Schafgarbe


Die Schafgarbe zählt wohl zu den bekanntesten einheimischen Heilpflanzen. Sie dürfte bereits den Germanen bekannt gewesen sein. Schließlich erwähnten die Römer die Schafgarbe bereits in ihren ersten Schriften. Und so schreibt Marzell, ein Kenner der Geschichte der Heilpflanzen:

Warum sollten die Kräutersammler der alten Deutschen weniger geschickt im Beobachten gewesen sein, als die der Griechen und Römer?

In der Vergangenheit hat kaum ein Botaniker oder Kräuterkundler es unterlassen, die Schafgarbe in seinem Werk wenigstens zu erwähnen. Hieronymus Bock widmete der Schafgarbe breiten Raum in seinem New Kreuterbuch und schreibt über dessen Wirkung:

Dis kraut ist einer widerwertigen natur. wo man das kraut zerknirscht und das auf die blutigen wunden gelegt, so gesteht das Blut.

Damit beschreibt Bock die blutstillende Wirkung der Schafgarbe, die bereits die antiken Ärzte vor ihm ausführlich beschrieben.

Die Schafgarbe ist eine häufig auf Wiesen, Äckern und Wegrändern zu findende, bis zu 50 cm hohe Pflanze. Die in Dolden wachsenden, fünfblättrigen, gelblich-weißen Blüten und die lanzettförmigen, weichhaarigen Fiederblättchen verleihen der Schafgarbe ein stattliches Aussehen. In höheren Lagen erscheinen die von Juni bis September gebildeten Blüten der Schafgarbe oft rosafarben, weshalb man im Volksglauben davon ausging, diese Blüten könnten die Manneskraft steigern.

Schafgarbe

Schafgarbe Quelle: Kai Hagemeister

Bezeichnungen

Die Bezeichnung Garbe scheint aus dem althochdeutschen Wort garwa ? Kleid oder dem angelsächsischen gearva ? vollendet abgeleitet.  Während die Bezeichnung Schaf auf die Vorliebe dieser Tiere für die Schafgarbe hinweisen. Für die Schafgarbe gibt es viele weitere Bezeichnungen. Viele beziehen sich auf die Verwendung der Schafgarbe als blutstillendes Mittel oder Heilpflanze gegen Durchfall oder Kreuzschmerzen. So bezeichnet man die Schafgarbe auch als Blutstellkraut, Bauchwehkraut, Herrgotts Rückenkraut, Soldatenkraut, Beilhiebkraut, Zimmermannskraut oder Josephskraut. Letztere Bezeichnungen beziehen sich direkt auf die blutstillende Wirkung der Schafgarbe. Die Bezeichnung Josephskraut ist einer Sage entlehnt. Danach soll der biblische Joseph, seines Zeichens Zimmermann, sich bei der Arbeit verletzt haben. Sein göttlicher Sohn übergab ihm daraufhin die Schafgarbe worauf seine Wunde geheilt wurde.

Wissenschaftlich bezeichnet man die zur Familie der Korbblütler gehörende Schafgarbe als Achillea Millefolium. Den Gattungsnamen setzt Plinius mit einer Sage in Beziehung, wonach der griechische Held Achilles als Schüler des heilkundigen Zentauren Chiron die wundheilende Kraft der Schafgarbe entdeckte und Telephus,König von Mysia heilte. Der Artname millefolium ? Tausendblatt, weist auf die unzähligen, gefiederten Blättchen der Schafgarbe hin.

Indikationen

Schafgarbe wird traditionell insbesondere zur Blutstillung eingesetzt. Darüber hinaus ist sie dienlich bei Krämpfen, Magenschmerzen, Verdauungsbeschwerden, Blutreinigung, Kolik, Unterleibskrämpfen, Magengeschwür, Blasenschwäche, Bettnässen, Erkältung, Menstruationsbeschwerden, Weißfluss, Gicht, Rheuma, Fieber, Anämie, Asthma, Nierenleiden, Geschwüren, Ekzemen, Bluthusten, Hämorrhoiden, Masern, Scharlach, Leberanschwellung, Milzschwellung und Herzbeschwerden.


Durch den Gehalt an Chamazulen, ein gutes Destillationsöl kann 25% Chamazulen enthalten und damit mehr als Kamille, nutzt man die Schafgarbe heute ähnlich wie die Kamille. Aufgrund der in der Schafgarbe enthaltenen Bitterstoffe wie das Achillin setzt man Schafgarbe ebenfalls bei Magen und Darmbeschwerden ein.

Innerlich verwendet man die Schafgarbe in Form einer wässrigen Zubereitung als sekretionsanregendes Mittel zur Appetitanregung und zur Förderung der Gallensekretion sowie als krampflösendes Mittel.

Äußerlich in Form alkoholischer Zubereitungen, die entzündungs- und keimhemmend wirken.

Schafgarbe Anwendung und Wirkung

Die Verwendung von Schafgarbe als Gemüse

Aus den jungen, weichen Blättern kann ein sehr gutes Gemüse oder eine Suppe bereitet werden. Die im Frühling geernteten Blätter können auch geschnitten, wie Schnittlauch oder Kresse, verwendet werden und so beispielsweise auf’s Brot oder über frisch gekochte Speisen gestreut werden.

Schafgarbentee

Schafgarben-Tee wird aus den getrockneten Blüten und Blättern der Schafgarbe erstellt.  Auf 1/4 Liter Wasser nimmt man dazu 5-10g Schafgarbenkraut. 

Schafgarben-Tee wird traditionell bei nervösen und krampfartigen Schmerzen  in Magen, Milz, Darm und Galle sowie bei blutenden Hämorrhoiden, Schlaflosigkeit, Schwächezuständen und Bluthusten verabreicht.  Dazu trinkt man jeden Tag eine Tasse schluckweise. Dieser Schafgarben-Tee wurde traditionell auch bei Rückenschmerzen und Rheuma empfohlen.

Bei Rückenschmerzen trinke man täglich 1 – 2 Tassen Schafgarben-Tee. Er zerteilt und beseitigt die im Rücken befindlichen Blutstauungen und den an Rheuma leidenden bringt er sichere Hilfe, fördert in ganz erfreulicher Weise den Blutumlauf, beeinflusst zu starkes Herzklopfen und erhöhten Pulsschlag.

Bei chronischen Leberleiden trinkt man 1 bis 2 Tassen Schafgarben-Tee mit Johanniskraut, Dornschleh und einer kleinen Messerspitze Aloe vermischt.

Schafgarben-Tee mit etwas Wermut oder Johanniskraut vermischt , wurde in der Volksmedizin bei Brustfellentzündung und Lungenerkrankungen gereicht. Die Wirkung wird als anregend und kräftigend beschrieben. Auch bei Scharlach, Masern und Bettnässen soll der Tee mit gutem Erfolg angewendet wurden sein.

Äußerlich über einen längeren Zeitraum auf die Haut aufgebracht, soll er das Hautbild verbessern und Pickel verschwinden lassen.

Schafgarbensaft

Der aus den frischen Blättern und Blüten gepresste Schafgarbensaft diente in der Volksmedizin als Frühlingskur. Dazu verabreichte man ein bis zwei Esslöffel täglich. Schafgarbensaft wird als gutes Mittel gegen Arterienverkalkung beschrieben.

Das zerdrückte Kraut wird äußerlich auf Geschwülste aufgebracht. Schafgarbenbäder setzte man bei Schuppenflechte und Krätze ein.

Alkoholische Schafgarbenzubereitungen

Alkoholische Schafgarbenzubereitungen werden verdünnt bei Entzündung der Mund-, Magen- und Darmschleimhäute verwendet. Unverdünnt nutzt man sie bei Wunden und Geschwüren.

Schafgarbe in der Homöopathie

In der Homöopathie wird Schafgarbe bei Schwindel im Kopf, tränenden, entzündeten Augen, Nasenbluten, Ohrenschmerzen, Halsleiden, Magendrücken, Leibschmerzen, Durchfall, Hämorrhoiden, Blutharn, Brustschmerzen, Blutspucken, Gelenkrheumatismus, Fieber, eiternden Geschwüren, Wunden und Würmern eingesetzt.

Anbieter und Preis

Es empfiehlt sich die Schafgarbe selber zu sammeln. Wer nicht selber sammeln möchte, kann Schafgarbenkraut unter der Bezeichnung Millefolii herba oder Schafgarbenkraut zu einem Preis von ca. 2 Euro je 100g kaufen. Blüten werden im Handel unter der Bezeichnung Millefolii flos oder Schafgarbenblüten geführt. Der Preis liegt bei ca. 2,50 Euro je 100g.

Inhaltsstoffe

Im ätherischen Öl der Schafgarbe befinden sich über 100 Verbindungen. Dazu gehören Monoterpene wie das Cineol, Sabinen, Campher und Linalool. Sesquiterpenlactone wie Caryophyllen, Germacren und Bisabolol. Weiterhin Cumarine, Phenolcarbonsäuren, Polyine, Betaine und Sesquiterpenoide die tumorhemmende Wirkung zeigen.

Nebenwirkungen und Gegenanzeigen

Empfindsame Personen reagieren auf den Saft der Schafgarbe mit juckenden Hautveränderungen. Ein hoher Gehalt an Kalium spricht gegen die Verwendung bei bestimmten Indikationen, die eine Einschränkung der Kaliumzufuhr erfordern.

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