Wermut


Wermut wird als Heilpflanze bereits auf einem ägyptischen Papyrus aus dem Jahre 1600 vor Christus erwähnt. Araber und Kelten verwendeten den Wermut als Heilpflanze und die Ärzte der Antike schrieben dem Wermut Wirkungen zu, die weit über das, was der Wermut leisten kann hinaus gehen.

Wermut heilt Schwermut sagt der Volksmund. Dieser doch recht jung anmutende Reim ist inhaltlich gesehen sicher mehr als 3600 Jahre alt. So wird der Wermut bereits auf einem ägyptischen Papyrus aus dem Jahre 1600 vor Christus erwähnt. Araber und Kelten verwendeten den Wermut als Heilmittel und die Ärzte der Antike schrieben dem Wermut Wirkungen zu, die weit über das, was der Wermut leisten kann hinaus gehen. So schrieben Plinius und Theophrast über den Wermut.

Letzterer schrieb doch etwas abergläubisch, dass am Pontus die Schafe durch das Fressen von Wermut ihre Galle verlören. Eine Aussage, die Tabernaemontanus später zu der schalkhaften Äusserung veranlasste:

Den Wermut sei in Wahrheit auch den zornigen und bösen gallsüchtigen weibern eine überaus gute Arzney, die ihren leib mit stätigen zörnen und überlauffener Gallen träncken und mancherlei Krankheyt und Gefahr bringen, welche Mängel dann ohn sonderlichen großen kosten leichtlich köndten gewendet und hinweggenommen werden.

Abgesehen von dieser doch recht augenzwinkernden Aussage ließ sich auch Tabernaemontanus zu einer zumindest anfechtbaren Aussage hinreissen. So geht Tabernaemontanus davon aus, dass Wermut den Alkoholteufel austreiben könnte indem er schreibt:

…die vollen brüder helffen in damit, wann sie nachts überflüssig dem Baccho gedient haben. Gegen morgen rufen sie den wermutwein an, der sol die gesterig füll verdrucken,

Auch Dioskurides hielt den Wermut für ein ausgezeichnetes Mittel gegen den Alkoholrausch. So ist es kein Wunder, dass sich diese Ansicht bis weit in die Neuzeit hielt. 

Ganz entgegengesetzt entwickelte sich ein Wermutlikör in der Schweiz, der sich mehr darauf konzentrierte, das bereits erwähnte Sprichwort umzusetzen, nämlich den Schwermut mittels Wermut zu vertreiben. Dazu vermengte man Wermut mit Gewürznelken, Zucker, Weingeist, Anisöl und einigen weiteren Zutaten. Man bezeichnete diesen Wermutlikör als Absinth, französisch für Wermut. Wobei ein Dauerkonsum zum sogenannten Absinthismus führte, womit man einen körperlichen und seelischen Verfall Bezeichnete. Von diesem Verfall gibt es eine Darstellung von Edgar Dega aus dem Jahre 1876. Aufgrund des in Wermut enthaltenen giftigen Thujons wurde die Herstellung von Absinth 1923 in Deutschland verboten. Seit 1998 ist der Verkauf von Absinth in Deutschland wieder erlaubt. Allerdings mit Thujon-Grenzwerten.

In Japan und China entwickelte man das sogenannte Moxa. Hierfür verwendete man jedoch nicht, wie in manch einem Buch zu lesen, den Wermut, sondern den zur selben Gattung gehörenden Beifuß. Die Verwechselung ist jedoch nicht aussergewöhnlich. Bezeichnet man den Wermut doch auch als Bitterer Beifuß und bringt dadurch zum Ausdruck, dass Wermut sich hauptsächlich aufgrund seiner Bitterkeit vom Beifuß unterscheidet.


Es soll an dieser Stelle auch nicht verschwiegen werden, dass der Wermut aufgrund seines bitteren Geschmacks nicht nur positiv belegt wurde. So galt der Wermut in der Heiligen Schrift als Symbol für die Heimsuchungen und Leiden des Lebens. Grund dürfte seine vergiftende Wirkung auf das Nervensystem und sein bitterer Geschmack sein. Auch steht der Wermut für Bitterkeit und Trauer. So dürfte wohl jedem der sogenannte Wermutstropfen als Bezeichnung für negative Begleiterscheinungen ein Begriff sein.

Botanik

Der zur Familie der Korbblütler gehörende Wermut ist ein bis zu über einen Meter hohes, ausdauerndes Staudengewächs, das auf Feldern, an Wegen, Felsen, Gräben, Zäunen und Gärten zu finden ist. Der runde, verästelte Stengel ist grün-weiss bis silbrig und mit einem Haarfilz überzogen. Die am unteren Stengel sitzenden Blätter sind dreifach fiederspaltig, länglich lanzettförmig, die oberen immer einfacher werdend. Die Blätter des Wermuts sind oben graugrün, unten weiß, seidig behaart und gestielt. Die von Juni bis September erscheinenden Blüten sind gelb und sitzen, wie die Familienzugehörigkeit nahelegt, in kleinen, kugeligen, hängenden Körbchen an langen Rispen.

Wermut

Wermut © Kai Hagemeister


Wermut

Wermut © Kai Hagemeister

Bezeichnungen

Die Bedeutung der Bezeichnung Wermut ist nicht eindeutig geklärt. Möglichkeiten für die Herleitung des Namens Wermut liefert Tabernaemontanus indem er schreibt:

Wermtuh von ettlichen geheißen, darumb daß er den Genießenden allen muth durch sein bitterkeit hinweg nemme und eine lust und begierde zu den ehelichen wercken vertreibt. Andere halten davor, er hab den namen von seiner wermenden krafft empfangen, dannenher ihnen die Sachsen Wermpten nennen. Etliche nennen ihn weronmut, umb seiner treffentlichen und vielfeltigen Tugendt wegen, damit er allen unmuth hinwegtreibt.

Die Erklärungen von Tabernaemontanus scheinen wesentlich wahrscheinlicher, als so nahe liegende Vermutungen wie die oft gebrauchte Beziehungssetzung  zu Mut und wehren oder jene zu Wurm. Letztere scheint zumindest noch einleuchtend wegen der Verwendung von Wermut als Wurmmittel. So wird der Wermut noch heute in Süddeutschland als Würmken und Wurmken bezeichnet. Sehr wahrscheinlich scheint die von Tabernaemontanus beschriebene wärmende Kraft des Wermuts ausschlaggebend für die Benennung gewesen zu sein. Wonach die Ableitung von warm und von den althochdeutschen Wörtern od oder uod für Kraft, Schatz oder Besitz zur Bildung des Namens Wermut führte.

Wissenschaftlich bezeichnet man den Wermut als Artemisa absinthium. Womit der Wermut seinen Gattungsnamen der Göttin Artemis verdanken könnte. Wobei auch hier angemerkt werden muss, dass nicht wenige Artemisia, Königin von Karien und Rhodos für die Namensgebung verantwortlich machen. Danach ist die Bezeichnung einer Sage entlehnt, die erzählt, die Königin Artemisia habe den Wermut wegen ihrer allgemeinen Wertschätzung mit ihrem eigenen Namen bedacht und der griechischen Göttin der Fruchtbarkeit, Artemis geweiht. Auch hier möchte ich eine weitere Variante für die Herkunft des Gattungsnamens nicht verschweigen. So gibt es eine weitere Erklärung nach der die Bezeichnung Artemisa von dem griechischen Wort artemes für frisch und gesund abgeleitet ist. Die Artbezeichnung absinthium könnte aus den griechischen Worten a ? ohne und pino ? trinken oder a ? ohne und pindos ? Freude hergeleitet sein. Womit gemeint wäre, dass der Wermutsaft oder Wermuttee nicht trinkbar ist oder keine Freude bereitet. Bedenkt man, dass der Wermut aufgrund seines bitteren Geschmacks wirklich kaum trinkbar ist, erscheint diese Herleitung plausibel. Das er keine Freude bereitet könnte man in Zweifel ziehen. Heilt der Wermut doch Magen- und Darmbeschwerden die oft Schwermut mit sich bringen. Nicht umsonst heißt es im Volksmund Wermut heilt Schwermut.

Landestypisch gibt es viele weitere Bezeichnungen für den Wermut. So bezeichnet man ihn auch als Wörmk, Els, Weiberkraut, Jungfernkraut, Besenkraut oder Bartholomaeidagsblomster. Letztere Bezeichnung ist heute kaum noch zu finden und bezieht sich auf den Umstand, dass am Bartholomäustag – 24. August – gepflückter Wermut seine höchste Wirksamkeit entfalten soll.

Indikationen

In der Volksheilkunde wurde Wermut bei Magenbeschwerden, Verdauungsbeschwerden, Darmparasiten, Fieber, Grippe, Insektenstichen, Schmerz, Wunden, Leberleiden, Wassersucht, Blähungen, Mundgeruch, Sodbrennen, Übersäurerung, trockene Flechte, Stoffwechselerkrankung, Quecksilbervergiftung, Fettsucht, Gicht, Rheuma, Schwermut, Blutarmut, ausbleibende und schmerzhafte Periode und Aufstossen eingesetzt.

Wermut Anwendung und Wirkung

Hieronymus Bock schrieb über den Wermut:

Der Weronmut – Wermut – ist ein bewert und berühmt gewächs. Beynahe zu allen presten des inwendigen undeußerlichen leibs, in alle weg zu genießen, bekompt wol dem magen, macht dauen, erwärmet den Leib, stillet schmerzen, treibet auß allerhand gifft und gallen, macht lust zu essen, das wissen die vollen brüder. Benimmt das grimmen und bauchwehe, treibet aus die würm, zertheylet und füret auß die gälsucht, der frauen blödigkeit, weycht und eröffnet die verschlossene verstopfte beuch und die beuch so zu sehr fließen stillet der Weronmut – Wermut. Stillet das hauptweh, machet trübe dunkele augen klar un hell, desgleichen die schmerzlichen ohren. Zeitigt wol das halsgeschwär, benimpt das zahnwehe, stillet den ohrenschmerzen. Wer will seine tugend alle erzölen?

Hieronymus Bock umfasst mit seiner mittelalterlichen Beschreibung die Verwendung des Wermuts in der Volksheilkunde. 

Verwendet werden die Wermut-Blätter und Wermut-Blüten, die man Ende August sammelt.

Wermuttee

Wermuttee sollte nur in geringen Mengen eingenommen werden. Bei größeren Mengen kann es durch das in ihm befindliche, giftige Thujon, zu Vergiftungserscheinungen wie Kopfschmerz, Bewusstlosigkeit und Schwindel kommen.

EIn Wermuttee aus Wermut und Kalmus wurde traditionell bei allen Erkrankungen der Verdauungsorgane und Urinbeschwerden verabreicht. 

Wermut mit Tausendgüldenkraut und Johanniskraut vermischt, wurde bei Magen- und Leberleiden, Gelbsucht, Würmern und Wassersucht empfohlen. Er wird auch als hilfreich beschrieben bei Mundgeruch, Blähungen, Sodbrennen, Übersäuerung, Fieber, Appetitlosigkeit und Völlegefühl.

Eine kleine Tasse Wermuttee täglich wird zur Entgiftung empfohlen. So empfahl man ihn früher insbesondere Menschen, die mit Quecksilber in Berührung kamen.

Zwei mal täglich einen Wermuttee aus einem Teelöffel Wermutkraut und 200ml Wasser  verabreichte man bei Stoffwechselerkrankungen, Fettsucht, Gicht, Rheuma und Diabetes wenn die Beschwerden mit einer Gemütsverstimmung einher gingen.

Wermut mit Melisse im Verhältnis 1:1 vermischt soll einen Wermuttee ergeben, der besonders gut gegen Gemütsverstimmungen wirksam ist und das Konzentrationsvermögen stärkt. Zur Reinigung und Stärkung der Augen, nutzte man ihn auch als Augenwasser.

Gegen Würmer trank man täglich morgens und abends eine halbe Tasse Wermuttee auf nüchternen Magen. Zusätzlich machte man mit einem aus Wermut bereiteten Dekokt Einläufe.

Wermutpulver

Wermutpulver bereitete man aus den getrockneten Wermut-Blättern und Wermut-Blüten. Eine Messerspitze dieses Pulvers setzte man den Speisen zu um Blutarmut zu beheben. Ansonsten wirkt Wermutpulver wie der Tee. Mehr als zwei Messerspitzen voll sollte man nicht einnehmen.

Wermuttinktur

Eine gute Wermuttinktur erhält man, wenn man Wermutblüten auf Branntwein ansetzt ? Herstellung einer Tinktur. Bei Magenbeschwerden und Übelkeit empfahl man bis zu 60 Tropfen dieser Wermut-Tinktur. Bei Abmagerung sollte man morgens bis zu 30 Tropfen Wermuttinktur einnehmen und abends 30 Hagebuttentropfen.

Gegen Aufstossen verabreichte man 2 mal täglich 15 Tropgen Wermuttinktur mit warmen Wasser.

Eine besonders wirkungsvolle Tinktur um den Magen zu stärken erstellte man durch Herstellung einer Wermuttinktur und Vermischung im Verhältnis 1:1 mit Arnikatinktur, Tausendgüldenkrauttinktur und Kamillentinktur.

Wermutwein

Einen Wermutwein erhält man durch Mischung von einem Liter Wein mit 20g Wermut. Die Mischung lässt man 8 Tage an einem warmen Ort stehen und seiht anschliessend ab.

Wermutöl

Wermutöl wird aus noch nicht ganz geöffneten Wermutblütern erstellt, die man 1 1/2 Monate ziehen lässt.

Wermut in der heutigen Medizin

Wermut wird bei Appetitlosigkeit, Magenbeschwerden, Darmbeschwerden und Beschwerden der Galle eingesetzt. Grundlage für diese Einsatzgebiete sind die im Wermut enthaltenen Bitterstoffe, die eine Anregung der Magesaftsekretion bewirken und die Gallensaftproduktion anregen. In der Homöopathie wird Wermut darüber hinaus bei Erregung, Krämpfen und entzündeter Magenschleimhaut verabreicht.

Gegenanzeigen und Nebenwirkungen

In Wermut ist das giftige Thujon enthalten. Wermut sollte aus diesem Grund nur in geringen Mengen und nicht über einen längeren Zeitraum hinweg eingenommen werden. Während einer Schwangerschaft oder bei Magen- und Darmgeschwüren sollte Wermut nicht eingenommen werden.

Anbieter und Preis

Wie bei nahezu allen heimischen Heilpflanzen und Heilkräutern gilt auch hier die Empfehlung, Wermut in der Sommerzeit selber zu sammeln und zu verarbeiten. Wer dazu keine Möglichkeit hat, kann Wermut über den Kräuterhandel beziehen. Wermutkraut geschnitten, kann man zu einem Preis von 1,50 Euro bis 2,50 je 100g kaufen. Gemahlen liegen die Preis um fast 50% höher. Selbiges gilt für geschnittenes Wermutkraut in Bioqualität. Wermutkrauttinktur kann man zu einem Preis von durchschnittlich 7 Euro je 100ml kaufen.

Inhaltsstoffe

Wermut enthält ca. 2% ätherisches Öl mit über 50 Komponenten. Hauptkomponente ist das Nervengift Thujon, das zumindest in der Wirkung dem Alkohol nicht unähnlich ist. Darüber hinaus enthält Wermut bittere Sesquiterpenlactone wie Absinthin, Artabsin und Matricin, Flavonoide wie Artemistin sowie Phenolcarbonsäuren.

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