierungen wirken brecherregend.

Zur Behandlung von Lungenkatarrh wird der Veilchentee statt mit Wasser mit Milch, mind. 3,5% Fettanteil, gekocht. Bei Keuchhusten, Atemnot und Blähbauch durch angesammelte Gase sollte ein Veilchentee aus 10g Veilchenblättern und 250ml Wasser bereitet werden.

Bei Kopfschmerzen hat sich eine Teemischung aus Wasserminze und Veilchen im Verhältnis 1:1 bewährt. Dieser Veilchentee ist auch hilfreich als Auflage oder zum Gurgeln bei Angina.

Zur Behandlung von Gicht werden 100g Veilchenwurzel und Veilchenblätter in 1 Liter Essig zerdrückt und gekocht und anschliessend in Form von Auflagen verwendet.

Veilchensirup

Einen Veilchensirup erhält man durch einkochen von einer handvoll frischer Veilchenblüten in Zucker und Wasser. Tabernaemontanus empfiehlt Veilchensirup vor allem bei Katarrhen der Brust aber auch bei Heiserkeit. Insbesondere wenn die Beschwerden mit Hitze, großen Durst und Verstopfung einhergehen. Bei Heiserkeit der Kinder soll ein Stück Süssholz in Veilchensirup getränkt und dem Kind zum saugen gegeben sehr hilfreich sein.

Veilchenwasser

Zur Herstellung von Veilchenwasser werden die frischen, geöffneten Veilchenblüten in Wasser destilliert ? zum kochen gebracht und der Wasserdampf aufgefangen. Veilchenwasser kann anschließend mit Branntwein vermischt werden.

Veilchensaft

Für einen Veilchensaft sammelt man so viele frische Veilchenblüten wie nur möglich. Aus den blauen Veilchenblättern wird der Saft durch auspressen gewonnen. Den Veilchensaft mischt man im Verhältnis 1:2 mit aufgekochten Zucker ? Zucker wird mit etwas Wasser zum kochen gebracht bis eine dickflüssige Zuckerlösung entsteht. Veilchensaft und Zucker werden anschließend vermischt und nochmals aufgekocht. Dabei wird der entstehende Schaum abgeschöpft um die Haltbarkeit des Veilchensaftes zu erhöhen. Der so erhaltene Veilchensaft wird vornehmlich bei Kindern eingesetzt.

Veilchen-Cocktail

Für einen Veilchen-Cocktail werden 500ml Veilchenwasser mit 250g Zucker zum kochen gebracht und nach dem Erkalten wird ein Eiweiss untergezogen. Aufgrund von Salmonellen ist diese Empfehlung aus dem Mittelalter nicht mehr ganz unbedenklich. Zumal es auch nicht wirklich lecker klingt. Trotzdem wollte ich das Rezept dem interessierten Leser nicht vorenthalten.

Veilchenbonbons

Für Veilchenbonbons wird Veilchenwasser oder reiner Veilchensaft mit Zucker in einer Pfanne zerlassen und anschließend in die gewünschte Bonbonfrom gegeben.

Veilchenöl

Für ein Veilchenöl werden die junge Veilchenblüten mit Olivenöl übergossen, bis sie vollkommen mit Öl überdeckt sind. Anschließend wird das Öl 10 Tage in die Sonne gestellt (öfters umschütteln). Anschließend durchseien und die Blüten gut auspressen. Nochmals mit frischen Veilchenblüten auffüllen und wiederum 10 Tage in der Sonne stehen lassen, dann durch ein Sieb geben, die Blüten wiederum auspressen und den Schritt ein drittes mal wiederholen.

Vereinzelt findet man auch den Ratschlag, das Öl nach jedem Arbeitsschritt mit den Veilchen kurz aufzukochen.

Veilchenessig

Veilchenessig erhält man, durch übergießen von leicht ausgedörrten Veilchenblüten mit Wein oder Weinessig. Anschließend lässt man den Essig 4 Wochen an einen warmen Ort stehen. Zum Schluss wird abgeseiht. Veilchenessig wird traditionell als herzstärkend beschrieben.

Veilchenhonig

Für einen Veilchenhonig nimmt man 500g Veilchenblüten ohne Kelch und zerstösst sie in einem Mörser. Anschliessend werden die Veilchen mit 3 Pfund flüssigen Honig, beispielsweise Akazienhonig, übergossen. Den Honig lässt man 2 Wochen in der prallen Sonne stehen, bevor man ihn verwendet. Veilchenhonig wird traditionell als gutes Mittel zur Linderung von trockenen Husten empfohlen.

Rezepte nach Madaus 1938

Veilchen bei Pertussis (nach Kroeber):

Rp.:
Hb. Droserae (= Sonnentaukraut)
Rad. Paeoniae (= Pfingstrosenwurzel)
Flor. Violae odoratae . . . aa 25 (= Blüten des Wohlriechenden Veilchens)
C.m.f. species.
D.s.: 1 1/2 Teelöffel voll auf 1 1/2 Glas Wasser.

Veilchen zur Blutreinigung (nach Zimmermann):

Rp.:
Hb. Hyperici (= Johanniskraut)
Flor. Violae odoratae (= Blüten des Wohlriechenden Veilchens)
Hb. Lamii albi (= Kraut der Weißen Taubnessel)
Hb. Meliloti albi . . . aa 25 (= Kraut vom Weißen Honigklee)
C.m.f. species.
D.s.: 2 Teelöffel voll auf 2 Glas Wasser.

Veilchen bei Husten und Keuchhusten:

Rp.:
Hb. Violae odoratae conc. . . . 30 (= Kraut vom Wohlriechenden Veilchen)
D.s.: 2 Teelöffel voll mit 2 Glas Wasser kalt ansetzen, 8 Stunden ziehen lassen und tagsüber trinken.
(Teezubereitung: Der aus dem Kraut heiß im Verhältnis 1 : 10 bereitete Tee gibt einen Extraktgehalt von 2,56% mit einem Glührückstand von 0,46%. Bei kalter Zubereitung erhält man einen Extraktgehalt von 2,38% mit einem Glührückstand von 0,42%. Die Peroxydasereaktion ist nur bei kalter Zubereitung und auch nur sehr schwach feststellbar. Geschmacklich ist zwischen beiden Herstellungsarten kein Unterschied. Ein Ansatz 1 : 50 ist trinkbar.
1 Teelöffel voll wiegt 1,6 g. Der Tee kann auf Grund dieser Befunde heiß oder kalt hergestellt werden unter Verwendung von etwa 1 Teelöffel voll auf 1 Teeglas.).

Veilchen bei Tussis (nach Peyer):

Rp.:
Decoct. Rad. Violae . . . 1:270 (Veilchen-Wurzel)
Sirup. Althaeae . . . ad 300
D.s.: Eßlöffelweise zu nehmen.

Veilchen bei nervöser Überreizung, Schlaflosigkeit und Hysterie (nach O. Schmidt):

Rp.:
Hb. Violae odorat. c. rad. . . . 10 (= Kraut mit Wurzel vom Wohlriechenden Veilchen)
Hb. Melissae (= Melissenkraut)
Rad. Valerianae (= Baldrianwurzel)
Hb. Millefolii . . . aa 20 (= Schafgarbenkraut)
C.m.f. species.
D.s.: 1 Teelöffel voll auf 2 Glas Wasser.

Veilchen in der evidenzbasierten Medizin

In der evidenzbasierten Medizin spielt das Veilchen keine Rolle. Man billigt dem Veilchen allenfalls schleimlösende und auswurffördernde Eigenschaften aufgrund der im Veilchen enthaltenen Saponine zu. Den aus den Veilchenblüten überlieferten Rezepturen spricht die evidenzbasierte Medizin, trotz jahrhundertelanger positiver Erfahrungen, jegliche Wirkung ab. Massgeblich für diese Anschauung ist das Fehlen von Saponinen in den Veilchenblüten. Vorstellbar wäre aus Sicht der evidenzbasierten Medizin eine nervenberuhigende Wirkung aufgrund der Duftstoffe.

Gegenanzeigen und Nebenwirkungen

Bei massvoller Verwendung sind keine Nebenwirkungen bekannt.

Veilchen Anbieter und Preis

Veilchen kann man selber sammeln. Sie sind leicht zu erkennen und es besteht kaum eine Verwechslungsgefahr. Wer sie lieber kaufen möchte, der kann 100g Veilchenblätter für durchschnittlich 6,50 Euro im Kräuterhandel kaufen. 100g Veilchenblüten werden für 15 Euro zum Kauf angeboten. 100g Veilchenwurzel erhält man bereits für 7 Euro. 100ml Veilcheblättertinktur kann man im Kräuterhandel für durchschnittlich 8,50 Euro kaufen.

Inhaltsstoffe

Saponine, Salicylsäuremethylester, Methylsalicylat, Zucker, Apfelsäure, Salicylsäure.

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